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Bad Waldsee - „Bad Waldsee tut gut“, so lautet der Slogan der idyllisch gelegenen Kurstadt, die sich mit ihren über 20.000 Einwohnern ab 1. Januar Große Kreisstadt nennen darf. Die 700 Jahre alte Stadt im Landkreis Ravensburg glänzt mit sehenswerten gotischen und barocken Gebäuden in der Altstadt, die sich zwischen Stadtsee und Schlosssee erstreckt. Aber die Idylle trügt in diesen Tagen, es dräut Ungemach. Denn das Krankenhaus, das mit seiner Orthopädie einen guten Ruf genießt und zum Selbstverständnis der Kurstadt gehört, steht in der Diskussion. Die kommunale Oberschwabenklinik gGmbH, zu der das Waldseer Krankenhaus gehört, beschäftigt sich mit einer Strukturreform, die den Standort in Bad Waldsee in Frage stellt. Matthias Henne (39) ist seit April 2020 Bürgermeister und nun frisch gebackener Oberbürgermeister der Stadt und erklärt BLIX seine Sicht der Dinge.

 

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Matthias Henne ist frisch gebackener Oberbürgermeister in Bad Waldsee. Foto: Stadt Bad Waldsee

 

Herr Henne, ab 1. Januar darf Bad Waldsee sich Große Kreisstadt nennen und Sie werden dadurch zum Oberbürgermeister befördert. Freuen Sie sich darauf?

Natürlich freue ich mich, aber auch die gesamten Mitarbeiter der Verwaltung und sicherlich auch die Bürger auf den 1. Januar, denn dann sind WIR Große Kreisstadt. Eigentlich, wollten wir dieses wichtige Ereignis gemeinsam den Bürgerinnen und Bürgern und einem großen Bürgerfest in der Stadt und in den Ortschaften am 22.2.22 feiern. Diesen Termin haben wir auf den Sommer verschoben. Sobald wir verlässlich planen können, wird ein neuer Termin bekannt gegeben und wir alle holen unser Bürgerfest nach.

 

Der Titel „Große Kreisstadt“ ist gut fürs Image, aber real droht die Schließung des Krankenhauses, was wiederum dem Image „Gesundheitsstadt“ („Bad Waldsee tut gut …“) schadet? Was tun?

Die Nachricht die Sozialminister Manne Lucha in der Kreistagsitzung im Dezember verkündet hat, hat uns schockiert und zugleich frustriert. Auch die Art und Weise und die Härte seiner Wortwahl waren für mich befremdlich. Die harten, rücksichtslosen und unmissverständlichen Worte des Ministers haben uns tief getroffen und fassungslos gemacht. Die Vision des Ministers einer baldigen Schließung unseres Krankenhauses, inmitten dieser Pandemie können wir absolut nicht nachvollziehen. Auch im Hinblick auf die immer älter werdende Gesellschaft ist das nur schwer verständlich. Deshalb sollte nach unserer Ansicht nach die Zentralisierung der Gesundheitsversorgung nochmals gründlich überdacht werden. Auch eine Verlegung der Orthopädie nach Wangen ist für uns nicht akzeptabel, angesichts der großen Erfolge der Beschäftigten unseres Bad Waldseer Krankenhauses. Daher fordern wir auch weiterhin: Eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung in Bad Waldsee und für die gesamte Region! Wir wollen uns mit aller Kraft dafür einsetzen! Wir sind in engem Kontakt mit den Beteiligten, unter anderem mit den Kreistagsmitgliedern der Region, Abgeordneten und der Bürgerinitiative Krankenhaus zur weiteren Vorgehensweise abstimmen. Wir streben auch künftig eine wertschätzende und konstruktive Kommunikation mit den Entscheidungsträgern, dem Kreistag, dem Landrat, dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung der OSK an. Übrigens: Lucha sieht keine Zukunft fürs Bad Waldseer Krankenhaus – wir schon!

 

Das Krankenhaus war wegen der weithin nachgefragten Orthopädie lange ein Aushängeschild von Bad Waldsee, nun ist es Sorgenkind. Wie lässt sich dieser Prozess erklären und gibt es ‚Heilungschancen‘?

Wir sehen unser Krankenhaus in keiner Weise als Sorgenkind und schon gar nicht als marode Einrichtung, wie es der Minister formulierte. Aus unserer Sicht gibt es auch keinen Grund dieses Haus schlecht zu reden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit und haben dafür gesorgt, dass das Waldseer Krankenhaus einen ausgezeichneten Ruf weit über die Landkreisgrenzen hinaus genießt. Die Patienten schätzen nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern auch den Geist und die familiäre Atmosphäre des Hauses sowie die Nähe zu den Patienten. Hier ist der Patient noch Mensch und keine anonyme Nummer. Wir werden uns mit ganzer Kraft für den Erhalt und Ausbau einsetzen. 

 

Die Zukunft des Krankenhauses dominiert aktuell die Diskussion. Aber welche weitere ‚Baustellen‘ beschäftigen Sie im neuen Jahr?

