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Angela Merkel (67) ist seit 2005 Bundeskanzlerin und tritt nach 16 Amtsjahren zur Bundestagswahl im September ab. Damit toppt Merkel als erste Frau in diesem Amt den ebenfalls 16 Jahre regierenden Helmut Kohl (1982–1998), der nach seiner Abwahl unfreiwillig und schwer enttäuscht das Kanzleramt räumen musste. Angela Merkels lange angekündigter Rückzug ist ein Novum in der Bundespolitik und ihre lange Kanzlerschaft eine Zäsur. Was bleibt von dieser Frau, der vor 16 Jahren selbst die eigene Partei dieses Amt nicht zugetraut hatte? BLIX fragte Personen des öffentlichen Lebens, mehr Frauen als Männer, PolitikerInnen, Bundestagsabgeordnete (MdB) und einige, die es werden wollen, aber auch Menschen aus Kirche, Kultur, Geschäftswelt und Wald. Und nur einige wenige konnten nicht, weil sie nicht wollten. Die gesammelten Meinungen zu Angela Merkel sind selbstverständlich kein repräsentativer Querschnitt, sondern ein Gedankenkarussell, das sich um eine Frau dreht, die unser Leben über 16 Jahre maßgeblich beeinflusst hat. Ciao, Angela Merkel!

 

16 Jahre Angela Merkel: Die Krisen-Kanzlerin verlässt uns
Als Angela Merkel am 18. September 2005 mit einer hauchdünnen Mehrheit (35,2% / SPD: 34,2%) die vorgezogene Bundestagswahl gegen Gerhard Schröder gewonnen hatte und in Folge Kanzlerin der Großen Koalition wurde, begann eine Ära der Krisen. Die da wären: Finanz- und Eurokrise 2008/09 und in Folge Gründung der AfD 2013, Atomkatastrophe in Fukushima 2011, Flüchtlingskrise 2015, Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten 2016, Corona-Krise 2020, Unwetterkatastrophe 2021. Merkels Profil schärfte sich in all diesen Krisen als Krisenmanagerin, indem sie Ruhe, Bedachtsamkeit und Entschlossenheit ausstrahlte. Trotz ihrer Bedachtsamkeit, die Kritiker „merkeln“ nannten, traf sie als CDU-Kanzlerin auch radikale Entscheidungen. Beispielhaft dafür der Atomausstieg 2011 und die Abschaffung der Wehrpflicht im selben Jahr sowie ihr Appell „Wir schaffen das!“, mit dem sie 2015 die Aufnahme von rund einer Million Flüchtlingen ermöglichte. Zuletzt musste sie einräumen, dass sie an der Klimakrise und den daraus erwachsenden Konsequenzen gescheitert ist. Gemessen an der Ambition, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, sei „nicht ausreichend viel passiert“ während ihrer Kanzlerschaft, räumte die Kanzlerin bei ihrem letzten Sommerinterview ein. Dieses Eingeständnis ist bitter, aber wiederum auch typisch für Angela Merkel, die untypisch für Politiker auch Fehler einräumen kann. Nur leider handelt es sich dabei um das Scheitern an der größten Krise ihrer Amtszeit: die Klimakrise.

 

BLIX möchte zum Abschied wissen: Woran Sie als erstes denken, wenn Sie an Angela Merkel als Kanzlerin und Mensch denken?

 

