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Bad Waldsee - In den Kreisen Biberach und Sigmaringen sind die Würfel bereits gefallen. Die dortigen privaten Krankenhausbetreiber, Sana in Biberach und SRH in Sigmaringen, konzentrieren sich mit dem Segen der dortigen Kreistage auf die zentralen Häuser in den Kreisstädten. Für Riedlingen, Laupheim, Bad Saulgau und Pfullendorf bedeutete dies der Verlust ihrer Krankenhäuser, begleitet von heftigem, aber vergeblichen Protest vor Ort. In Bad Waldsee hat man trotz allem die Hoffnung auf Erhalt des Krankenhauses noch nicht aufgegeben. Über tausend Menschen, meist fortgeschrittenen Alters, beteiligten sich am 13. April an einer Demo, zu der die Stadtverwaltung sowie die örtliche Bürgerinitiative aufgerufen hatte, vor dem Krankenhaus für dessen Erhalt.

Die Gesundheitslandschaft in Oberschwaben ist seit längerem schon in heftiger Bewegung, auch im Kreis Ravensburg, wo bereits vor einigen Jahren die Krankenhäuser in Leutkirch und Isny geschlossen wurden, ebenso wie das 14 Nothelfer in Weingarten, das zuletzt zum Klinikum Friedrichshafen gehörte, das in Tettnang über ein weiteres kleines Krankenhaus verfügt. Auch dieses steht zur Disposition, wenn es nach dem Willen des zuständigen Ministers in Stuttgart geht, der zugleich grüner Landtagsabgeordneter aus Ravensburg ist. Manfred Lucha hatte Öl ins Feuer gegossen, als er bei seinem Auftritt kurz vor Weihnachten letzten Jahres den Kreistag Ravensburg wissen ließ, dass kleine Krankenhäuser wie Bad Waldsee und Tettnang keine Zukunft hätten. Mit anderen Worten: dafür gibt es keine Knete mehr. Der Streit, so auch in Bad Waldsee, dreht sich um die Frage, was will, was kann und was muss man sich noch leisten, um eine effektive flächendeckende Krankenversorgung zu gewährleisten. Es rumort in Oberschwaben vernehmlich.
Statt über Schließungen müsse über die Sinnhaftigkeit der Ökonomisierung des Gesundheitswesens diskutiert werden, heißt es in der Presseerklärung des Krankenhausbündnisses Bodensee-Oberschwaben, das für den Erhalt der wohnortsnahen Krankenhäuser ficht. Der Zusammenschluss von über 20 Menschen aus verschiedenen politischen Parteien, Gewerkschaften, kirchlichen Organisationen sowie von den betroffenen Kliniken in Bad Waldsee, Wangen und Tettnang hält „Schließungen für keine Option“ und fordern deren Erhalt „für eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung“.
Das war auch der Tenor bei der Kundgebung in Bad Waldsee. Darin waren sich die Redner mit den Demonstrierenden einig. Der Oberbürgermeister Matthias Henne kritisierte das Vorgehen der „Entscheidungsträger, dem Landrat, dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung der Oberschwabenklinik“. Henne: „Jetzt erfahren wir, dass im Aufsichtsrat – hinter verschlossenen Türen bereits Posten vergeben und Tatsachen geschaffen wurden. Und das, obwohl noch nicht einmal die endgültigen Ergebnisse des Gutachtens vorliegen. Das ist kein Miteinander, wie wir uns das gewünscht haben.“ Dabei bezog sich der Oberbürgermeister offenbar auf eine Kooperation des Wangener Krankenhauses der OSK mit der Sportklinik Ravensburg, die in Waldsee den Verdacht nährt, dass die wichtige, weil lukrative Gelenkchirurgie zukünftig in einer Fachklinik in Wangen stattfinden soll. (Und in Wangen fürchtet man in diesem Fall um die medizinische Grundversorgung – Sorgen allerorten.)
Henne lobte hingegen den familiären und kompetenten Charakter des Waldseer Krankenhauses, dessen Lage inmitten eines Parks mit Blick auf den nahen See seinen Worten atmosphärisch Nachdruck verlieh. „Wir brauchen eine ärztliche Grundversorgung, wir brauchen eine Versorgung für chirurgische Notfälle, wir brauchen Betten und wir brauchen Allgemein- und Fachärzte – und zwar hier in Bad Waldsee!“ Lebhaften Zuspruch bekam Henne dabei vom Vorsitzenden der Bürgerinitiative für den Erhalt des Krankenhauses Thomas Bertele, der den Erhalt und Ausbau der Endoprothetik forderte, stattdessen „sollen wir hier mit einem Medizinischen Versorgungszentrum oder einem Primärversorgungszentrum abgespeist werden.“ Das hieße nichts anderes als ein „banales Ärztehaus“.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Raimund Haser besetzte neben seinem SPD-Kollegen im Kreistag Rudolf Bindig den parteipolitischen Part auf der Rednerliste. Beide sprachen sich entschieden für den Erhalt des Waldseer Krankenhauses aus. Die Entscheidungshoheit liege beim Kreistag, betonte Bindig. Nicht vertreten waren die Grünen, deren Gesundheits- und Sozialminister Manfred Lucha war der Buhmann der Veranstaltung.

 

Autor: Roland Reck

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