BLIX Banner1

Blixland - Nachdem die Mieten in Stuttgart und München jahrelang im Steilflug nach oben schossen, flacht die Preiskurve dort allmählich etwas ab. Am Alpenrand hingegen geht’s schneller aufwärts.

 Das Immobilien-Portal Immowelt verglich die Angebotsmieten für Wohnungen zwischen 40 und 120 Quadratmetern in 138 Stadt- und Landkreisen Bayerns und Baden-Württembergs. Verteuert haben sich die Mieten in den vergangenen zwölf Monaten fast überall. Doch während sie in München etwa um zwei Prozent stiegen, in Nürnberg und Stuttgart um drei Prozent, kletterten sie in Kleinstädten und ländlichen Regionen schneller. Spitzenreiter aller Kreise war die Stadt Memmingen mit einem Plus von 16 Prozent, gefolgt vom alpennahen Landkreisen Oberallgäu (+15 Prozent) und Garmisch-Partenkirchen (+13 Prozent). Datenbasis für die Berechnung der Mietpreise waren dabei auf immowelt.de inserierte Angebote. Dabei wurden ausschließlich Angebote berücksichtigt, die vermehrt nachgefragt wurden. Die Preise geben den mittleren Wert der jeweils in den Monaten Januar bis Juni 2020 und 2021 angebotenen Wohnungen der genannten Größenordnung wieder. Bei den Mietpreisen handelt es sich um Nettokaltmieten bei Neuvermietung. Natürlich gibt es regionale Unterschiede. Um 2 Prozent stiegen demnach vom ersten Halbjahr 2020 zum 1. Halbjahr 2021 die Mieten in Ravensburg (von 9,60 auf 9,80 EUR pro Quadratmeter), um 3 Prozent in Ulm (von 13,40 auf 13,80 EUR), um 5 Prozent in Biberach (von 8,60 auf 9,00 EUR) und um 8 Prozent in Sigmaringen (von 7,10 auf 7,70 EUR).
Die steigenden Miet- und Immobilienpreise sind also kein reines Metropolen-Phänomen. Konnte die Corona-Krise dem deutschen Immobilienmarkt schon nichts anhaben, so rechnen Experten nun auch noch mit Nachholeffekten. Laut einer Prognose des Hamburger Gewos-Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung wird der Immobilien-Gesamtumsatz im laufenden Jahr um 6,3 Prozent auf 311,1 Milliarden Euro steigen. Im bisherigen Rekordjahr 2020 hatte der Umsatz knapp 293 Milliarden Euro betragen. Treiber sind vor allem die Wohnimmobilien, deren Volumen vom Vorjahr voraussichtlich um 7,5 Prozent auf 237,7 Milliarden Euro wachsen wird. Eine Atempause habe es im Corona-Jahr 2020 nicht gegeben, erklärt Gewos-Experte Sebastian Wunsch. Das Marktgeschehen verlagere sich zunehmend aus den leergekauften Märkten in den Großstädten in die Speckgürtel und in ländliche Räume. Der Trend ins Umland scheine sich im Licht der Pandemieerfahrungen zu verstärken, sagte Wunsch. Besonders gefragt sind Ein- und Zweifamilienhäuser, für die Gewos im vergangenen Jahr ein Allzeithoch von bundesweit 259.300 Kauffällen registrierte.
Nach einer Untersuchung von Immobilienökonomen der Universität Regensburg im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hanns-Böckler-Stiftung betrug der Pandemieeffekt bei den Angebotspreisen für Eigentumswohnungen im bundesweiten Durchschnitt 0,7 Prozentpunkte. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern seien es sogar 1,1 Prozentpunkte gewesen. Insgesamt hätten die Angebotspreise für Eigentumswohnungen zwischen dem 1. Quartal 2020 und dem 2. Quartal 2021 sogar um durchschnittlich 17 Prozent zugelegt, die für Einfamilienhäuser um 15,6 Prozent.
Bei den Mieten sei der Effekt kleiner und zudem regional unterschiedlich: Während die Pandemie das Wachstum bei Neu-Mieten in Groß- und Mittelstädten leicht gedämpft habe, seien die Angebotsmieten für Neuverträge in ländlicheren Regionen durch Corona zusätzlich nach oben gegangen. Bundesweit sind aber auch die Angebotsmieten um 5,0 Prozent gestiegen, so dass die Mieter-Haushalte einen immer größer werdenden Teil ihres Budgets für Wohnen aufbringen müssen. Wohneigentum werde vielerorts vor allem für Haushalte mit durchschnittlichen oder kleineren Einkommen „zunehmend unerschwinglich“ fasst die Hanns-Böckler-Stiftung die Lage zusammen.

 

Autorin: Andrea Reck

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­