Agnieszka Brugger, Grüne-MdB, Ravensburg

Pressefoto Agnieszka Brugger MdB kl

Seit meinem Einzug in den Bundestag gab es nie eine andere Kanzlerin als Angela Merkel. Bei den Jamaica-Sondierungen hatte ich das Privileg, sie aus der Nähe zu beobachten. Dabei habe ich eine sehr kluge, schlagfertige und sehr humorvolle Frau mit einem richtig guten Pokerface kennen lernen dürfen. Bei allen politischen Differenzen blicke ich mit großem Respekt und auch einiger Sympathie auf ihre unprätentiöse, sachliche Art, mit der sie 16 Jahre das anspruchsvollste Amt unserer Republik ausgeübt und unserem Land gedient hat. Besonders beeindruckt hat mich, wie souverän sie mit Kritik umgegangen ist und wie sie sich gegen einige höchst schwierige, unausstehliche Herren in der eigenen Partei und auf der Weltbühne durchgesetzt hat. Ein besonders starker Moment ihrer Kanzlerschaft war für mich die Kurskorrektur ihrer eigenen Politik angesichts der Atomkatastrophe in Fukushima und die Rückkehr zum Atomausstieg. Enttäuscht bin ich darüber, dass sie viele wichtige Aufgaben liegen gelassen hat, notwendige Reformen ausgeblieben sind und in ihrer Amtszeit extrem problematische Rüstungsexporte in Rekordhöhe fallen. Es ist zwar typisch Angela Merkel, dass sie in ihrer letzten Pressekonferenz gerade mit der Perspektive einer Wissenschaftlerin selbstkritisch einräumt, dass beim Einsatz gegen die Klimakrise „nicht ausreichend viel passiert“ sei. Diese schwerwiegenden Versäumnisse der letzten Jahre muss nun die nächste Kanzlerin oder Kanzler dringend aufholen und Klimaschutz im Dreiklang mit gesellschaftlichem Zusammenhalt und innovativen Wohlstand gestalten.

 

Dr. Heiko Schmid, Landrat Biberach

Landrat Dr. Heiko Schmid bearbeitet

Wenn ich an Angela Merkel als Mensch denke, kommen mir die Bilder unserer ersten persönlichen Begegnung von 1992 bei einem Kaminabend an der Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg in Karlsruhe in den Sinn, wohin ich damals 15 Monate abgeordnet war. Zu diesem Zeitpunkt war Angela Merkel frisch gebackene Bundesministerin für Frauen und Jugend im Kabinett von Helmut Kohl. Ihre von Gestaltungs- und Veränderungswillen beseelte, schlagfertige und humorvolle Art in dieser kleinen Runde ist mir beeindruckend in Erinnerung geblieben. Dabei hatte ich das Gefühl, dass wir einen ähnlichen Sinn für Humor haben. Es gab noch etliche weitere Begegnungen im Laufe der Jahre. Dabei kam ich zur Erkenntnis, dass auch sie immer „kontrollierter“, auch misstrauischer und weniger offen geworden ist, was ich gut nachvollziehen und verstehen kann.

 

Heike Engelhardt, SPD-Kreisvorsitzende und Bundestagskandidatin, Ravensburg

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Zu Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel fallen mir zunächst die drei Begriffe „pragmatisch“, „machtbewusst“ und „zielstrebig“ ein, wenn ich an ihren Weg an die Spitze ihrer Partei denke und daran, wie sie alle Konkurrenten ungeniert weggebissen hat. Lange Zeit wusste ich nicht, welche Haltung sie im Innern vertritt. Sie positionierte sich kaum und schwieg sybillinisch lächelnd. So parierte sie auch Attacken und Demütigungen aus dem Lager der Schwesterpartei oder mancher internationaler Amtskollegen. Doch dann gab es auch die Bundeskanzlerin, die mit ihrem „Wir schaffen das“ und der Begegnung mit einem geflüchteten Mädchen plötzlich Gefühle zeigte. Insofern stelle ich der promovierten Physikerin den eingangs genannten Begriffen auch die drei Eigenschaften „barmherzig“, „mütterlich“ und „menschlich“ zur Seite: eine bescheidene, nüchterne Wissenschaftlerin mit humanistischem Hintergrund. Und eine international hoch angesehene Politikerin.

 

Charlie (19), Aktivistin, Ulm

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Merkel war für viele Menschen eine Konstante, mit der sie sich mehr oder weniger arrangiert haben. Jetzt wo diese Konstante wegfällt, entsteht eine große Unsicherheit und Angst vor Veränderung. Vielen ist dabei nicht bewusst, dass Deutschland genau diese Veränderungen unbedingt braucht, um in irgendeiner Weise mit der Zeit zu gehen und zukunftsfähig zu sein, denn ein „Weiter-so“ funktioniert schon lange nicht mehr. Das Gehen von Merkel mag verunsichern, ist aber in der Realität eine wichtige Chance für dieses Land, endlich wichtige und vor allem zwingend notwendige Veränderungen anzugehen.

