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Memmingen - Der im Jahr 2000 zum 475. Jubiläum ausgelobte Memminger Freiheitspreis soll an die Zwölf Bauernartikel, die 1525 in der Kramerzunft verfasst wurden, erinnern. Verliehen wird der mit 15.000 Euro dotierte Preis alle vier Jahre an Personen, die sich in besonderer Weise um die Freiheit der Menschen verdient gemacht haben. Inzwischen steht auch der nächste, der fünfte Preisträger bereits fest. Es ist der Journalist, Autor, Publizist und Kommentator Heribert Prantl. 

 

Der 1953 im oberpfälzischen Nittenau (Landkreis Schwandorf) geborene politische Journalist war lange Jahre eine die Süddeutsche Zeitung prägende „Edelfeder“. Die Jury möchte seine Lebensleistung gewürdigt sehen. Oberbürgermeister Manfred Schilder betonte, dass Prantl „in vorbildlicher Weise den Anforderungen zur Vergabe dieses Freiheitspreises entspreche. Als „Mutmacher und Aufklärer“ sehe er seine Aufgabe vor allem darin, für die im Grundrechtskatalog des Grundgesetzes enthaltenen Freiheitsrechte einzutreten.

Der Kuratoriumsvorsitzende und frühere SPD-Landtagsabgeordnete Herbert Müller legt Wert darauf, dass mit Prantls Auszeichnung die freie Presse als Grundsäule unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt wird. Als Journalist und Autor sieht sich der gelernte Jurist auch dem kritischen Diskurs verpflichtet, um denen zu begegnen, die mit der Angst der Menschen Politik zu machen versuchen. Mit aller Entschiedenheit müsse gegen jene vorgegangen werden, die mit Kampfbegriffen wie „Lügenpresse“ das Vertrauen in die Presse zersetzen wollen, was Herbert Müller als Angriff auf die Demokratie und das Grundgesetz einstuft. In seinen Augen werbe Prantl für einen Journalismus, „dem die Leute trauen und vertrauen“. Und Dekan Christoph Schieder würdigt Prantl als Mann, dem die biblische Botschaft am Herzen liegt. Auf sie beriefen sich damals 1525 auch die oberschwäbischen Bauern. 

Wegen Corona ist der Termin der 5. Preisverleihung noch ungewiss. Feststeht jedoch, dass die Verleihung in der „Stadt der Freiheitsrechte“, wie sich Memmingen neuerdings per Stadtratsbeschluss nennt, stattfinden wird. Zeitgleich wurde das „Memminger Manifest“ verabschiedet. Mit dieser öffentlichen Erklärung bekräftigt der Stadtrat den Entschluss, dass sich die Stadt Memmingen in besonderem Maße für die Freiheitsrechte engagieren wird.

In fünf Jahren, also im Jahr 2025, ist es soweit: Zum 500. Mal jährt sich, dass die oberschwäbische Bauern zur Zeit der Bauernkriege anno domini 1525, also vor einem halben Jahrtausend, gegen die sie brutal ausbeutenden und unterdrückenden adeligen Feudalherren aufgestanden sind, um für mehr Freiheiten zu kämpfen. Sie fanden sich in der Kramerzunft in Memmingen ein und verfassten die berühmt gewordenen Zwölf Bauernartikel. Nach der englischen Magna Charta Libertatum (Der große Freiheitsbrief) von 1215 gelten sie als eine der ersten niedergeschriebenen Forderungen nach menschen- und Freiheitsrechten in Europa.

 

INFO:

Am 5. Oktober 2005 wurde der Preis erstmals an den damaligen ungarischen Außenminister Gyula Horn verliehen. Er öffnete im Juni 1989 die Grenze nach Österreich, so dass Tausende von DDR-Bürgern ihre Freiheit im Westen erlangten. Es folgte 2009 der frühere DDR-Dissident Reiner Kunze für sein freiheitliches literarisches Wirken, dessen Laudatio Bundespräsident Horst Köhler hielt. Die junge Pakistanerin Malala Yousafzani wurde 2013 in ihrem Exilland England mit dem mit 15.000 Euro dotierten Preis für ihren Freiheitskampf gegen das Taliban-Regime geehrt. Der katholische Ordensgeistliche und Missionar Erwin Kräutler war 2016 der vierte und bisher letzte Preisträger. Er hatte sich als Prälat der Territorialprälatur Xingu in Brasilien für dieArmen engagiert und eine Theologie der Befreiung praktiziert. 

 

Autor: Horst Hacker

 

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