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Dietmanns - Den „Adler“ in Dietmanns bei Bad Wurzach gibt es seit 1650. Die Wirte Iris und Dieter Hierlemann sind nicht nur Mitglied der Aktion „LandZunge“, die regionale und ökologisch angebaute Produkte bevorzugt, sie bieten ihren Gästen auch seit vielen Jahren Kleinkunst. Ihnen liegt an Wirtshauskultur im besten Sinne: mit gutem Essen, Stammtisch, Biergarten, Platz für Kinder und einer Kleinkunstbühne. Wie kamen sie durch die Pandemie?

 

Hierlemann Dieter Wirt„Wer keinen Humor hat, der ist schon tot“, sagt Dieter Hierlemann (58, Foto) bei unserem ersten Telefongespräch am 7. Juni, eine Woche, nachdem er wieder aufmachen konnte. „Diese Woche war völlig umsonst“, bilanziert er. Ende Oktober 2020 war nach einer letzten Kulturveranstaltung Lockdown bis Ende Mai. In der Zeit bot der Adler Essen zum Mitnehmen an. Nun sind Restaurant und Biergarten zwar wieder offen, doch Hierlemann empfindet die jetzige Situation als noch schwieriger. „Gestern, am Sonntag, war ein beschissener Tag“, gibt er unumwunden zu. Wegen des Landregens hatten alle Biergartenbesucher abgesagt, ins Restaurant verirrten sich gerademal vier Personen. Eine Dame hatte zwar für sieben Personen reserviert, wusste aber nicht, dass Einlass nur dem gewährt wird, der getestet/genesen oder geimpft ist. „Das mit den ganzen Hygienebestimmungen ist irrsinnig personalaufwändig“, erklärt der Wirt. Zwar habe er Glück, dass nicht alles Personal weggelaufen sei, aber solange das Wetter nicht mitspielt und viele der rund 60 Plätze im Biergarten nicht besetzt sind, lohne sich der Aufwand nicht. Vierzehn Tage will er sich noch „durchwürgen“ dann ist Betriebsurlaub angesagt. Hatte der Wirt doch im Juli 2020 den letzten Urlaubstag. Seitdem versuchte er mit wenig Personal den Take-away-Betrieb durchzuhalten. „Wir haben an allen Stellschrauben gedreht, Strom gespart und von Hand gespült“.

 

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Der „Adler“ in Dietmanns.

 

Nicht sparen will er jedoch an den Gagen der Künstlerinnen und Künstler, die ab 17. Juli wieder auf der Kleinkunstbühne stehen sollen. Auch dann, wenn von den 120 Plätzen im Saal weiterhin nur etwa 40 besetzt sein dürfen. Einige KünstlerInnen haben inzwischen aufgeben müssen, auch ein Agent ging in seinen Beruf als Krankenpfleger zurück, weiß der Kleinkunstförderer. Anders als etwa in der Schweiz, wo Kunstschaffende 80 Prozent ihrer Gage für bereits vereinbarte Engagements erhielten, gab es in Deutschland für sie kaum Geld. Sie schauten ebenso in die Röhre wie viele Wirte, die ihre Betriebsschließungsversicherung geltend machen wollten. „Bei diesen Versicherungen müsste eine Pandemie inkludiert werden“, fordert Hierlemann, ehe er sich an den Herd verabschiedet, um eine „Salsa Chocolatl“, eine südamerikanische Chili-Schoko-Sauce zu zubereiten.

 

Viel grün auf dem Teller und rundum

Einkehr - endlich wieder möglich! Viel grün auf dem Teller und rundrum.

 

Da man schwerlich über ein Gasthaus berichten kann, das man selbst nicht besucht hat, schaue ich an einem sonnigen Sonntagabend Mitte Juni in Dietmanns vorbei. Die meisten Tische im üppig grünen Biergaren sind besetzt, aber schon um halb acht kann Hierlemann die Küche verlassen. Er hat vor 34 Jahren das Gasthaus nach dem frühen Tod seiner Mutter von ihr übernommen. Zwiebelrostbraten und geschmälzte Maultaschen sind verspeist, er setzt sich zu uns und berichtet von einer „Wirtschaftlichkeitshilfe“, die vom Land für Kleinkunst bereitgestellt werden soll. Eine gute Nachricht für seinen 2014 gegründeten Kleinkunstverein. Die sonstige Veranstaltungs-Sommerpause fällt dieses Jahr aus, um Auftrittsmöglichkeiten zu bieten. Nach einem Blick in den Saal mit Bühne, wo er Spinnweben auszumachen glaubt, wünschen wir weiterhin einen langen Atem und gute Nerven. Nun will er erst einmal ein paar Tage ausruhen und freut sich auf ein paar Radtouren mit seiner Frau. www.adler-dietmanns.de

 

Text und Fotos: Andrea Reck

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