 

Florian Hirt, FDP-Bundestagskandidat, Biberach

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Seit ich denken kann, erinnere ich mich nicht an einen Bundeskanzler, sondern immer nur an diese eine Frau als Kanzlerin: Frau Dr. Angela Merkel – eine durchsetzungsstarke Frau sowohl innerhalb der eigenen Partei, aber auch auf dem internationalen politischen Parkett.
Meiner Meinung nach ist es nach dieser äußerst langen Amtszeit wichtig, den Platz wieder für jemand Neues freizumachen, um die ein oder andere verfestigte Struktur aufzulockern und einen frischen Wind zuzulassen. Unter der Kanzlerschaft Merkel geschahen die Finanzkrise, die Flüchtlingskrise und die noch immer andauernde Corona-Krise. Für ihre Arbeit und ihren Dienst für das Land gebührt ihr großer Respekt und Dank. Von ihrem Nachfolger oder ihrer Nachfolgerin erhoffe ich mir jedoch, in der ein oder anderen Situation mehr Stellung zu beziehen sowie weniger zurückhaltend aufzutreten als Merkel es tat.

 

Dr. Anja Reinalter, Grüne Bundestagskandidatin, Laupheim

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Angela Merkel hat Deutschland geprägt wie kaum ein(e) Politiker(in) zuvor. Als Physikerin sorgte sie dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten stärker denn jemals zuvor Berücksichtigung bei politischen Entscheidungen fanden, nicht zuletzt beim Klimaschutz. Während der Flüchtlingskrise und bei der Gestaltung und Krisenbewältigung Europas stärkte Frau Merkel dagegen das weltweit anerkannte Profil Deutschlands als solidarischer und verlässlicher Partner. Kaum Impulse konnte Frau Merkel dagegen im Bereich der Chancengleichheit setzen - und das, obwohl Frau Merkel sich selbst als Feministin bezeichnete. Auch Familien, Kindern, Jugendlichen und Senior*innen galt nicht ihre besondere Aufmerksamkeit. Auch die Kluft zwischen Arm und Reich wurde während ihrer Amtszeit eher größer als kleiner. Immerhin: Dass Frau Merkel zum Ende ihrer Amtszeit trotzdem darauf verweist, zu wenig für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen getan zu haben, zeugt von Größe jenseits unterschiedlicher politischer Vorstellungen - und ist gleichzeitig wichtige Mahnung, unseren Planeten für nachfolgende Generationen nicht zu verbrennen.

 

Martin Gerster, SPD-MdB, BC

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Die Wahl von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin am 22. November 2005 war eine meiner allerersten offiziellen Handlungen als junger Abgeordneter in Berlin. Es ist kein Geheimnis, dass ich damals lieber einen SPD-Kanzler Gerhard Schröder auf dem Wahlzettel gesehen hätte, aber es ist mir irgendwie im Rückblick auch eine Ehre, dabei gewesen zu sein, als die erste Frau an die Spitze der Bundesrepublik gewählt wurde.
Mit der Kanzlerin Angela Merkel war ich in diesen 16 Jahren selten einer Meinung. Sie hat sich in fast allen wichtigen Fragen mehr von Umfragen als von Überzeugungen leiten lassen. Atomausstieg, Mindestlohn, Bildungsinvestitionen oder Klimaschutz: Angela Merkel hat viele Reformvorhaben auf die lange Bank geschoben, bis die öffentliche Meinung und politischer Druck der SPD sie zur Umsetzung gezwungen haben. Damit war sie zwar erfolgreich, aber wir haben aus meiner Sicht wertvolle Zeit - und ein Stück weit politische Streitkultur - verloren.
Den Mensch Angela Merkel schätze ich sehr, der persönliche Kontakt war immer höflich und respektvoll. Als Mitglied des Haushaltsausschusses durfte ich an mehreren Abendessen mit ihr im Kanzleramt teilnehmen. Diese persönlichen Gespräche bleiben mir gut in Erinnerung. Ich war jedes Mal von Neuem überrascht, was sie über mich alles wusste und in der Unterhaltung auch durchblicken ließ.
Als Regierungschefin wertschätzte sie - im Gegensatz zu manchen ihrer Unionsminister - die Zusammenarbeit mit den Abgeordneten im Haushaltsausschuss. Außerdem hat sie diesem Land viel Zeit und Energie geopfert, auch das verdient Respekt.
Ihre ruhige und besonnene Art wird sicher vielen Menschen im Land fehlen, auch mir. Aber ich tröste mich mit dem Ausblick, dass ich im Oktober nach der Bundestagswahl mit dem jetzigen Vizekanzler Olaf Scholz hoffentlich einen mehr als würdigen Nachfolger zum Bundeskanzler wählen kann.

