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Aulendorf - Abitur in Zeiten von Corona. Im Mai ist es soweit: Wir Schüler müssen uns in dieser doch recht ungewöhnlichen Zeit der Abiturprüfung stellen. Aber selbst wenn wir diese erfolgreich meistern, wird man doch das Gefühl nicht los, dass uns ein tatsächlich erfolgreicher Abschluss gestohlen wurde.

 

Emanuel FordererSeit mehr als drei Wochen sitzen wir Schüler des Gymnasiums Aulendorf wieder vor dem PC und versuchen, uns den Stoff so gut es geht selbst beizubringen. Den meisten gelingt dies auch einigermaßen, manche blühen in dieser Phase, in der ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Disziplin gefordert ist, regelrecht auf und strotzen nur so vor Produktivität. Doch in einem Punkt sind wir uns alle einig: Ein wirklich angemessener Abschluss einer Ära ist dieses Jahr jedenfalls nicht.
Normalerweise stellt das Abitur eben nicht nur ein Zeugnis der erbrachten Leistungen dar, sondern bildet das Ende der Zeit, die man als Klasse miteinander verbracht hat. Nicht wenige sind schon seit sieben Jahren Teil dieser Gemeinschaft, welche nun unter all diesen Einschränkungen auseinander gehen muss. Natürlich sind wir uns alle einig, dass solche Schritte angesichts der extremen Infektionszahlen sowie Todesfällen durch Covid-19 absolut notwendig waren, um die Gesundheit und auch das Leben unserer Mitmenschen zu schützen, dennoch ist es enttäuschend, wie dieses letzte Schuljahr zu Ende geht.
Mein Onkel erzählte mir kurz vor dem ersten Lockdown von seiner spannenden und erlebnisreichen Studienfahrt nach Amsterdam, doch nun wurde unsere in die Toskana abgesagt. Ich war damals beim Abiball meines Bruders dabei, doch nun wird unserer, wenn überhaupt, ohne strenge Abstands- sowie Hygieneregelungen nicht möglich sein. All dies ist eben extrem schade und lässt dieses Kapitel unseres Lebens mit einem faden Beigeschmack zu Ende gehen. Und natürlich muss man hier auch Festlichkeiten wie das Feiern des 18. Geburtstages erwähnen, die im Leben nie wieder kommen, nun jedoch quasi unbemerkt bzw. unbeachtet vorüber gehen.
All diese Überlegungen über die versäumten Momente, die allein schon für genug Kopfzerbrechen sorgen, werden von der momentanen Situation begleitet. Wie wohl die meisten sorgen natürlich auch wir uns um das Wohlergehen der uns Nahestehenden. Seien es unsere Großeltern oder andere Familienangehörige bzw. Bekannten, die einen Teil der Risikogruppe bilden. Selbstverständlich ist man frustriert, immerhin hält man sich selbst an die Verordnungen, sieht dann jedoch in den Sozialen Medien wie etliche Menschen Corona leugnen und dabei an Superspreading–Events teilnehmen.
Bei all den schlechten Nachrichten, die mit der Corona-Pandemie einhergehen, gibt es jedoch auch einen positiven Effekt, den diese mit sich gebracht hat. Vor allem die im letzten Jahr durch die Fridays for Future Bewegung, bei der auch einige meiner Mitschüler*innen teilgenommen haben, so stark diskutierte Problematik der Umweltzerstörung und den damit einhergehenden Folgen hat in der letzten Zeit eine wünschenswerte Entwicklung gemacht. So konnte Deutschland seine Klimaziele 2020 primär wegen der Pandemie bzw. aufgrund des Rückganges des Verkehrs sowie der Wirtschaft erreichen. Uns ist bewusst, dass dies nur eine Momentaufnahme darstellt und es ziemlich sicher wieder vermehrt zu Emissionen kommen wird, sobald die Wirtschaft anzieht, jedoch gibt uns die Entwicklung immerhin ein wenig Hoffnung auf eine Einsicht der Gesellschaft und Politik hin zu klimapolitischem Handeln und damit einer Chance für die Zukunft unseres Planeten.
Doch auch im nächsten Kapitel unseres Lebens sehen einige meiner Mitschüler*innen eine eher ernüchternde Zeit auf sich zukommen. Neben denjenigen, die bereits einen Studiengang oder eine Ausbildung im Auge haben, gibt es eben auch diejenigen, die schon seit geraumer Zeit planten, nach dem bestandenen Abitur ein Jahr im Ausland zu verbringen. Reisen bildet schließlich auch. Das verhindert nun das Virus – wie lange noch? Und welche Alternativen bieten sich?
Was mich persönlich angeht, so steht schon fest, was ich nach dem Abitur machen werde. Ich konnte mir nämlich einen dualen Studienplatz der internationalen Wirtschaftsinformatik sichern. Doch trotz der Sicherheit einer festen Stelle muss ich zugeben, dass auch ich ab und zu die Angst habe, diese Pandemie könne noch viel länger anhalten. Denn auch in meinem Studium sind Auslandsaufenthalte geplant, die dann in Frage stehen würden. Auch ich möchte mal wieder ohne Maske zum Einkaufen gehen oder meinen Opa besuchen. Und überhaupt möchte ich wieder ein normales Leben führen, Freunde treffen, ins Kino gehen und einfach machen können, was immer ich will. Selbst wenn die Infektionszahlen immer noch ziemlich hoch sind, bleibt dennoch die Hoffnung, dass diese sich in nicht allzu ferner Zukunft so einpendeln, dass wir langfristig zu dem Zustand zurückkehren können, den ich bzw. wohl die meisten so sehr vermissen.

 

Autor: Emanuel Forderer

 

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