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Laupheim - Die Große Kreisstadt nördlich von Biberach greift nach den Sternen: in einem Planetarium von überregionaler Bedeutung, mit einem Produzentenpreis, der mitunter Stars aus dem von einem Laupheimer(!) gegründeten Hollywood auf den roten Teppich lockt und einem Kinder- und Heimatfest, das für manche Sternstunde sorgt.

 

Oft sind es Saatkrähen, die Laupheim überregional Aufmerksamkeit verschaffen. Ihrer, die immer wieder mit Lärm und Kot für Ärger sorgen, Herr zu werden, gelingt der Stadt einfach nicht dauerhaft. Einmal im Jahr lenkt allerdings ein anderes Tier die Objektive zahlreicher Fotografen auf sich: ein Lamm. Am 12. Mai. hielt die Gewinnerin des diesjährigen Carl Lämmle Produzentenpreises Dr. Gabriela Sperl, das zierliche weiße Keramiktier in Händen. Seit 2017 wird der mit 40.000 Euro dotierte Produzentenpreis Filmschaffenden im Schloss Großlaupheim verliehen. Richtig glamourös ging‘s damals her, als Roland Emmerich über den roten Teppich schritt.
Weshalb Hollywood und Laupheim ganz schön viel miteinander zu tun haben, erhellt ein Blick in die Geschichte Laupheims. Ihr berühmtester Sohn Carl Lämmle gehört nämlich zu den erfolgreichsten Filmproduzenten seiner Zeit. Mit der Eröffnung der Universal City Studios auf einer Brache in der Gegend von Los Angeles begründete er 1915 die größte und wichtigste Filmmetropole der Welt: Hollywood.1867 als zehntes Kind von Rebekka und Julius Baruch Lämmle in Laupheim, der damals größten jüdischen Landgemeinde im Königreich Württemberg geboren, wanderte er 1884 nach Amerika aus. Wie im Laupheimer Museum zur Geschichte von Christen und Juden nachzuerleben ist, machte er dort Karriere und kehrte immer wieder in seine geliebte Heimatstadt zurück. 1939 starb er in Beverly Hills. Das Museum zur Geschichte von Christen und Juden dokumentiert sehr anschaulich das Zusammenleben der Menschen in Laupheim über drei Jahrhunderte, beginnend im 18. Jahrhundert, als vier jüdische Familien die damaligen Ortsherren um Aufnahme in Laupheim baten. Die Freiherren von Welden nahmen 1730 die Juden unter ihren Schutz und siedelten sie auf dem Judenberg an. Das 1998 eröffnete Museum thematisiert das Nebeneinander, Miteinander und schließlich das Gegeneinander der christlichen und der jüdischen Bürger. 1942 wurde die jüdische Gemeinde zerstört und erst Jahrzehnte nach dem Krieg konnten dank der Beharrlichkeit einiger Laupheimer Schritte der Aussöhnung begangen werden.
Die Hauptabteilung des Museums ist derzeit wegen Umbau geschlossen, geöffnet sind die Abteilungen zu Carl Lämmle, Friedrich Adler, Ivo Schaible und den Laupheimer Frauen.

 

112 Otto Marx

Dieses Jahr findet es endlich wieder statt, das Laupheimer Kinder und Heimatfest. Vom 29. Juni bis 4. Juli geht es hoch her in der Rottumstadt. Foto: Marx

 

Die verhinderte Olympiasiegerin
Die grausame Verfolgung im Nationalsozialismus kostete auch vielen Laupheimer Jüdinnen und Juden, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, das Leben. Gretel Bergmann, 1914 als Tochter einer jüdischen Fabrikantenfamilie in Laupheim geboren, überlebte. Sie war in den 1930er Jahren eine der besten deutschen Leichtathletinnen und hätte 1936 Olympiasiegerin im Hochsprung werden können, wäre sie nicht mit einer fadenscheinigen Begründung von den Olympischen Spielen in Berlin ausgeschlossen worden. Verbittert verließ sie 1937 Deutschland und emigrierte in die USA. Mehr als 60 Jahre nach ihrer Auswanderung kam Margret Lambert geb. Bergmann 1999 erstmals wieder nach Laupheim. Ihr zu Ehren wurde das Sportstadion umbenannt. In ihrer Autobiografie Ich war die große jüdische Hoffnung schreibt Margret Lambert: „Als wir gemeinsam das Schild ‚Gretel-Bergmann-Stadion’ enthüllten, bekam ich eine Gänsehaut. Es war so ironisch: 1933 hatten mich die Nazis von allen öffentlichen Orten verbannt, und jetzt trug einer dieser öffentlichen Orte für immer meinen Namen.“ Vier Jahre später besuchte sie noch einmal ihre Heimatstadt und zu ihrem 100. Geburtstag erhielt sie die Bürgermedaille der Stadt Laupheim verliehen. 2012 wurde sie in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. 2017 verstarb die Sportlerin in New York.
Stolz ist die Stadt auch auf ihren Fußballverein. Der FV Olympia Laupheim wurde 1904 als Fuß- und Faustballclub gegründet und ist mit rund 750 Mitgliedern und über 300 Sportlerinnen und Sportlern einer der traditionsreichsten Fußballvereine in Oberschwaben.