 

Sigmund F.J. Schänzle, katholischer Dekan BC

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Frau Merkel bleibt mir als Politikerin, die nichts aus der Ruhe bringt, in besonderer Erinnerung. Ihre analytische Haltung und ihr diplomatisches Geschick halfen ihr in Krisenzeiten. Als herausragende Führungskraft bewältigte sie viele Krisen in ihrer langen Kanzlerschaft ohne Skandale zu produzieren. Dafür bewundere ich Frau Merkel.

 

Anje Gering, Hauptgeschäftsführerin IHK Bodensee-Oberschwaben

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Mit Kanzlerin Angela Merkel verbinde ich Stabilität, internationale Anerkennung und ein hohes politisches Niveau. Sie hat das Land unaufgeregt durch viele Krisen gesteuert. Für die Wirtschaft war sie ein kooperativer und verlässlicher Gesprächspartner. Ihre Durchsetzungsstärke war ganz sicher die Basis für ihre lange Kanzlerschaft. Aber manches Mal hätte ich auch gerne bei ihr angerufen und ihr widersprochen – zum Beispiel, wenn sie die ein oder andere politische Entscheidung als „alternativlos“ dargestellt hat, anstatt weiter im Diskurs zu bleiben, um weitere Teile der Bevölkerung mitzunehmen. Frau Merkel als Mensch steht für mich für Integrität und unaufgeregte Professionalität, aber auch als eine Frau, die ihren ganz besonderen Weg gegangen ist, auch wenn er bestimmt oft steinig war.

 

Marlis Glaser, Künstlerin, Attenweiler

Marlis E. Glaser

Meine Gedanken zu Angela Merkel? Ich empfinde sie als sehr respektvoll im Umgang mit andren Menschen. Das ist fraglos eine Qualität.
Sie hat 2015 voller Empathie gehandelt und als Politikerin Verantwortung übernommen, im Zusammenhang mit der so genannten Flüchtlings-‘Krise‘, was diese Begriff auch immer sagen sollte. Sie hat alle Zweifler ermuntert mit dem Satz “Wir schaffen das“. Natürlich hätte sie dazufügen sollen, „wenn wir wollen“. Denn wirklich gewollt hat das doch kaum einer der Politiker, diese Fremden, diese Zufluchtsuchenden in Not, hier im Land zu integrieren. Integration als lernen des gegenseitigen Miteinanders in Respekt. Das hat auch Merkel versäumt oder nie wirklich gewollt. Sie hat leider - und das gehört zu ihren großen Fehlern – sich nie konsequent für Umweltschutz eingesetzt, sondern es eher den großen Unternehmen recht machen wollen. So konnten sie klimaschädliches Handeln in ihren Unternehmen fortsetzen, das hat nun böse, tragische Auswirkungen beziehungsweise es sind die Ursachen für den Klimawandel. Das andere ist: weder gegenüber China, noch gegenüber Erdogan, noch gegenüber dem Iran, der immer wieder droht, Israel zu vernichten, hat sie Rückgrat gezeigt. Aber insgesamt ist mein Eindruck, an den früheren Kanzlern würde ich sicherlich mehr politische Defizite und Fehler finden und auch viel mehr Arroganz. Und sie hat auf angenehme Weise im überzogen-hektischen Politik-Geschehen Gelassenheit und Geduld vorgelebt.

 

Josef Rief, CDU-Kreisvorsitzender und MdB, Biberach

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Mit Angela Merkel verlässt eine der herausragendsten politischen Figuren des frühen 21. Jahrhunderts die Arena der internationalen Politik.

 

Monika Koros-Steigmiller, Kreistagsmitglied, Biobäuerin und -ladnerin, Ummendorf

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Eine starke, ausgleichende, mutige Frau, die sich selbst nie in den Mittelpunkt stellt, diplomatisch agiert und selber schon ein Stückchen Rebellion hinter sich gebracht hat in ihrer Jugend. Schade eigentlich, dass bisher ökologische Themen an ihrer Partei so ganz und gar vorbei gegangen sind und sie es nicht geschafft hat, trotz ihrer Präsidentschaft bei der Klimakonferenz der Vereinten Nationen 1995 diese Themen voranzutreiben.

