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Ummendorf - Der Kreuzberg ist der Leidensweg Jesus. Seiner Kreuzigung am Karfreitag folgte die Auferstehung. Ostern ist dafür das christliche Fest der Hoffnung. Dem Glauben einen Ort zu geben, ist immer schon die Aufgabe der Kirchen. In Ummendorf tat sich dafür Besonderes.

 Der von 1880 bis 1902 im Ummendorfer Pfarr—schloss residierende kunstsinnige Ortspfarrer Dr. Engelberg Hofele hatte nach einer Palästina-Pilgerreise die Idee, das Leiden Jesu am Burghügel, dem so genannten Buschel, nachbauen zu lassen und so eine Wallfahrtsstätte zu schaffen. Vorbild war St. Salvator in Schwäbisch Gmünd, in der Nähe seines Geburtsorts Wißgoldingen. Der bewaldete Hügel, Sitz des früheren Ortsadels und nun Platz für örtliche Feste sowie Lagerkeller der Löwenbrauerei Angele, schien dem umtriebigen Pfarrer ideal. Der Landbesitzer Josef Angele erließ den Kaufpreis unter der Bedingung, dass sein Lagerkeller erhalten blieb.
Die Gemeinde Ummendorf stellte das Baumaterial. Im romantisch-klassizistischen Stil der damals modernen Nazarener entstanden mit Hilfe der Kirchengemeinde und dem Einsatz zahlreicher freiwilliger Helfer 14 Kreuzwegstationen und vier Grotten. Um die „Zierde für das ganze Schwabenland“ finanzieren zu können, zapfte Hofele viele Quellen an, intensivierte seine Schriftstellerei und arbeitete als Pilgerführer.

 

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„Die Grablege Christus“ wurde im September 2019 eingeweiht. 

1892 war es soweit: auf dem Kreuzberg wurde eine Kapelle im Neo-Renaissance-Stil mit Kuppel, Arabesken, Gesimsen, Türmchen und allerlei Zierrat eingeweiht. Das „Taborkirchlein“ war mit dessen Kuppel dem Petersdom nachgeahmt. Achtzig Jahre nach der feierlichen Einweihung hatte der Zahn der Zeit unübersehbar an Gesimsen, Kuppel und Türmchen genagt. Das Landratsamt verlangte, das Bauwerk wegen der Unfallgefahr mit einem Zaun abzusperren oder es abzureißen. Die vom Ordinariat geschätzten 500.000 DM Renovierungskosten hätte die Kirchengemeinde alleine aufbringen müssen, schloss doch das Denkmalamt einen Zuschuss für die kunsthistorisch wenig wertvolle Kapelle von vorneherein aus.

 

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Einst und heute: Das „Taborkirchlein“ mit seiner runden Kuppel sollte an den Petersdom erinnern. Davon will die neue Kapelle des Architekten Siegfried Locher nichts wissen. Nicht Prunk, sondern Schlichtheit zeichnet sie aus. Ein Ort der Stille und Kontemplation. 

 

1974 wurde die Kreuzbergkapelle nach vielen Diskussionen abgerissen. 2006 sanierte der Förderverein die 14 Stationen des Kreuzbergs und die Grotten in 2500 Arbeitsstunden aufwändig und baute die Wege behindertengerecht aus. Mit Schubkarren wurden mehr als 50 Tonnen Schotter transportiert. Zusammen mit der 2012/13 vollendeten Neugestaltung mitten im Wohngebiet über der Umlach entstand ein Ensemble, das das ganze Jahr über gut besucht wird, wo Maien- und Advents-Andachten und vieles mehr stattfinden.
Seit September 2013 empfängt eine schlichte Kapelle den Besucher. Schlicht und schön. Ein Ort der Stille und Kontemplation. Dank des Einsatzes vieler Helfer blieben die Baukosten unter 150.000 Euro. Ausschließlich Spenden. Die Ehrenamtlichen arbeiteten seit dem Spatenstich im Mai 2012 mit einfachen Mitteln. Bauherrin war die katholische Gemeinde, realisiert wurde das Projekt von den 200 Mitgliedern des Fördervereins.

 

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Vom Kreuzberg blickt man hinunter auf das Dorf und die Kirche St. Johannes Evangelist. 

 

Der Entwurf des Ummendorfer Architekten Siegfried Locher mit dem vorgesetzten Giebel, der den zerrissenen Vorhang im Tempel bei der Kreuzigung Jesu symbolisiert sowie den Stein vor dem leeren Grab, stieß anfangs nicht auf einhellige Zustimmung. Locher bestand auf diesen Giebel mit Riss, hinter der Besucher treten müssen, um in die Kapelle zu kommen. Schließlich einigte man sich auf den ambitionierten Entwurf und schritt mit viel Engagement zur Tat. Ein sehr stimmungsvoller, lichtdurchfluteter Raum entstand, der den Auferstehungsgedanken erfahrbar machen will. Die hintere Glasfront gibt den Blick frei ins Grüne. Das runde Fenster in der vorderen Giebelwand, ein Original-Fenster aus der alten Kapelle, ist eingerahmt von kleinen roten Fensterluken. Sie stellen die an Pfingsten erschienen Feuerzungen dar. Die Glocke des neben der Kapelle stehenden dreiteiligen Glockenturms, der mit seinem goldenen Kreuz Erde und Himmel verbindet, stammt aus der alten Kapelle. 2014 weihte Pfarrer Jürgen Sauter in der Kapelle die Bronzefigur „Jesus und Thomas“ des Ertringer Künstlers Gerold Jäggle, zwei Jahre später eine Bronzekreuz. Am 15. September 2019 wurde im Rahmen des Kreuzbergfest die neue Grotte mit der Figur „die Grablege Christus“ geweiht, die noch aus der alten Kapelle von 1892 stammt. Der Kreuzberg heute – ein wunderbarer Ort der Stille. www.kreuzberg-ummendorf.de

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Den Innenraum der neuen Kapelle schmückt ein Fenster aus der alten Kirche.

 

Der Kreuzberg wird an folgenden Tagen von 19.30 bis 21.00 Uhr beleuchtet:
• Palmsonntag 10. April
• Gründonnerstag, 14. April
• Karfreitag 15. April
• Karsamstag 16. April
• Ostersonntag 17. April

 

Text und Fotos: Andrea Reck

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