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Unser Artikel „Nie ätzender“ aus der letzten Ausgabe BLIX Juni 2020 stieß auf großes Echo. Die Meinung unserer Leser ist uns dabei wichtig. Wir greifen das Thema in den Leserbriefen erneut auf und stehen Rede und Antwort.

Sehr geehrter Herr Reck,

mit Verwunderung musste ich ihren Artikel „Nie ätzender“ in der Juni-Ausgabe 2020 lesen. Als früherer kritischer Journalist, der nicht ganz freiwillig aus der ortsansässigen Redaktion ausgeschieden ist und in Ihrer freien Zeitschrift BLIX eigentlich frische und von den üblichen Medien abweichende Meinungen und Artikel geschrieben hat, finde ich es eigenartig, dass sie jetzt die örtliche Zeitung verteidigen und auf die Mainstream-Presseaussagen aufspringen. Dabei werden sogar noch falsche Behauptungen aufgestellt, dass bei den Demonstrationen, die ja laut Grundgesetz unser gutes Recht sind, über Bill Gates hergezogen wurde. Ich war bei allen Demonstrationen dabei und habe kein einziges Wort darüber gehört. Wenn Sie sich einmal über andere Quellen informiert hätten und auch mal angesehene Virologen und Ärzte angehört hätten, die in den normalen Medien nicht mal gefragt oder angehört wurden, hätten Sie vielleicht den Artikel etwas objektiver geschrieben. Zu schreiben, dass alle Demonstranten Spinner, Verschwörungstheoretiker und Leute sind, denen es nur ums Urlaubmachen geht, ist, gelinde gesagt, eine Frechheit. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und stehe mit beiden Beinen auf dem Boden. 

Lesen sie doch mal einige Artikel von angesehenen Medien nach, z.B.:

Zeit, Oktober 2014: Der Weltgesundheitsapostel

Zeit, April 2017: Der heimliche WHO-Chef heißt Bill Gates

Süddeutsche Zeitung 2015: Schmutzige Deals mit dem Geld von Bill Gates

Der Standard, 2008: Das schmutzige Geheimnis der Gates-Stiftung

Arte Dokumentation, 2009: Profiteure der Angst (Schweinegrippe)

2019 ARD- Südwestrundfunk: WHO am Bettelstab – Was gesund ist bestimmt Bill Gates

Warum schreiben diese Medien heute komplett anders? Was hat sich geändert? Warum ist jeder, der sich auf diese früheren Berichte bezieht und sie mit den heutigen vergleicht ein Spinner und Verschwörungstheoretiker? Ich würde mich sehr freuen, wenn sie in Zukunft etwas objektiver darüber berichten würden. Ich gehe davon aus, dass dieser Leserbrief sicher nicht abgedruckt wird. Trotzdem finde ich ihn wichtig.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Koch, Biberach

 

Sehr geehrter Herr Reck,

Ihnen ist leider ein Fehler unterlaufen, auf den ich Sie aufmerksam machen möchte: Anscheinend waren Sie in letzter Zeit auf einer Demonstration von Verschwörungstheoretikern, die das Thema Gates, Trump und Systemmedien behandelten. Diesen Besuch haben sie offensichtlich mit Ihrem Besuch bei unserer Demo „zur Wahrung der Grundrechte“ verwechselt. 

Unser Thema war ein völlig anderes - Sie haben doch mein Redemanuskript erhalten, schauen Sie doch einmal nach.

Lieber Herr Reck, das kann jedem mal passieren, nichts für ungut. Um eine Entschuldigung möchte ich Sie aber bitten, sonst würden manche Leser vielleicht meinen, dass Sie uns auch als Verschwörungstheoretiker verunglimpfen möchten.

Mit freundlichen Grüßen,
Matthias Kräutle

 

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Demo in Biberach. Foto: Roland Reck

 

Unsere Antwort: Neu nachdenken

Vielen Dank, Herr Kräutle, für Ihren kritischen Leserbrief, auf den ich kurz eingehen möchte, da Sie sich als Mitorganisator der Demos in Biberach von unserer Berichterstattung in besonderem Maße angesprochen fühlen.

Ich kann verstehen, dass Sie mit meiner „persönlichen Annäherung“ nicht einverstanden sind, da diese auch kritisch ausfällt. Ich habe mich jedoch bemüht, dabei beide Seiten des Protestes zu würdigen: nämlich die Sorge einerseits und die Verschwörung andererseits. Diese Würdigung findet sich bewusst auch in der Bildauswahl, die sogar zu Zweidritteln ganz in Ihrem Sinne sein müsste. Auch was den Text anbelangt, sind etwa Zweidrittel eine Beschreibung der Sorgen, die die TeilnehmerInnen zum Protest motivieren, und damit bin ich auch indirekt auf Ihre Rede eingegangen. Da BLIX aber den Anspruch hat, ein Magazin für Oberschwaben zu sein, habe ich mich freilich nicht nur auf die Demo in BC beschränkt, sondern bewusst auch Ravensburg und Leutkirch mit einbezogen. Das ist auch ein Indiz für seriösen Journalismus. Nun ja, und dass das Schwäz-Bashing auch bei Ihrer Demo eine große Rolle spielte, werden Sie wohl kaum bestreiten. Deshalb gehe ich auch darauf ein, obwohl ich mich überhaupt nicht als Verteidiger dieser Zeitung verstehe. Ich bemühe mich in meiner Arbeit immer um einen Kontext, der den LeserInnen zur Orientierung dienen soll, und zum Kontext gehört bei den Demos gegen die Corona-Maßnahmen eben auch die Verschwörung, die sich interessanter Weise besonders auf eine Person konzentriert. Ich habe mit dem Multimilliardär Bill Gates für gewöhnlich nichts am Hut, aber ihn mit einer tödlichen Krankheit (AIDS) zu vergleichen, wie auf Plakaten zum Ausdruck gebracht, zeigt meines Erachtens die kritikwürdige Geisteshaltung, die dahinter steckt. Das können Sie freilich anders sehen, aber ich wüsste nicht, warum ich mich für diesen Meinungsunterschied bei Ihnen entschuldigen sollte.

Ich glaube Ihnen, dass Sie sich nicht zu den Verschwörungsgläubigen zählen, aber dass es solche auch in BC auf der Demo gab, habe ich selbst erlebt, und dann berichte ich auch darüber, weil es zum Kontext gehört. Auch wenn es Ihnen persönlich nicht gefällt.

Sie zitierten zum Schluss Ihrer Rede, den amerikanischen Politiker und Gründervater Benjamin Franklin (1706–1790): „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ Dieses Zitat findet sich auch auf einem Demo-Plakat und als Foto in BLIX, hoffentlich ganz in Ihrem Sinne. Vielleicht sollten wir uns die Mühe machen, mit den Erfahrungen, die wir mit Corona gemacht haben, über diesen Freiheitsbegriff und unser Verständnis darüber neu nachzudenken. Die jüngsten Entwicklungen in den USA bestärken mich darin.

In diesem Sinne und mit besten Grüßen
Roland Reck

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