Falls mit dieser Frage echte Baustellen gemeint sind, da haben wir tatsächlich viele. Zum Beispiel: Der Kindergartenbau in Reute und in Haisterkirch, hier entstehen jeweils zwei zusätzliche Gruppen. Am Schulzentrum Döchtbühl werden drei Klassenzimmern an die Mensa angebaut, drei Klassenzimmer der Realschule werden saniert, digitalisiert und das Gebäude sowie das SBBZ-L erhalten eine energieeffiziente LED-Beleuchtung. Außerdem starten das Wettbewerbsverfahren und erste bauliche Vorbereitungen für die Erweiterung unseres Gymnasiums. Umgesetzt werden die Erweiterung der Spiel- und Sportflächen am Stadtsee und die Erweiterung der Sozialräume sowie die Sanierung des Kassenbereichs im Freibad. Der Verwaltungsneubau läuft auf Hochtouren, der Bezug ist für den frühen Sommer geplant. Gleich danach beginnen wir mit der Sanierung des Bestandsgebäudes in der Hauptstr. 10 bis12. Es wird mit dem Bau des Radwegs Osterhofen – Eggmannsried und, wenn alles so läuft wie geplant, mit dem Bau des Radwegs in Richtung Wasserstall begonnen. Zudem werden wir den Kreisverkehr Frauenberg/Richard-Wagner-Straße für den Rad- und Fußverkehr verbessern. Auch in der Kläranlage stehen Baumaßnahmen an. Bei ‚Altstadt für Alle‘ beginnen wir mit der Umgestaltung der Bleichestraße sowie den Vorbereitungen zum Bauabschnitt Neubau Grabenmühlplatz für das Jahr 2023 und vieles mehr und vieles mehr. Sie sehen: Wir haben Baustellen genug. An den Themen Bauland-, Schul-, und Sportentwicklung sind wir ebenso dran wie in den Bereichen Klimaschutz und Mobilität. Auch die Position der Vereine, der Jugend und der Senioren wollen wir weiter stärken und noch mehr Aufmerksamkeit schenken.

 

Ein Virus beschränkt unser Leben seit zwei Jahren mit tiefgreifenden Auswirkungen auf das private und öffentliche Leben. Wie sehr ist dadurch die Gesundheits- und Kurstadt Bad Waldsee betroffen?

Wie alle anderen Städte und Gemeinden spielt Corona in sämtlichen Bereichen täglich eine Rolle. Wir haben gelernt damit umzugehen und das Beste daraus zu machen.

 

Insbesondere der Einzelhandel, mit Ausnahme der Lebensmittelbranche, die Kultur und die Gastronomie leiden unter den Einschränkungen durch die Pandemie, was wiederum besonders die Innenstädte trifft und damit das Herz des städtischen Lebens. Mit welchen ‚Langzeitfolgen‘ von Covid-19 ist zu rechnen und wie könnte eine erfolgreiche Therapie aussehen?

Die schlussendlichen Folgen sind derzeit noch nicht absehbar. Wir werden von Seiten der Stadtverwaltung die Händler, Gastronomen und Kulturschaffenden nach allen Kräften unterstützen. Bereits letztes Jahr ist es uns gelungen, im Rahmen von ‚Bad Waldsee blüht auf‘, Einzelhandel, Gastronomie und Kultur zu vernetzen und einen lebendigen Erlebnisraums ‚Altstadt Bad Waldsee‘ zu schaffen.

  

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Das Rathaus in der historischen Altstadt zeigt mittelalterliche Baukunst.

 

Herr Henne, Sie sind quasi mit Corona ins Amt gekommen. Wie sehr schränkte und schränkt Sie das Virus ein, ‚Ihre Stadt‘ zu entdecken? 

In der Tat hat die Pandemie vieles nicht möglich gemacht, ich erinnere da an die Fasnet, an unser Altstadt- und Seenachtfest, aber auch an die vielen Vereins- und Dorffest sowie Veranstaltungen. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch und so wurde dennoch manches – eben anders, in der ‚Light-Version‘ durchgeführt – aber immer mit größter Vorsicht und unter Einhaltung der Coronaregeln. So ist es zum Beispiel auch im zweiten Anlauf gelungen, beim neuen Format ‚HenneHörtHin‘ mit der Jugend in den direkten Dialog zu kommen, gleiches beim Stadtspaziergang mit der Bevölkerung. Im kommenden Jahr soll dies auch in den Ortschaften erfolgen. Mir ist es enorm wichtig, mit allen Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt und ganz wichtig in den Dialog zu kommen - hin zu hören. 

 

Was wünschen Sie sich zum neuen Jahr 2022?

Ich wünsche mir das, was man sich nicht kaufen kann: Gesundheit, Frieden, Hoffnung und Zuversicht auf ein gutes Jahr 2022 – und natürlich, dass unser Krankenhaus erhalten bleibt, auch über 2022 hinaus!

 

Autor: Roland Reck

 

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