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Diepoldshofen/Weingarten - Für Bernd Rösch ist das Heilig-Blut-Fest in Weingarten ein spirituelles Erlebnis. Dort war er Soldat, Ausbildung zum Fallschirmjäger und Fernspäher, im letzten Lehrgang vor der Aufgabe des Standorts. „Wenn ich die Kriegsbilder aus der Ukraine sehe, schätze ich den Frieden.“ Schon aus Dankbarkeit dafür ist er Blutreiter. Und „Weingarten bedeutet mir viel“, freut sich der 50-Jährige auf den Blutritt.

 

Zwei Mal war nix, jetzt „endlich wieder mal“! Mit seinem Turnierpferd Concillio wird er die Standarte der Blutreitergruppe Arnach tragen. Der Braune wird sich wundern, wenn er aus dem Hänger kommt, die vielen anderen Pferde, die Menschen und die Musik ... Bernd ahnt schon, sein Ross wird sich fragen: „Wo sind denn die Hindernisse?“
Hufschmiedemeister Franz Heine in Diepoldshofen hat einen Vormittag für die beiden eingeplant. Es wartet eine Menge Arbeit auf ihn, den Aufheber und die beiden geduldigen Vierbeiner: Eisen runtermachen, Huf ausschneiden, zurichten, Eisen heiß aufbrennen, nageln und zumachen. Alle sieben Nägel pro Huf werden festgezogen. Es heißt, ein loser Nagel bedeutet ein verlorenes Eisen, ein verlorenes Eisen der Verlust eines Pferdes und ein fehlendes Pferd kann eine verlorene Schlacht bedeuten. Aber dieser Satz stammt noch aus Kriegszeiten mit Kavallerie. 
Bei dem Hufschmied tut seit zwei Jahren ein neues Knie seinen Dienst beim häufigen Niederknien bei der Arbeit am Pferdefuß. Seit der Reha in Neutrauchburg ist Fahrradfahren der Gesundheitsausgleich für Franz Heine. Vor kurzem kam eine Graue-Star-Operation in Wangen dazu. Jetzt geht ihm seine schwere Arbeit weiter gut von der Hand. Franz entstammt einer Schmiededynastie und kann auf mehrere Pferdegenerationen zurückblicken. Da war der getreue Condor oder die Rosina. Die Stute war Otto Röschs bestes Pferd, wenn Rosina vom Hof Bodenhaus zur Schmiede musste, hat der kleine Bernd seinen Vater begleitet. Und so schon früh den Rauch beim Aufbrennen eingezogen. Vater Otto hat später seinem Bernd zur Hochzeit ein Pferd mitgegeben.
Vom Stall in Arnach nach Wurzach entspannt der Braune unter seinem Reiter, ist dann in der Prozession ruhig und sicher. Nach Weingarten geht es halt mit dem Hänger wie auch zu den Turnieren. Aber statt im Galopp über Hindernisse ist beim Blutritt betulicher Schritt auf den Wegen durch Stadt und Flur angesagt. Bernd Rösch sitzt dabei völlig entspannt im Sattel, schließlich reitet er schon seit 40 Jahren in Weingarten mit. Die Länge des Ritts ist für Pferde kein Problem, eher für Reiter, die kurz vor sie aufsitzen Kaffee trinken und eventuell noch ein Bier. Der Druck auf die Blase steigt und die Andacht nimmt ab. 
Mit großen Tieren kann Bernd und seine drei Töchter umgehen. Seine Rösser verhalten sich lammfromm bei der Fußpflege in der Schmiede in Diepoldshofen. Ihr Besitzer hat auch im Beruf mit großen Sachen zu tun. Schwere Baumaschinen sind sein Ding. Die brauchen aber keinen Hufschmied, halt genügend Diesel. Und hin und wieder vielleicht auch einen Spritzer Weihwasser?

 

Text und Foto: Hans Reichert

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