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Hergatz - Die beiden Ministerpräsidenten, der grüne Winfried Kretschmann aus Stuttgart und der schwarze Markus Söder (CSU) aus München waren zwar nicht vor Ort am Degermoos anwesend, dafür die Regierungspräsidenten Klaus Tappeser (Tübingen) und Erwin Lohner (Augsburg). Nach einer lehrreichen Begehung des Moors unterzeichneten beide Präsidenten eine gemeinsame Vereinbarung für eine länderübergreifende Kooperation im Moorschutz. Sie ist rechtliche Grundlage für die Umsetzung eines gemeinsamen Moor- und Naturschutzprojekts in den nächsten Jahren.

 

Das im Grenzbereich beider Bundesländer liegende Degermoos umfasst eine Fläche von rund 1000 Hektar. Mit 485 Hektar liegt der kleinere Teil des Projektgebiets im Württembergischen, 515 Hektar entfallen auf bayerisches Terrain. Das Moorgebiet ist von besonderer Wichtigkeit. Wegen der Vielzahl dort vorkommender Moorlebensräume und der Vielfalt von Arten ist es naturschutzfachlich sogar von bundesweiter Bedeutung, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung beider Regierungsbezirke.
Wie andernorts auch wurden die Moore um das Degermoss durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung erheblich beeinträchtigt. Durch Entwässerungsmaßnahmen wurde die einst vorhandene Artenvielfalt erheblich dezimiert. Weil wirksame Schutzmaßnahmen nur über Ländergrenzen hinweg sinnvoll sind, gab es bereits im Juli 2019 einen Kabinettsbeschluss zu verstärkter Zusammenarbeit.
Der Präsident des Regierungsbezirks Tübingen zeigt sich überzeugt: „Mit diesem Projekt haben wir die Chance, einen großen Beitrag für Moor- und Gewässerschutz zu leisten“. Zunächst gilt es, Gutachten für eine konkrete Umsetzungsplanung zur Wiedervernässung, dadurch zur Förderung der Tier- und Pflanzenwelt zu beauftragen. Die Renaturierung ist deshalb so wichtig, weil naturnahe nasse Moore riesige Mengen Kohlenstoff speichern. Pro Flächeneinheit gelten sie sogar als größte Speicher. Mit 700 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichern naturnahe Moore sechsmal soviel CO2 wie Wald.
Bayerisch-Schwabens Regierungspräsident Lohner sprach nicht umsonst von „hoher Klimarelevanz“ des Degermooses. Laut bayerischem Moorschutzprogramm seien es sechs Prozent des deutschen CO2-Ausstoßes, die durch die Trockenlegung von Mooren in die Atmosphäre freigesetzt werden. Das erkläre den großen Handlungsbedarf, um die noch vorhandene Speicherfähigkeit durch Wiedervernässung zu erhöhen. Dazu sei ein „langer Atem“ vonnöten. Weil man „in der Kulturlandschaft Natur gestalten“ müsse, höre die Arbeit nach den zunächst veranschlagten zehn Jahren keineswegs auf. Grenzen würden nach seinen Worten „nicht mehr nur trennen, sondern genauso auch verbinden“.

 

Text und Foto: Horst Hacker

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