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Sigmaringen - Wunder geschehen – aber eher selten. So auch in Bad Saulgau. Es ist erst wenige Wochen her, dass die Geschäftsführung der SRH-Kliniken in Sigmaringen die (vorläufige) Schließung der Geburtshilfe im Krankenhaus in Bad Saulgau bekannt gab und damit auf heftigen Protest in der Kurstadt stieß. Begründung der Klinikleitung: zu wenig Personal, ohne Hebammen keine Geburtshilfe. Dem folgte vor kurzem die überraschende Nachricht, dass die Stadt bei der Suche nach Hebammen – im Unterschied zur Klinikleitung – erfolgreich war und der Personalmangel damit behoben sei, ergo die Geburtshilfe im Saulgauer Krankenhaus wieder stattfinden kann. Das schien ein Wunder zu sein.

 

Der Artikel über die Sensation war geschrieben, dann platzte das Wunder wie eine Seifenblase. Nicht die Geburtshilfe sollte wiederbelebt, sondern das ganze Krankenhaus geschlossen werden, dito in Pfullendorf, wo sich ein weiteres Haus der Kliniken befindet. Wundersam? Nein, erklärt die Geschäftsführung, es gehe um die Zukunft und diese sei nur zu gewinnen ohne die beiden Standorte und mit einer Konzentration auf die Klinik in Sigmaringen, wo ein Neubau geplant ist.
Kurze Geschichte. Die kommunalen Krankenhäuser wurden 2014 mehrheitlich (51%) an die SRH-Kliniken GmbH abgetreten, der Landkreis (36,26 %) und der Spitalfonds Pfullendorf (12,74 %) blieben Minderheitengesellschafter. Die Kommunalen sitzen also mit im Boot, können mitreden und dürfen auch mitentscheiden, aber ohne bestimmen zu können.
Die Klinikleitung indes verweist auf ein Gutachten, das aus dringenden wirtschaftlichen Gründen die Schließung der beiden Häuser empfiehlt, und macht die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen dafür verantwortlich, dass nun schnelles Handeln gefragt ist, um weitere Unbill abzuwenden. Derweil geht man in Bad Saulgau auf die Barrikaden. Die Stadt will sich mit den Plänen zu ihren Lasten auf keinen Fall abfinden. In einer Stellungnahme heißt es: „Die Folgen der Schließung des Krankenhauses Bad Saulgau wären fatal. Insbesondere für Bad Saulgau als dem wichtigsten Gesundheitsstandort des Landkreises und größter Stadt ist der Erhalt einer Gesundheitsversorgung am Krankenhaus ein wichtiger Standortfaktor auch für Unternehmen.“ Und weiter: „Die Krankenhausversorgung ist eine Pflichtaufgabe des Landkreises, der er sich nicht entziehen kann. Dieser Aufgabe muss vor anderen, insbesondere freiwilligen Aufgaben, Priorität eingeräumt werden und der Landkreis sich ggf. zukünftig auch finanziell einbringen.“

 

Doris Schröter

Bad Saulgaus Bürgermeisterin Doris Schröter will um den Krankenhaus-Standort in ihrer Stadt kämpfen. Foto: Stadt Bad Saulgau

 

Ob es soweit kommt, bleibt abzuwarten, und die Stadt würde dabei ebenfalls zur Kasse gebeten. Das Dilemma ist offenkundig. Und ob ein zweites Gutachten, das aus der Not helfen soll, tatsächlich einen für alle gangbaren Weg finden wird, darf bezweifelt werden.
Denn es ist offenkundig, nicht nur im Landkreis Sigmaringen ist die Kliniklandschaft in Bewegung. Auch in der Nachbarschaft in Ravensburg wird schon seit geraumer Zeit heftig diskutiert, ob und wie die Standorte in Bad Waldsee und Wangen gesichert werden können. Der kommunale Klinikverbund OSK, mit dem Neubau des St. Elisabeth-Krankenhaus in Ravensburg als Zentrum, kämpft mit denselben schwierigen Rahmenbedingungen, die die Sigmaringer Klinikleitung wie folgt beschreiben: „Die Covid-Pandemie hat zu erheblichen Fallzahlrückgängen und zusätzlichen Kosten in den Krankenhäusern geführt. Während das Jahr 2020 überwiegend durch die Ausgleichszahlungen für die meisten Krankenhäuser wirtschaftlich aufgefangen werden konnte, spitzt sich die Lage in vielen Krankenhäusern 2021 zu und führt zu sich deutlich verschlechternden wirtschaftlichen Situationen. Auch wird deutlich, dass man nicht mehr an die Fallzahlen von 2019 wird anschließen können, so dass sich alle Häuser in Deutschland auf ein um 5-8 Prozentpunkte verringertes Leistungsvolumen einstellen müssen.“ Hinzu kommt die Konkurrenz um entsprechend qualifiziertes medizinisches und pflegerisches Personal, bei der kleine Häuser meist den Kürzeren ziehen.

Auch im Landkreis Biberach ist trotz gerade vollzogenen Umzugs in das nagelneue Sana-Krankenhaus in Biberach der Streit, der seit der Privatisierung 2012 andauert, noch lange nicht beendet, wie es um die beiden verwaisten Häuser in Riedlingen und Laupheim weitergeht. Und immer ist dabei die Kommunalpolitik Klagemauer. Ein schwieriger Job!

 

Autor: Roland Reck

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