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Als ob es nicht schon genug Probleme gäbe. Die Krankenhäuser kämpfen mit der „vierten Welle“ im zweiten Winter der Corona-Zeitrechnung. Das Virus bringt die Häuser und das Personal an die Kapazitäts- und Belastungsgrenzen. Es vergeht kein Tag, an dem die Verantwortlichen nicht an die Verantwortung appellieren, sich impfen zu lassen. Und inzwischen trennt die „Warnstufe Rot“ vielerorts rigide die Ungeimpften von den Geimpften. Dabei ist offensichtlich, dass auch die Geimpften nicht gänzlich sicher vor dem Virus sind. Nach zwei Jahren sind Kontaktbeschränkungen immer noch zwingend - und vor der Tür steht das Christkind!

Probleme en masse also! Und während unser Leben in neue Bahnen gezwungen wird, verändern sich auch die Strukturen. Nicht erst jetzt, aber wenn es in diesen Zeiten um die Krankenhäuser und unsere Gesundheitsversorgung geht, dann ist „Holland in Not“. Das Stück wird mehr oder minder an allen Krankenhausstandorten aufgeführt. Dreh- und Angelpunkte sind das liebe Geld und das knappe Personal.
Erst vor Kurzem machte im Kreis Sigmaringen die Geschäftsführung der privaten SRH-Kliniken die Geburtshilfe in Bad Saulgau wegen Personalmangels dicht, wogegen Mann und Frau in der Kurstadt Sturm laufen, weil sie befürchten, dass das der Anfang vom Ende ihres Krankenhauses vor Ort ist und damit auch die Vorsorge und schnelle Versorgung im Fall der Fälle nicht mehr gegeben sind. Ähnliches wird nun auch im Kreis Ravensburg aufgeführt, wo der Träger der Oberschwaben Kliniken der Landkreis ist, und es um die beiden Standorte Bad Waldsee und Wangen geht. Und egal welche Trägerschaft, ob privat oder kommunal, es geht auch dort schlussendlich um Penunzen und Personal.
Im Ravensburger Kreistag wurde am 16. November darüber verhandelt. Es ging dabei um die „Fortschreibung der Medizinstrategie“, die die Geschäftsführung mit Auftrag des Aufsichtsrats, dessen Vorsitzender Landrat Harald Sievers ist, in sportlichem Tempo entwickelt hatte und nun dem Kreisparlament als „Werkstattbericht“ vorlegte. Im Kern geht es darin vor dem Hintergrund einer fortschreitend negativen Bilanz um den Abbau von Doppelstrukturen und damit die Verlagerung von Abteilungen. Die geplanten Änderungen hätten zur Folge, dass Bad Waldsee seine viel gelobte Orthopädie nach Wangen abgeben müsste und von Wangen die allgemeine Chirurgie (Viszeralchirurgie) nach Ravensburg ins Elisabethen-Krankenhaus verlegt würde. Zwar werden von der Geschäftsführung die drei Standorte nicht in Frage gestellt, doch im bergigen Teil des Landkreises erinnert man sich noch sehr gut an den heftigen Streit um die vor zehn Jahren geschlossenen Krankenhäuser in Leutkirch und Isny. Der Verweis auf Wangen, wo das Krankenhaus erhalten und gestärkt werden sollte, ist bei den Allgäuern ebenfalls noch in Erinnerung – nun schwant ihnen Übles. Und was bleibt in Bad Waldsee, wenn das orthopädische Aushängeschild abmontiert wird?
Die Zweifel und Fragen sind berechtigt, dazu reicht ein Blick ringsum. Der Rettungsversuch des „14 Nothelfer“ in Weingarten durch das kommunale Klinikum in Friedrichshafen ist gescheitert und im Kreis Biberach konzentrieren sich die privaten Sana-Kliniken ganz auf ihren Neubau in der Kreisstadt, die Häuser in Riedlingen und Laupheim sind vergessen. Ähnliches fürchtet man nun im Kreis Sigmaringen, wo es Bad Saulgau und Pfullendorf treffen könnte beziehungsweise schon getroffen hat.
Es gibt viele Gründe, die gegen den Erhalt der kleinen Krankenhäuser als Außenposten sprechen. Der Geschäftsführer der OSK, Prof. Oliver Adolph, zählte sie den Kreisräten auf. Immobilien, die teuer und dringend renovierungsbedürftig sind, und fehlendes Personal trotz rückläufiger Fallzahlen sind nur die gewichtigsten, hinzu spielt die Politik im Land und Bund als entscheidende Geldgeber eine dominierende Rolle: Wer zahlt, schafft an!
Darauf verweist der Geschäftsführer, und das wissen auch die Ravensburger Kreisräte, die sich dennoch für den Erhalt aller drei Häuser stark machen – nur wie? Und wenn man ratlos und gewissermaßen auch hilflos ist, dann bestellt man ein Gutachten. Das ist in Sigmaringen so entschieden worden und so auch in Ravensburg. Dann will man mit der externen Expertise im Frühjahr erneut beraten.
Was bis dahin nicht wartet, ist das Virus. Auch darauf macht der Geschäftsführer eindringlich aufmerksam und betont, dass Corona die grundsätzlichen Probleme nicht verursacht hat, aber dramatisch verschärft. Ein Drama, auf dessen Ende alle hoffen. 

 

Autor: Roland Reck

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