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Bad Waldsee - „Bad Waldsee tut gut“, so lautet der Slogan der idyllisch gelegenen Kurstadt, die mit ihren über 20.000 Einwohnern Große Kreisstadt werden will. Die mittelalterliche, 700 Jahre alte Stadt im Landkreis Ravensburg zwischen Stadtsee und Schlosssee punktet im Zentrum mit sehenswerten gotischen und barocken Gebäuden, einer Uferpromenade und dem dort gelegenen modernen Kommunikationszentrum „Haus am Stadtsee“. Seit 2014 ist Bad Waldsee offizielle Fairtrade-Stadt. „Barrierefrei und voller Leben“ – so lautet der Leitsatz für die Entwicklung und Umsetzung des aktuellen Projekts „Altstadt für Alle“. BLIX sprach mit Bürgermeister Matthias Henne über seinen Amtsantritt mitten in der Corona-Pandemie am 6. April und wie es weitergeht mit den Plänen zur „Großen Kreisstadt“.

 

Herr Henne, Sie sind 38 Jahre alt und seit April 2020 Bürgermeister von Bad Waldsee. Einen Bürgermeister zeichnet die möglichst große Nähe zu den Bürgern aus, was wegen Corona in diesem Jahr kaum möglich war. Wie haben Sie Ihr erstes Amtsjahr unter diesen außergewöhnlichen Umständen in Bad Waldsee erlebt?

Henne: 2020 – das war und ist schon ein ganz besonderes Jahr – und ganz besonders für mich. Am 26. Januar wurde ich von den Bürgern dieser wundervollen Stadt mit deutlicher Mehrheit zum neuen Bürgermeister gewählt und habe mein Amt am 6. April – mit erschwerten Bedingungen - angetreten. Viele, teilweise lange geplante Veranstaltungen mussten wir schweren Herzens, aufgrund der Corona-Pandemie absagen, denn oberste Priorität hat maximale Sicherheit für alle Beteiligten. Gerne wollte ich die Bürgerinnen und Bürger kennenlernen, auf Festen, Veranstaltungen und bei geselligen Runden. Aber, das werden wir nachholen, da bin ich ganz zuversichtlich und darauf freue ich mich schon jetzt. Meinen Start als Bürgermeister in Bad Waldsee hatte ich mir wirklich anders vorgestellt.

 

Was waren bisher die größten Herausforderungen?

Das war und ist die Pandemie. Das tägliche Leben hat sich durch Corona für uns als Verwaltung, aber natürlich auch für unserer Bürger, Patienten und Gäste quasi auf den Kopf gestellt. Die größte Herausforderung dabei war bisher das Krisenmanagement, vor allem für unser städtisches Alten- und Pflegeheim Spital zum Heiligen Geist, aber auch das Kloster Reute haben mich und alle daran beteiligten schon erheblich gefordert.

 

Welche Maßnahmen Ihres zu Amtsbeginn verkündeten 12-Punkte-Plans konnten schon auf den Weg gebracht werden?

Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben wir, trotz der herausfordernden Umstände in den vergangenen Monaten vieles bewegt, voran gebracht und umgesetzt. Als Beispiele möchte ich hier stellvertretend für viele andere Projekte den Breitbandausbau mit Investitionen in Höhe von rund 30 Millionen Euro nennen, Aber auch im Bereich des Kinderbetreuungsangebots sind wir erheblich vorangekommen. Im September wurde der Waldkindergarten eröffnet und für das kommende Jahr stehen der Bau, beziehungsweise die Erweiterung um jeweils zwei Kindergartengruppen in Reute und in Haisterkirch auf dem Programm. Auch beim Thema Umweltschutz geht es mit dem Bau der Nahwärme in der Innenstadt voran, gleichzeitig wird unsere Altstadt barrierefrei umgebaut.

 

Stadtsee Eis Schnee 2

Auch das kommt vor, allerdings noch nicht in diesem Winter: der Stadtsee ist zugefroren.

 

Sie sind Bürgermeister von derzeit 20.240 Menschen. Ab 20.000 Einwohner kann eine Kommune von der Landesregierung zur großen Kreisstadt ernannt werden, was zum 1.1.2022 geplant ist. Ihre Besoldung ändert sich als Oberbürgermeister ja nicht. Was bringt dieser rechtliche Status der Einwohnerschaft?

Die Erklärung zur Großen Kreisstadt setzt eine Einwohnerzahl von mehr als 20.000 Einwohnern über mehrere Jahre sowie einen Antrag der Gemeinde voraus. Große Kreisstadt ist nicht nur ein Titel, sondern bietet der Stadt die Chancen auf größeren Einfluss und stärkeres politisches Gewicht, auf rechtlich und politisch größere Gestaltungsmöglichkeiten, sowie einen besserer Zugang zu Informationen und eine höhere Wahrnehmung der Stadt in der Region und im Land. Die Ernennung zur Großen Kreisstadt wird für Bad Waldsee ein erheblicher Imagegewinn sein, der den Standtort für Wirtschaft und Wohnen noch interessanter macht. Die Bürger von Bad Waldsee können zusätzliche Angebote, die bisher im Landratsamt erledigt werden mussten, nun direkt in Bad Waldsee erledigen.

 

Bad Waldsee wirbt als Gesundheitsstadt für sich und verfügt über mehr als 1660 Gästebetten. Wie wirkt sich die Corona-Pandemie bisher auf die Gästezahlen aus?

2020 durften in der Summe etwa sechs Monate lang keine touristischen Übernachtungen mehr stattfinden. Darunter leiden die klassische Hotellerie und die Parahotellerie ebenso wie Bildungseinrichtungen mit Übernachtungsbetrieben. Auch der Wohnmobilstellplatz musste ein halbes Jahr geschlossen bleiben. Einzig die Reha- und Akutkliniken hatten durchgehend Betrieb, wenn auch unter starken Einschränkungen. In der Summe müssen wir uns auf einen Übernachtungsrückgang von knapp 40 Prozent einstellen. Statt 390.000 Übernachtungen im Vorjahr müssen wir uns wohl mit etwa 235.000 Übernachtungen begnügen.

 

In Bad Waldsee wurde das Wohnmobil erfunden. Mit der Hymer GmbH & Co. KG haben Sie neben weiteren Unternehmen einen sehr potenten Gewerbesteuerzahler. In welchen Bereichen investieren Sie in den nächsten Jahren verstärkt?

Wir legen im kommenden Jahr den Investitionsfokus auf den Ausbau der Kinderbetreuung sowie des Breitbands. Auch Altstadt für Alle, der barrierefreie Umbau der Altstadt wird fortgeführt. Wir werden Bauland erschließen, den Erweiterungsbau für das Finanzamtsgebäude erstellen und die Radwegnetzkonzeption, die Sportentwicklungskonzeption umsetzen sowie den Hochwasserschutz verbessern.

 

Bad Waldsee zeichnet eine selbstbewusste und aktive Bürgerschaft aus. Zuletzt gab es Protest gegen die Pläne einer Ansiedlung eines Schnellrestaurants an der B 30. Wenn es stimmt, dass die Welt in den Kommunen verändert wird, welche Vision haben Sie für Ihre Stadt?

Ich möchte mich weiterhin engagiert und motiviert für unsere Bürgerinnen und Bürger engagieren. Mein wichtigstes Ziel ist es, das alle Bürger noch enger zusammenwachsen – dass das WIR-Gefühlt gestärkt wird, dass Traditionen und Werte gepflegt werden und wir alle stolz auf UNSER Bad Waldsee sind.

 

Autor: Roland Reck

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