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Aulendorf/Berlin - Als Vereinsmitglied kann sich BLIX zu den „Filmfest-Freunden“ zählen. Zu denen zählt sich auch Douglas Wolfsperger. Der Filmemacher mit oberschwäbischen Wurzeln war bereits 35 Mal in Biberach mit und ohne Film, als Gast, als Jurymitglied, als leidenschaftlicher Fan des Biberacher Filmfestivals und dessen ganz besonderer Atmosphäre. Schon drei Mal erhielt Wolfsperger einen Doku-Biber. Mit „Die Blutritter“ (2003) schuf Wolfsperger eine vielbeachtete Dokumentation über den Blutritt in Weingarten. Nun ist der 63-Jährige in „großer Sorge“, wie 107 weitere Filmschaffende, die wegen den Vorgängen um die Intendanz bei den Biberacher Filmfestspielen sich mit einem offenen Brief an die Stadt und ihre BürgerInnen wandten. BLIX berichtete und spricht nun mit Douglas Wolfsperger, als einer von den Initiatoren des offenen Briefes, über seinen Blick von der Spree zur Riss auf die hiesigen Vorgänge um die Filmfestspiele.

 

Herr Wolfsperger, die Würfel sind gefallen: die Intendanz der Biberacher Filmfestspiele ist neu besetzt und damit die Zukunft der Filmfestspiele gesichert, wie OB Zeidler versichert. Sehen Sie als einer der Initiatoren des offenen Briefes, den 108 Filmschaffende unterstützen und in dem Sie eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der bisherigen Intendantin Helga Reichert für entscheidend wichtig halten, das ebenfalls so?

Ob die Biberacher Filmfestspiele Bestand haben werden, bleibt abzuwarten. Es gibt ja eine Vielzahl von Filmfestivals in Deutschland und Biberach hatte sich dank der unermüdlichen Arbeit Adrian Kutters nicht nur im nationalen Ranking etabliert, sondern sich einen ganz besonderen Ruf und Charme erworben. Seine Frau Helga Reichert hat diese Arbeit mit eigener Handschrift fortgesetzt, nachdem sie Jahre lang die Filmfestspiele aktiv begleitet hatte. Das nennt man Erfahrung und trotz Veränderung Bewahrung. Die Biberacher Filmfestspiele waren über 40 Jahre in besten Händen. Der Verein hat seinen Teil dazu beigetragen, aber Organisation muss der Kunst dienen, nicht umgekehrt.

 

Der gemeinsame Brief, geschrieben in ‚großer Sorge‘ um die Zukunft des Biberacher Filmfestivals, richtete sich explizit an den Oberbürgermeister sowie an den Gemeinderat, den Vorstand des Vereins und dessen Mitglieder. Wie fielen die Reaktionen aus? Was antwortete der OB und der Vorstand Ihnen und Ihren MitstreiterInnen? Und welche Schlussfolgerungen ziehen Sie und die anderen UnterzeichnerInnen daraus?

Ja, Oberbürgermeister Zeidler hat per Mail geantwortet und unsere Bedenken beiseite gewischt. Nach dem Motto: Lasst mich in Ruhe, ich hab‘ Wichtigeres zu tun. Dazu passt, dass auf der facebook-Seite der Filmfestspiele die kritischen Stimmen gelöscht wurden. Es ist blamabel und man hat den Eindruck, in Biberach sitzt man unter einer Käseglocke.

 

Sie waren sehr oft bei den Biberacher Filmfestspielen und haben drei Doku-Biber erhalten. Sie sind wie die neue Intendantin Nathalie Arnegger in Oberschwaben groß geworden, leben seit vielen Jahren in Berlin, wo Arnegger an der Filmhochschule studiert hat und wie Sie ihre eigene Filmproduktion unterhält oder unterhalten hat und ebenfalls wie Sie im Dokumentarfilm engagiert ist beziehungsweise war. Kennen Sie Frau Arnegger?

Nicht sehr gut, deshalb kann ich nur darauf schauen, was sie filmisch gemacht hat und davon ableiten, welche Kompetenzen sie hat. Und wenn ich bei filmportal.de nachschaue, dann finde ich bei Nathalie Arnegger einen einzigen Verweis auf den Kurzfilm „Rain is Falling“ von 2004, wobei nicht ersichtlich wird, in welcher Funktion Arnegger dabei mitwirkte, denn beim Film selbst wird Holger Ernst als Regisseur und Produzent genannt, der dafür in Saarbrücken auch einen Preis erhielt.

 

Herr Wolfsperger, Sie sind parteiisch, das ist dokumentiert durch den offenen Brief, in dem großen Wert auf die besondere Atmosphäre des Filmfestivals in Biberach gelegt wird und die hohe Professionalität und besondere Bedeutung des Festivals mit dessen Gründer Adrian Kutter und in Fortsetzung der Intendanz durch seine Frau Helga Reichert erklärt wird. Können Sie als ‚Kutter-Fan‘ die neue Intendantin als zweitbeste Lösung sehen und sich damit anfreunden? Bringt Frau Arnegger die notwendigen Kompetenzen mit, um die Biberacher Filmfestspiele in Ihrem Sinne und im Sinne Ihrer MitstreiterInnen fortzusetzen?

Das Filmgeschäft lebt von persönlichen Kontakten, das wird Ihnen jeder bestätigen, der damit zu tun hat. Und das brachte Adrian Kutter mit, seine vielen Kontakte, die er ja nicht dadurch erreichte, dass er in Biberach im Kino saß, sondern weil er sich über Jahrzehnte national und international für das Film- und Kinogeschäft engagierte. Das ist Lohn unglaublich vieler Arbeit, den Biberach geschenkt bekam. Und nun das: Ich finde es unsäglich und ein Schmierentheater, was der Vereinsvorstand mit der Besetzung der Intendanz inszeniert. Mit der zweitbesten Lösung konnte ich mich bestens arrangieren, das war Helga Reichert als Nachfolgerin von Adrian Kutter, die die beste Vorbereitung auf diesen Job hatte und bewiesen hat, dass sie es kann. Das Gewachsene ist das Kapital.

 

Der entscheidende Knackpunkt beim Streit zwischen Vorstand und Helga Reichert seien die Meinungsunterschiede bezüglich der Bedeutung eines Online-Angebotes gewesen, behauptet der Vorstand, der in einem solchen Angebot die Zukunftsfähigkeit der Filmfestspiele sieht. Wie beurteilen Sie diese Bedeutung eines Video-on-demand-Angebots für ein Präsenzfestival, das auch nach Meinung des Vorstands und der neuen Intendantin vom intensiven Austausch zwischen Publikum und Filmschaffenden lebt?

Ach Gott, ja, jeder Wichtigtuer schwätzt von online und hält sich damit auch für wichtig, weil es irgendwie chic ist, die Zukunft und sogar das Überleben von Präsenzveranstaltungen wie das Biberacher Filmfestival davon abhängig zu machen. Das ist doch absolut lächerlich!

 

Werden Sie auch weiterhin als Gast anwesend sein und Ihre Filme in Biberach vorstellen, wenn Sie dazu eingeladen werden?

Nein, sollte es dabei bleiben, was dieser Vorstand durchsetzen will, dann ist das Biberacher Filmfestival für mich gestorben. Schluss, aus, ich geh‘ nicht mehr hin!

 

Autor: Roland Reck

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