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Memmingen - Am Samstag, den 21. Mai, herrschte in der einst freien oberschwäbischen Reichsstadt ein außerordentlicher Festtag. Ab 11 Uhr wurde in der vollbesetzten Stadtpfarrkirche St. Martin in einem Festakt zum 5. Mal der mit 15.000 Euro dotierte „Memminger Freiheitspreis 1525“ verliehen. Er ging an den renommierten Journalisten und Autor Heribert Prantl (68), der lange Jahre das Gesicht der Süddeutschen Zeitung prägte, für dessen Verdienste um die Pressefreiheit. Die Laudatio auf den Preisträger hielt Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Oberbürgermeister Manfred Schilder gab zunächst einen kurzen Überblick über die bisher in der „Stadt der Freiheitsrechte“ ausgezeichneten Preisträger. Die Entscheidung für Dr. Prantl war „einhellig“, betonte Schilder. Denn er gilt als „Anwalt der Grundrechte“ und des Qualitätsjournalismus, der durch die zunehmende Ausbreitung neuer Medien zunehmend unter Druck gerät.
Lammert würdigte Prantl als „zweifellos würdigen Preisträger“, denn er sei „engagierter Europäer, exzellenter Jurist und überzeugender Journalist“, was seine vielfältigen Auszeichnungen, zum Beispiel mit dem „Geschwister-Scholl-Preis“ oder der „Verdienstmedaille des Freistaats Bayern“ beweisen. Der gebürtige Nittenauer stehe für Sorgfalt, Ernsthaftigkeit und Sprachgewalt, mit der er wichtige Themen in die Öffentlichkeit vermittelt hat. Mit prägnanter Argumentation mache er klar: „Nicht Freiheit muss sich rechtfertigen, sondern ihre Einschränkung“.
Lammert würdigte auch Prantls Vertrauen in die Verfassungsgerichtsbarkeit, das größer sei als das Vertrauen in die Gesetzgeber. Mit hohem Respekt müsse man „in vorbehaltloser Bewunderung vor dem BVG“ erscheinen. „Ohne BVG wäre die Bundesrepublik Deutschland eine andere Republik“. Er erinnerte auch an Prantls Wort: „Man darf die Politik nicht irgendwelchen Rampensäuen überlassen.“ Und an seinen Spott an Leuten, die „nachher alles vorher schon gewusst haben“.
Der neue Preisträger stellte das Wort der Bauern von 1525 „das wir frey seyen vnd woellen seyn“ (drit artickel) an den Anfang seiner Dankesrede und sprach mit „diesem großen Wort“ die „lieben Memminger Europäerinnen und Europäer“ an. Sie erinnerte er an seine Großmutter Maria, die 14 Kinder zur Welt brachte und zwei Hobbys pflegte: Bibel zu lesen und Briefe zu schreiben. An ihrer Seite begann er als Kind selbst zu schreiben, stieg dann später immer weiter in kleine heimatliche Oberpfälzer Lokalblätter, bis ganz hinauf in die SZ-Chefredaktion auf.
Man müsse es immer wieder sagen: „Memmingen anno 1525, das bedeute erstmalige Niederschrift von Grund- und Menschenrechten. „Das ist sensationell, ist spektakulär.“ Die in der Kramerzunft zu Papier gebrachten Grundrechte, so Prantl, eröffnen eine historische Linie zur Paulskirchenversammlung von 1848, zur Weimarer Reichsverfassung von 1919 bis zum heutigen Grundgesetz von 1949. Die englische Magna Charta Libertatum (Große Urkunde der Freiheiten) von 1215 ließ er freilich völlig außer Acht.
Prantl schloss mit den Worten: „Der Preis erfüllt mich mit Freude und Stolz. Er ist eine große Ehre. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen“. Machtvoll chorale, Gänsehaut erregende Bläserklänge des Posaunenchors St. Martin unter Leitung von Rolf Spitz rundeten die festliche Feierstunde stilvoll ab.

 

Autor: Horst Hacker

 

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