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Sehr geehrter Herr Dr. Reck,
Ihr Artikel „Horrido“ in Ihrer Zeitschrift BLIX darf nicht ohne Reaktionen bleiben. Journalistisch erscheint mir allerdings die Jagd bei Ihnen nunmehr auf der untersten Sohle angekommen zu sein. Ich weiß nicht, wie Sie selbst jagen und welches Selbstverständnis Sie dabei haben.

Die blanke Hetze auf Jagd und Jäger allerdings wird nicht einmal im Ansatz den Ansprüchen an meine Erinnerungen an Sie als Journalist, Förster und Jäger gerecht. Die von Ihnen hochgelobten, strebsamen und von der Globalisierung so harsch gebeutelten Landwirte sind es, denen die Fluren und Felder gehören. Sie verpachten das Jagdrecht auf ihrem Land an ansässige Jäger zu moderaten Preisen. Wenn dann, wie wir beide Jäger sagen, die Sauen zu Schaden gehen und große Flächen für den Broterwerb des Landwirts unbrauchbar gemacht werden, erwarten die Landbesitzer mit Fug und Recht, dass durch das Bejagen Abhilfe geschaffen wird. Dies gilt ganz besonders in dem Teil Deutschlands, für den Sie BLIX produzieren: Oberschwaben. Dies und das Jagen an sich ist nicht nur vom Gesetz gedeckt, sondern gefordert. Dass ausgerechnet in unserem grün-regierten Bundesland die von Ihnen inkriminierten Sachverhalte Gesetz wurden, ist nachdenkenswert.

In Ihrem Artikel nutzen Sie beinahe alle verfügbaren Klischees, vom SUV in Militärtechnik über hemmungslose Technikfreaks, die auf dem Sofa auf die Bilder der Wildkamera von der „Falle Lockfütterung“ warten, die bisher dem Militär vorbehaltene Nachtsichttechnik, eine Bache mit Frischlingen (s. Foto) und der Drohnenaufklärung, wo denn das „Viehzeug“ steckt. Die Machart erinnert fatal an Populisten diverser Couleur. Der „tödliche Irrtum“ der Wildschweine wird jedem endgültig die Zornesröte ins Gesicht treiben. Bei Nichtjägern löst er den Zorn auf diese widerlichen, hinterhältigen, SUV-fahrenden und alles totschießenden Technikfreaks vom Stammtisch aus. Bei Jägern entsteht aus solchen Formulierungen Zorn über einen verallgemeinernden und (ver)hetzenden Artikel, ausgerechnet in einem Oberschwaben Magazin. Ich nenne dies die bewusste Beförderung gesellschaftlicher Spaltung.

Ihre offenkundig populistische, spaltende Intention wird aus meiner Sicht am Ende Ihres Artikels unterstrichen. Die Geschichte des jungen, fehlgeleiteten Försters wird der Jägerschaft, die Sie pauschal verunglimpfen, nicht besonders gefallen. Diese Anmerkung kann nur als weiterer „Spaltpilz“ verstanden werden.
Inhaltlich und sachlich ist das Traktat jedenfalls deutlich unter Ihrem mir bisher bekannten fachlichen und intellektuellen Niveau. Da Sie präzise wissen, was und warum Sie schreiben, Wirkung mit spitzer Feder steuern und antizipieren, können Sie nicht darauf hoffen, vom Vorwurf der Hetzkampagne gegen Jagd und Jäger freigesprochen zu werden. Schade!
Mit jagdlichen Grüßen, Hanno Wolfram

 

Sauenschaden Flst. 370 5

Das von einer Drohne aufgenommene Foto zeigt einen Ausschnitt aus einem ca. 4 Hektar-Wiesen-Totalschaden. Foto: Hanno Wolfram

 

Antwort: Krieg gegen die Natur

Guten Morgen, Herr Wolfram!
Der Tag beginnt nicht schlecht: Ein Jäger äußert sich. Vielen Dank für Ihre Mühe! Ich verstehe Ihren „offenen Brief“ als Leserbrief und möchte ihn auch als solchen veröffentlichen.
Tja, es liegt also nicht am Alter, dass ich mit der 2.0-Jagd meine Probleme habe, denn altersmäßig sind wir ja in der gleichen Kohorte. Aber trotz ähnlichen Alters sehen wir unser jagdliches Tun ganz offensichtlich unterschiedlich. Das ist weiters nicht schlimm, wobei Sie in Ihrer Kritik nicht auf meine Kritik an der grassierenden Technikfixierung der Jagd und der damit einhergehenden „Schädlingsbekämpfung“ eingehen, sondern sich vorrangig über meinen Stil empören. Okay, man kann über den Stil reden, aber man muss dann auch über des Pudels Kern reden und nicht so tun, als ob die Kritik aus der Luft gegriffen wäre. Ich bin leidenschaftlicher Jäger, aber ich mach mich deshalb nicht dümmer als ich bin, sondern bemüh‘ mich – wie bei der Jagd – genau hinzuschauen.
Ich will hier nicht auf weitere Details eingehen, das wäre tagfüllend. Wir können uns bei aller Differenz vielleicht darauf verständigen, dass Jagd schon immer gesellschaftliche Verhältnisse spiegelte. Warum also sollte unser „Krieg gegen die Natur“, der faktisch stattfindet, die (moderne) Art unserer Jagd nicht auch bestimmen? Darüber gilt es nachzudenken.
Und last but not least geht es mir nicht alleine um das Wohl der wilden Sauen, sondern wie Sie dem viel umfänglicheren Teil meiner Berichterstattung entnehmen können, um die Frage, wie wir mit unseren Mitgeschöpfen, die wir Schweine nennen, umgehen (und wenn ich dabei auch noch ein Herz für die „gebeutelten“ Bauern zeige, wie Sie spitz anmerken, dann kann ich hiermit meine Hallo-wach-Übung abschließen).
Mit freundlichem Gruß und Waidmannsheil!
Roland Reck

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