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… das geht gar nicht! Um die Verhältnisse klar zu stellen: BLIX ist seit langem Mitglied und Förderer des Vereins der Biberacher Filmfestspiele und berichtet noch länger über dieses Biberacher Kulturhighlight, umfänglich und fundiert. Das war und ist unser Anspruch. Deshalb können wir das Geschehen rund um das Ende der Zusammenarbeit mit der bisherigen Intendantin Helga Reichert und der Inthronisation ihrer Nachfolgerin Nathalie Arnegger nicht ignorieren. Denn eines ist offensichtlich: Weder der Vorstand noch die neue Intendantin spielen mit offenen Karten! Das ist umso ärgerlicher, da der Verein knapp 70.000 Euro aus der Stadtkasse einstreicht und somit in der Pflicht steht, sein Tun vorbehaltlos zu erklären. Was er nicht tut!

 BLIX berichtete in seiner März/April-Ausgabe umfänglich, indem wir dem Zerwürfnis von Vorstand und Intendantin die Titelgeschichte („Zum Heulen“, S. 48, Titel oben) widmeten und den Oberbürgermeister Norbert Zeidler in seiner Funktion als 2. Vorsitzender des Vereins in einem ausführlichen Interview zu Wort kommen ließen („Das finale Machtwort hat der Verein“, S. 51). Danach folgte am 4. März eine Live-Pressekonferenz mit reger Beteiligung in der Stadthalle, bei der der Vorstand Nathalie Arnegger als neue Intendantin vorstellte. Es war eine denkwürdige Veranstaltung, bei der Fragen zu den Vertragsinhalten per se nicht beantwortet wurden, auch nicht eine so banale wie nach der Laufzeit des Vertrags. Die Journaille gab sich zufrieden und teilte im Grundton die Begeisterung des Vereinsvorsitzenden Tobias Meinhold: „Wir haben eine tolle Person gefunden.“
Dabei fiel die persönliche Vorstellung von Arnegger so dürftig aus wie der Inhalt des Handzettels, der über ihre Person Auskunft geben sollte. Es fehlte eigentlich alles, was eine aussagefähige Vorstellung ausmacht, stattdessen Geschwurbel: „Das gemeinsame Abenteuer beginnt, wo das Vertrauen auf Neugier trifft. Wo der Schimmer hinter dem Horizont lockt. Was nun wichtig ist, sind positive Vibrations und Zuversicht.“ Und selbst die Aufzählung ihrer „Preise/Auszeichnungen“ bleiben ohne Erklärung, dabei sind sie sehr erklärungsbedürftig – zumindest wenn davon die Kompetenz als Intendantin abgeleitet werden soll. Was denn sonst!
BLIX suchte also das Gespräch mit Nathalie Arnegger, um die offenen Fragen zu klären – und stieß auf eisiges Schweigen. Was die Recherche erschwerte, aber umso notwendiger machte. Das Ergebnis ist online nachzulesen: „Filmriss“, veröffentlicht am 13. März, www.diebildschirmzeitung.de/blix/aktuell/4213-filmriss. Den kritischen Blick aus der Filmszene lieferte der Regisseur Douglas Wolfsperger, der im Interview klar Stellung bezog: „Schluss, aus, ich geh‘ nicht mehr hin!“
Inzwischen sind wieder sechs Wochen vergangen. Es herrscht nach wie vor Schweigen in der Kulisse. Währenddessen recherchierten der SWR und BLIX und schauten nach den Preisen und Auszeichnungen, die die neue Intendantin als Beleg für ihre Kompetenz anführt. Es sind neun und eine Auswahl, lässt Arnegger wissen („u.v.m.“). Drei Preise stammen aus Deutschland: Max-Ophüls-Preis, First steps Award und Friedrich-Wilhelm-Murnau-Preis. Die Nennung der Preise erfolgt ohne Angaben zu Ort und Jahr. Frau hält sich bedeckt. Und die Recherche ergibt, dass an allen drei Orten, Saarbrücken, Berlin und Bielefeld, Nathalie Arnegger mit keinem Preis namentlich in Verbindung gebracht wird. So die mündliche oder schriftliche Auskunft von vor Ort.
Aber Arnegger taucht auf, wenn man gründlich recherchiert. Die online-Datenbank filmportal, das Nachschlagewerk der Filmszene, weist Nathalie Arnegger als Produzentin aus, Filme werden allerdings keine aufgeführt, sucht man aber nach „Rain is falling“, den sie ihren Debütfilm nennt und der als bester Kurzfilm (15 Min.) 2005 in Saarbrücken ausgezeichnet wurde, dann wird sie dort als Produktionsleiterin aufgeführt. Regie und Produzent Holger Ernst. Und Ernst ist es auch, der mit diesem Film andernorts, so auch in Bielefeld und in Übersee, in Palmares San Roque in Costa Rica und in Houston, Texas, ausgezeichnet wurde und nicht Arnegger – sie beansprucht es aber. Es ist letztlich dieser Kurzfilm, der vor fast 20 Jahren auch das Ende ihres Studiums in Babelsberg markiert, mit dem Nathalie Arnegger in Biberach offensichtlich punktete, um zukünftig den Job von Helga Reichert zu machen.
Darüber lässt sich freilich streiten. Aber unzweifelhaft lässt die vorgestellte Biografie Arneggers viele Fragen zu und offen. Also erinnert man die neue Intendantin und den Vorstand noch einmal an die bereits vor Wochen gestellten Fragen und bittet um Antwort. Es kommt eine kurze Mail vom Vorsitzenden Tobias Meinhold und der Pressesprecherin Daniela Göbel: „Sehr geehrter Herr Dr. Reck, (…) Leider können wir hinter Ihren Fragen kein öffentliches Interesse erkennen. Daher sehen wir keinen Anlass, diese Fragen zu beantworten.“
Mein lieber Vorstand, das geht so nicht! 70.000 Euro aus der Stadtkasse sind sehr wohl ein triftiges „öffentliches Interesse“. Das können der Gemeinderat und wohl auch der Oberbürgermeister kaum anders sehen.

 

Autor: Roland Reck

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