BLIX Banner1

Laupheim - Eugen Abler wohnt schon immer in Bodnegg, zwischen Ravensburg und Wangen gelegen. Zum Gespräch lädt er den Journalisten aber ein, nach Laupheim zu kommen, wohin er an diesem Tag mit Kolpingsmitgliedern aus seiner Heimatgemeinde gereist ist, um in der Sammelzentrale der „Aktion Hoffnung“ Altkleider zu sortieren. In Säcken, Gitterboxen, Regalen und an Kleiderständern findet sich Wohlstandskleidung, die gespendet wurde und von den ehrenamtlichen Helfern sorgfältig „fairwertet“ wird. Eugen Abler ist einer davon. Für das Gespräch über sein Buch und die Bundestagswahl ziehen wir uns zurück. Es gibt Kaffee und handgemachte Kirschsahnetorte.

Herr Abler, möchten Sie mir verraten, wen und welche Partei Sie bei der Bundestagswahl gewählt haben?

Nein, das möchte ich nicht.

 

Haben Sie Ihre Stimmen gesplittet?

Ja, und mit der Erststimme bin ich der CDU auch treu geblieben, weil ich unseren Bundestagsabgeordneten Axel Müller für einen guten Repräsentanten unseres Wahlkreises halte.

 

Und mit der Zweitstimme haben Sie die AfD gewählt?

Dazu möchte ich mich nicht weiter äußern. Auf jeden Fall habe ich eine Partei gewählt, die den Lebensschutz in ihrem Wahlprogramm hatte.

 

Wie beurteilen Sie den Ausgang der Wahl?

Scholz hat einen fehlerfreien Wahlkampf mit klugen Themen wie Mindestlohn und Grundrente hingelegt und damit bewiesen, dass Totgesagte länger leben. Laschet ist unter Wert geschlagen worden. Dazu hat auch Söder seinen Teil beigetragen. Das zeigt einmal mehr, wie unfair es im politischen Geschäft zugehen kann. Das hat auch Baerbock zu spüren bekommen. Lindner hat sich im Unterschied zu Baerbock clever vermarktet. Dass die Linke zu den Wahlverlierern gehört, ist ein kleiner Trost.

 

Zu den Wahlverlierern gehört aber auch die AfD.

Das zweistellige Ergebnis ist ordentlich und zeigt, dass die AfD trotz der Ausgrenzung durch die Medien eine stabile Stammwählerschaft hat, und darüber sollte die CDU nachdenken.

 

Die CDU ist abgewählt worden und muss sich inhaltlich und personell neu aufstellen. Wenn Sie noch Mitglied wären, könnten Sie daran mitwirken. Bedauern Sie Ihren Austritt?

Nein, mein Austritt war konsequent und ist Folge, dass die CDU ihre Wertorientierung dem linken Zeitgeist geopfert hat, wofür die Kanzlerin hauptverantwortlich ist. Gegen diese Entwicklung hab’ ich jahrelang und auf vielen Bundesparteitagen gekämpft – ohne Erfolg!

 

Welchen Rat geben Sie Ihrer ehemaligen Partei?

Die CDU muss sich der grundsätzlichen Frage stellen, warum es die AfD gibt. Indem die CDU nach links gerückt ist, um mit den Grünen koalitionsfähig zu werden, hat sie rechts politischen Raum aufgegeben, der von der AfD besetzt wurde. Die CDU ist beliebig und ohne Profil. Und dafür wurde sie bestraft. Die CDU ging ohne Themen in den Wahlkampf und mied bewusst Problemfelder wie die Migrationspolitik, vom Lebensschutz ganz zu schweigen. Stattdessen konzentrierte sie sich auf die grünen Themen ‚Umwelt und Klima‘. Da wählen die Bürger aber im Zweifelsfall dann doch eher das Original als die Kopie.

 

Wer soll neue/r Parteivorsitzende/r werden?

Dazu fehlt mir die Fantasie, und ich seh’ auch niemanden aus der Landes-CDU, der das Zeug dazu hätte und für die nächste Bundestagswahl Kanzlerqualitäten mitbringen würde. Und Friedrich Merz kommt allenfalls als Übergangsvorsitzender in Frage.

 

Ihre politischen Schwerpunkte drehen sich um die Familie, die Sie persönlich nicht haben, gibt es einen Zusammenhang?

Es ist zutreffend, dass ich keine eigene Familie habe, aber ich schätze unabhängig davon die Familie als gesellschaftliches Rückgrat, weshalb ich mich politisch immer für deren Stärkung eingesetzt habe und dazu zählt für mich auch der Lebensschutz. Wir dürfen die göttliche Schöpfungsordnung nicht ignorieren. ‚Abtreibung ist Mord‘, sagt Mutter Teresa!

 

Ihre politische Motivation schöpfen Sie aus Ihrem Glauben. Die grundsätzliche Ablehnung von Abtreibung begründen Sie mit den Zehn Geboten. Sind Sie Fundamentalist?

Beim Lebensschutz bin ich Fundamentalist. Mein christliches Menschenbild ist Fundament meiner politischen Überzeugung, was die CDU trotz des ‚C‘ aufgegeben hat. Aber ich stimme auch Konrad Adenauer zu, dass man mit der Bibel unterm Arm nicht Politik machen kann. Aber wir brauchen eine Politik aus christlicher Verantwortung.

 

Im Zentrum des christlichen Glaubens steht die Schöpfung, auf die Sie sich immer wieder berufen. Es ist auffallend, dass Sie deren Bedrohung durch den menschgemachten Klimawandel in Ihrem Buch keine Zeile widmen. Warum?

In meinem Buch steht der Satz: ‚Die umweltfreundlichste Energie ist die, die nicht verbraucht wird!‘ Persönlich sehe ich mich als Umweltschützer der ersten Stunde und bemühe mich, umweltschonend zu leben. Mein Garten ist mir wichtig, und ich lebe bescheiden. Aber man kann nicht bei allen Themen Missionar sein.

 

Ihre politischen Feindbilder waren und sind Angela Merkel und die Grünen. Warum?

Feindbild ist falsch. Es ist politische Gegnerschaft. Ich lehne Angela Merkels Politik der Beliebigkeit und ihr Schielen nach den Grünen grundsätzlich ab. Merkel als Kanzlerin hat dem Land mehr geschadet als alle ihre Vorgänger. Die Folgen der Migrationspolitik sind erheblich, denn Migrationsgesellschaften sind Konfliktgesellschaften. Die ‚Ehe für alle‘ war schließlich ein Tabubruch, der mir zeigte, dass in der CDU kein Platz mehr für mich ist.

 

Wie soll es weitergehen und was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung, die aller Wahrscheinlichkeit ohne Ihre ehemalige Partei, die CDU, stattfinden wird?

Von der neuen Regierung befürchte ich weitere Dammbrüche, sie wird demselben Zeitgeist frönen, dem auch die christlichen Werte der CDU geopfert wurden. Die CDU steht an einem Scheideweg, und es ist nicht klar, ob sie den italienischen Weg in die Bedeutungslosigkeit geht. Ich betrachte das ohne Häme, aber mit der klaren Feststellung: Ich hab’ Kurs gehalten, die CDU ist links abgebogen.

 

Autor: Roland Reck

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­