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Biberach - „So schnell haben wir noch nie eine Mitgliederversammlung schließen können.“ Mit diesen Worten verabschiedete der Vorsitzende des Vereins Biberacher Filmfestspiele e.V. Tobias Meinhold am 16. September die rund 50 Mitglieder in der Gigelberg-Halle. Und damit hatte der Vorstand sein Ziel erreicht. Es ging um Schnelligkeit nicht um Gründlichkeit bei der wegen Corona lange aufgeschobenen Mitgliederversammlung, die zugleich auch die erste Möglichkeit darstellte, die größte Krise in der 43-jährigen Geschichte der Biberacher Filmfestspiele zu erläutern. Fehlanzeige!

 

Der zaghafte Versuch, ins Gespräch zu kommen, wurde nach wenigen Sätzen mit einem Geschäftsordnungsantrag auf „Schluss der Debatte“ unterbunden. Die anwesenden Mitglieder, die sich zur Versammlung angemeldet hatten, waren zufrieden und entlasteten den Vorstand mit nur einer Gegenstimme. Alles paletti! Es kümmerte auch niemand, dass der Kassierer bereits entlastet worden war, bevor sein Rechenschaftsbericht überhaupt zur Aussprache kam. Es sollte ja schnell gehen, und deshalb verlor der Buchhalter auch kein Wort darüber, dass der Haushaltsposten „Intendanz“ um 70.000 Euro auf über 87.000 Euro exorbitant angewachsen ist. Die Erklärung vom Vorsitzenden: „Dass eine Intendanz kostet ist wohl keine Frage.“ Keine Frage!
Stattdessen der Dank an die Stadt und den Gemeinderat, der mit einer Gegenstimme dem Verein weitere 25.000 Euro für die Vereinskasse spendierte, womit sich der Zuschuss aus der Stadtkasse auf rund 95.000 Euro beläuft. Trotz dieser Großzügigkeit war aber kein Vertreter des Gemeinderats anwesend, zumindest wurde keiner begrüßt, und auch der Oberbürgermeister, der qua Amt 2. Vereinsvorsitzender ist, ließ sich vertreten.

 

DerNeueBiber

Die neue Biberstatue wurde von Frieder Kobler gestaltet.

 

Die Kohle stimmt, mehr gibt’s nicht zu sagen. Auch die neue Intendantin Nathalie Arnegger hielt sich daran. Ihr erster Auftritt vor der Mitgliederversammlung fiel sparsam aus. Das Motto des Filmfestivals „Aus Liebe zum Kino“ ergänzt sie: „Es ist unglaublich viel Arbeit, aber es macht Spaß.“ Und: „Es kommen spannende Filmfestspiele auf Sie zu“, mehr wolle sie noch nicht verraten. Das war’s!

 

Fragen ohne Antworten

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Vorstand der Biberacher Filmfestspiele penetrant weigert, Fragen zu beantworten. Als BLIX Fragen zur fachlichen Qualifikation der neuen Intendantin Nathalie Arnegger stellte, antwortete der Vorsitzende Tobias Meinhold per Mail: „Leider können wir hinter Ihren Fragen kein öffentliches Interesse erkennen. Daher sehen wir keinen Anlass, diese Fragen zu beantworten.“ (BLIX, Mai/Juni 21, S. 8) Nun wiederholt sich dieses Verhalten, indem die Pressesprecherin Daniela Göbel erneut in Frage stellt, auf unsere Fragen zu antworten: „… sofern wir sie überhaupt beantworten wollen.“ Sie wollte nicht. Deshalb die Fragen ohne Antworten der Pressesprecherin, die ihren Job nicht macht.

• Warum gibt es einen neuen Biber? Welche Kosten entstanden dafür?

• Wie wird das neue Online-Angebot (Video on Demand) funktionieren und welche Kosten entstehen dafür?

• Ist das Online-Angebot Teil des Vertrags mit der Intendantin?

• Wie hat sich die Mitgliederzahl entwickelt? Bitte Zahlen im Vergleich: Ende 2020 zu Stand heute.

• Wie schlüsselt sich der Haushaltsposten „Intendanz“ auf, der sich, wenn ich es richtig notiert habe, sich auf rund 88.000 Euro beläuft im Vergleich zu 17.000 Euro im Jahr 2020?

• Wie hoch sind die Ausgaben insgesamt für 2021 veranschlagt? Wie hoch waren sie in 2020?

• Gibt es Sponsoren, die abgesprungen sind? Welche?

• Gibt es bereits Zusagen von Filmschaffenden, die kommen werden? Welche?

• Gibt es bereits einen Eröffnungsfilm? Welchen?

• Was ist unter dem „Sonderpreis“ zu verstehen?

• Was ist mit dem „Silbernen Biber“ gemeint, wofür und an wen wird er verliehen?

• Gibt es eine Pressekonferenz vor den Filmfestspielen und wenn ja, wann?

 

Autor: Roland Reck

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