 

Jost Einstein, Nabu, Bad Buchau

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In meinem Statement möchte ich mich auf den Bereich des Umweltschutzes beschränken. Ursprünglich als „Klimakanzlerin“ mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, hat Frau Merkel auf den Feldern Natur-, Umwelt- und Klimaschutz ihre Möglichkeiten bei weitem nicht genutzt. Hier hätte ich mir deutlich mehr Engagement erwartet. Zwar sind in ihrer Regierungszeit einige wichtige internationale Abkommen geschlossen worden, und auch in der nationalen Gesetzgebung gab es Verbesserungen. An der Umsetzung hapert es jedoch vielfach gewaltig. International ist unser Land im Umweltschutz sehr häufig nicht als Schrittmacher, sondern als Bremser aufgetreten. Die Energiewende wurde auf die lange Bank geschoben. Wichtige Baustellen sind überhaupt nicht angegangen worden (z. B. Verkehrswende). Zugunsten der deutschen Exportwirtschaft werden indirekt nach wie vor größte globale Umweltschäden in Kauf genommen (z. B. Vernichtung der Regenwälder). Bei allen Verdiensten, die sich Frau Merkel in ihrer Regierungszeit sonst erworben hat, waren diese sechzehn Jahre für eines der bedeutendsten Politikfelder, nämlich die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen, leider weitgehend verlorene Jahre.

 

Brunhilde Raiser, Leiterin Evangelisches Bildungswerk Oberschwaben

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Erstwähler*-innen kennen nur Angela Merkel als Bundeskanzlerin. Für sie ist es nichts Besonderes, eine Frau als Bundeskanzlerin zu haben. So hat auch Angela Merkel ihr Amt gesehen. Sie wollte zuerst Bundeskanzlerin sein — dass sie auch Frau ist, spielte für sie so gut wie keine Rolle, jedenfalls in ihrem Amt.
Hat das die Gleichstellung und Gleichwertigkeit vorangebracht? Frauenverbände, wie die, für die ich jahrelang in der Verantwortung gestanden habe, waren und sind sich da bis heute nicht einig oder gar sicher. Denn allein die Nachfolgedebatten zeigen, wie leicht es sich schon wieder sagt, „wirklich wieder eine Frau“– oder: „wir hatten doch gerade eine Frau“(je nach politscher Grundhaltung). Woran denke ich, wenn ich die letzten 16 Jahre Kanzlerinnenschaft Revue passieren lasse und dabei auch an meine direkten Begegnungen mit ihr denke:

  • Menschen entwickeln sich und wachsen mit den Aufgaben, das sollten wir uns vor Augen halten. Niemand kann zu Beginn einer Aufgabe bereits alles perfekt. Angela Merkel hat das gezeigt.
  • Zielstrebigkeit und zähe Energie und zumindest Gelassenheit nach außen sind durchaus vorteilhaft für ein Leitungsamt. Angela Merkel wirkte auf mich bei unseren Gesprächen, die durchaus kontrovers waren, gelassen, ruhig – intensiv zuhörend—und dann ganz überraschend antwortend. Diese Antwort war aber dann auch unverrückbar.
  • Lange hat es gedauert, bis sich die Kanzlerin auch gezielt für Gleichstellung eingesetzt hat.

Nur schwer war sie darauf ansprechbar. Mindest-Frauenanteile in den Vorständen von DAX- Unternehmen…, Gleichbezahlung von Frauen…das waren lange nicht ihre Lieblingsthemen. Bis ihr die Notwendigkeit einleuchte- dann aber wurde das Thema nicht mehr losgelassen. 16 Jahre Kanzlerinnenschaft - sie sollten eigentlich ganz unabhängig von der politischen/parteipolitischen Einstellung eine grundsätzliche Infragestellung weiblicher Leitungs- und Führungsfähigkeit verbieten.

 

Doris Schröter, Bürgermeisterin Bad Saulgau

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Ich habe große Hochachtung vor unserer Kanzlerin. Sie hat 16 Jahre unser Land erfolgreich regiert und Deutschland stets souverän repräsentiert. Ihr enormes Arbeitspensum, ihre Besonnenheit und ihre diplomatischen Fähigkeiten selbst in sehr kritischen Zeiten und mit schwierigen Gesprächspartnern, hat mir immer großen Respekt abverlangt. Ich bedaure, dass die Ära Angela Merkel zu Ende geht.

