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Statt die Segel zu streichen wird dem Wohnzimmer ein neuer Anstrich verpasst, statt in Thailand auf kulinarische Entdeckungsreise zu gehen, widmet man sich der Küchenrenovierung. Der Ansturm auf Baumärkte hat, nachdem die anderen Geschäfte wieder offen sind, zwar nachgelassen, hält aber an. Im Urlaub dahoim was tun, ist der Trend.

Menschen in Kurzarbeit nutzen die Zeit zum Werkeln zu Hause. Wer nicht in Urlaub fahren kann oder will, verschönert seine Wohnung, das Haus und den Garten. Baut aus, um, renoviert. Wer Urlaubsgeld bekommt, investiert es in Holz, Farben, Tapeten oder Pflanzen. 
Gaststätten und Geschäfte mussten zu Beginn der Corona-Krise schließen, Baumärkte blieben in vielen Bundesländern geöffnet. Als für Viele das Leben aus den Fugen geriet, fuhren sie in den Baumarkt, die von der Politik als systemrelevant eingestuft worden warenund gewannen damit zumindest ein wenig das Gefühl der Normalität zurück. Der Ansturm auf die Wertstoff-Sammelhöfe zeigte, dass man sich endlich aufraffte, den Keller oder den Hobbyraum zu entrümpeln, sich von Unnötigen zu trennen. Und da man nun viel mehr Zeit in den eigenen vier Wänden oder, so vorhanden, im Garten verbrachte, wurde dort ausgemistet, umgebaut, geschnitten und gepflanzt. Menschen, die bisher davon überzeugt waren, zwei linke Hände zu haben wurden plötzlich Experten für Senkkopfschraube, Linsenkopfschraube, Rundkopfschraube in Kreuz- und Längsschlitz oder Schlüsselkopfschraube mit Sechskantkopf. Oder versuchten es zumindest. Zumindest ein neuer Toilettendeckel mit Fotos drauf, ein neuer Grill oder einen neuen Boden für den Balkon gönnte man sich. Wer sich nicht aufs Verlegen von Platten versteht, lässt sich im Baumarkt wenigstens ein Stück Kunstrasen abschneiden. Die Schlangen vor den Baumärkten waren allerdings auch den speziellen Anforderungen des Abstandhaltens geschuldet. In einem Markt mit 10 000 Quadratmetern Verkaufsfläche durften sich nur hundert Kunden zeitgleich aufhalten. Der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) betonte, dass in den Monaten März bis Mai in Deutschland normalerweise rund 38 Prozent des Jahresumsatzes erzielt werden. Vor allem bei Pflanzen und anderen Gartenartikeln sind dies die wichtigsten Monate. Im letzten Jahr verzeichnete die Baumarkt-Branche mit einem Gesamtumsatz von 19,5 Milliarden Euro ein Plus. Bleibt abzuwarten, wie die Zahlen sich im Corona-Jahr entwickeln. Als die Garten- und Baumärkte in Bayern vom 23. März bis 20. April schließen mussten, beobachteten die grenznahen Märkte in Baden-Württemberg wie etwa in Ulm einen regelrechten Baumarkt-Tourismus. Besonders gefragt allerorten: Sitzgruppen, Gartenzubehör und Pools.

 

Insenktenfreundliche Blumenpracht für den Urlaub im Garten

Insenktenfreundliche Blumenpracht für den Urlaub im Garten.

 

Terrassendielen und Küchen sind gefragt

Auch Andreas Rodi, Inhaber der Firma Holzbau Ströbele in Fischbach, berichtet von einer guten Nachfrage. „Alles rund um den Garten ist nachgefragt. Was wir sehr gut verkaufen sind Terrassendielen, Zäune und Sichtblenden.“ Ströbele ist auch Spezialist für hochwertige Gartengrills. “Bei den Grills verzeichnen wir keine erhöhte Nachfrage. Wir verkaufen auf gutem Niveau wie in den Vorjahren, und das trotz der fehlenden Events. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie gehen auch am beliebten Grillstadl nicht vorbei.“ Unter den momentanen gesetzlichen Vorgaben sieht Rodi keine Möglichkeit, die Grillkurse in einem vernünftigen und für die Teilnehmer angenehmen Rahmen durchzuführen. 
Helmut Grell vom Fischbacher Möbelhaus Grell verzeichnet eine verstärkte Nachfrage. „Seit wir wieder aufhaben laufen bei uns vor allem die Küchen gut. Die Leute sind zu Hause und sanieren ihre Wohnung anstatt in Urlaub zu fahren. Was man schon lange vorhatte, wird jetzt umgesetzt. Wir hoffen, dass es so bleibt.“ Werden auch verstärkt bequeme Bürostühle fürs Home-Office gekauft? „Ja, die gehen echt gut“, freut sich der Unternehmer. 

Gartenschläuche und Gurken 

Der Ulmer Gartengerätehersteller Gardena meldet Ende Juli einen Umsatz von 631 Millionen Euro und damit ein Umsatzplus von 62 Mio. zum Vorjahr. Wie viel derCorona-Effekt zu dieser Entwicklung beitrug, lässt sich nicht beziffern. An den Schneeräumgeräten lag’s auch in den Wintermonaten sicher nicht. Klar ist, dass Gärtnern generell hoch im Kurs steht. Viele Gartenbesitzer freuen sich dabei nicht nur über Dekoratives, sondern ernten bereits die ersten eigenen Tomaten, Zucchini, Gurken und Kürbisse. Als abzusehen war, dass man dieses Jahr zum Gießen daheim sein würde, pflanzte man erstmals Essbares rund ums Haus in Töpfen und Kübeln oder kaufte sich ein kleines Gewächshaus. Manch einer oder manch eine baute es sogar selbst und liegt dabei voll im Trend. Dass der Gartenneuling einen Teil der Ernte den Schnecken überlassen muss, und nicht jede anstrengende handwerkliche Arbeit eitel Freude macht, ist Teil der Erfahrung.

 

Text und Fotos: Andrea Reck

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