 

Axel Müller (mit Mikro), CDU-MdB, Ravensburg

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Mein erster Gedanke bei Angela Merkel als Bundeskanzlerin ist natürlich ihr Besuch in Ravensburg bei der Schockenhoff Lecture 2018. Ich hatte zwar in den vergangenen vier Jahren mehrere Begegnungen mit ihr, aber immer in einem größeren, wenn auch überschaubaren Kollegenkreis, nie war es aber so persönlich und auch inhaltlich so nah wie an diesem Tag. Sie ist im Grunde eine überaus bescheidene Person, die im Umgang recht unkompliziert ist, ganz anders als man es vielleicht bei einer Frau in einer so zentralen, weltweit beachteten Position vermuten könnte. Dennoch strahlt sie eine sehr große Autorität und Souveränität aus. Dazu passt auch, dass sie selber den Zeitpunkt ihres Abganges von der aktiven politischen Bühne bestimmt hat. Für mich war und ist ihr überragendes Detailwissen immer wieder beeindruckend und ihre Fähigkeit in schwierigen Verhandlungslagen, gleich ob in der Bundesregierung, innerhalb unserer Fraktion oder auf dem internationalen Parkett, unterschiedliche Positionen zusammen zu führen, ohne dass jemand dabei das Gefühl hat, sein Gesicht nicht gewahrt zu haben. Das große Ansehen, das Deutschland in der Welt genießt, ist zu einem großen Teil ihr persönlicher Verdienst. Sie vertritt glaubwürdig die Position des Multilateralismus und erteilt nationalistischen Tendenzen eine klare Absage. Meine Prognose: die Mehrheit der Menschen in Deutschland und darüber hinaus wird sie vermissen. Sie hinterlässt eine große Lücke, die nicht leicht zu schließen sein wird.

 

Stefanie Bürkle, CDU-Landrätin Sigmaringen

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Angela Merkel hat in Zeiten großer Krisen Verantwortung gelebt. Wenn Themen schwierig wurden, hat sie mit ihrer Bereitschaft zum Kompromiss Lösungen gefunden. Als Physikerin hat sie die Themen unaufgeregt und uneitel vom Ende her betrachtet. Mit ihr hatte Deutschland 16 Jahre wirtschaftlichen Aufschwung, eine historisch niedrige Arbeitslosigkeit, eine Zeit des Wohlstands für viele, in Frieden und Freiheit. Danke Angela Merkel für 16 gute Jahre.

 

Philipp Bürkle, Vorsitzender Junge Union B-W, Stuttgart

Philipp Buerkle kl

Angela Merkel hat die Bundesrepublik stets stabil und verlässlich regiert. Auch in Krisenzeiten reagierte unsere Bundeskanzlerin besonnen und war für unsere freie Welt zu jeder Zeit ein stabiler Werteanker. Angela Merkel verdient meinen größten Respekt für wahrlich historische 16 Jahre.
Mit Angela Merkel verlässt eine der herausragendsten politischen Figuren des frühen 21. Jahrhunderts die Arena der internationalen Politik.

 

Samuel Bosch (18), Aktivist, RV

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Unter Merkels Leitung zerstörte die Bundesregierung Deutschlands Solarindustrie, die Photovoltaik zu einer wirtschaftlichen und effizienten Technik entwickelt hatte. 80.000 Jobs wurden damals so nach China verlagert. Auch organisierte Merkel, dass Deutschland auf internationalen Klimaschutzkonferenzen immer wieder als Bremser auftrat. Gestützt durch ihren wissenschaftlichen Hintergrund als Physikerin gab Merkel zumindest vor, den Ernst der Lage verstanden zu haben, auch wenn sie dennoch nicht danach handelte. Und Armin Laschet gibt noch nicht einmal vor, die Klimakrise ernst zu nehmen, und ist deshalb um ein Vielfaches gefährlicher als Merkel. Mit ihm wird es einen Kurs des „Weiter so“ geben, der die Klimakrise deutlich befeuern wird. Kluge Lösungen, die Klimaschutz mit sozialer Gerechtigkeit verbinden, sucht man im Wahlprogramm der CDU vergebens. Und Laschet steht zu seinem Zerstörungskurs: „Entschuldigung, junge Frau. Weil jetzt so ein Tag ist, ändert man nicht die Politik.“

 

Autor: Roland Reck

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