Der Wahlkrimi
Von 2018 an war Gerold Rechle Oberbürgermeister. Nach dessen Tod musste Laupheim ein neues Stadtoberhaupt wählen. Die Entscheidung der Stichwahl am Sonntag, 24. April, war extrem knapp, zwei Kandidaten lieferten sich während der Auszählung ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit 3.936 Stimmen konnte Ingo Bergmann die Wahl sehr knapp für sich entscheiden. Kevin Wiest erhielt nur sieben Stimmen weniger. Ob der 43-jährige SPDler Ingo Bergmann ab Ende Juni die Geschicke der Großen Kreisstadt leiten wird, hängt auch davon ab, ob sein Herausforderer, der Bürgermeister von Oberstadion, sich damit zufrieden gibt, dass das Regierungspräsidium seine Wahlanfechtung abschlägig und die knappe Wahl als rechtens beschieden hat. Er prüfe das noch mit seiner Anwältin, ließ Wiest vor Redaktionsschluss wissen.
Sie hat eine Gesamtfläche von insgesamt 6.180 Hektar und 22.391 Einwohner. Davon leben 15.918 in Laupheim, 2.131 in Baustetten, 858 in Bihlafingen, 1.413 in Obersulmetingen und 2.071 in Untersulmetingen.
Das Marktrecht besitzt Laupheim schon seit 1434, Feste und Märkte lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Nach coronabedingten zwei Jahren Zwangspause geht es im Juni wieder hoch her. Die Stadt putzt sich heraus und feiert fünf Tage lang das Kinder- und Heimatfest, eines der großen Traditionsfeste Süddeutschlands. In diesem Jahr beginnt das Kinder – und Heimatfest am Mittwoch, den 29. Juni. Unter dem Motto „Farbenfrohes Wechselspiel“ werden phantasievolle Umzüge stattfinden. Laupheimerinnen und Laupheimer treffen sich im „schönsten Biergarten Oberschwabens“, genießen das zünftige Lagerleben und den attraktiven Vergnügungspark.
Das 1990 neu gebaute Planetarium und die Sternwarte in Laupheim ermöglichen jährlich über 30.000 Besuchern den Blick ins All. Der Verein Volkssternwarte Laupheim e.V. wurde 1975 gegründet und hatte sich von Beginn an der astronomischen Bildungsarbeit verschrieben. Der Erweiterungsbau mit den Sternwarten kam 1997 dazu. 2012 wurde das Planetarium technisch überholt und zählt heute zu den modernsten Zeiss-Planetarien in dieser Größenklasse. Nun greifen die Laupheimer Hobby-Astronomen erneut nach den Sternen und planen die Erweiterung zum „Forum der Astronomie“. Was für eine Einrichtung dieser Größenordnung völlig ungewöhnlich ist: Hinter den Kulissen ziehen fast ausschließlich Ehrenamtliche die Fäden. Die rund 40 aktiven Mitglieder des Trägervereins vermitteln mit viel Engagement die Geheimnisse des Universums.

 

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Denkbar knapp: mit nur sieben Stimmen Vorsprung wurde Ingo Bergmann (oben) als neuer Oberbürgermeister gewählt. Sein Mitbewerber Kevin Wiest (unten) hat daraufhin die Wahl angefochten, das Regierungspräsidium bestätigte jedoch die Wahl als rechtens. Fotos: Stadtverwaltung

 

Der erste militärische Hubschrauber
Ein geschichtsträchtiger Ort ist auch der Laupheimer Militärflugplatz. Hier entwickelte und erprobte Professor Henrich Focke seinen Hubschrauber FA 223, den ersten militärischen Hubschrauber der Welt. Die Serienproduktion des Mehrzweck-Hubschaubers FA 223 E, die eigentlich ab 1941 im Werk von Focke-Achgelis in Hoykenkamp bei Delmenhorst erfolgen sollte, wurde nach einem dortigen Bombenangriff nach Laupheim verlegt.
Von einem seiner engsten Mitarbeiter, dem 1993 verstorbenen Laupheimer Ingenieur Friedrich Hartz, befinden sich noch Erprobungsmodelle verschiedener Faltrotoren im
Hubschraubermuseum zu Bückeburg. Der Laupheimer Flugplatz gilt als eine der Entwicklungsorte des Drehflüglers. Er ist bis heute Domizil von Hubschraubern der Bundeswehr. Auf dem Gelände des ehemaligen Luftwaffenflugplatzes wurde 1964 eine neue Anlage gebaut, der Stab Korps-Heeresfliegerkommandeur 2 wurde von Ulm nach Laupheim verlegt. 1971 wurde der Standort oberste Befehlsstelle der Heeresflieger in Süddeutschland. Die Heeresflieger aus Laupheim flogen bis Anfang der 1990er Jahre nur Einsätze innerhalb des NATO-Gebiets. Seither waren die in Laupheim stationierten Hubschrauber im Auftrag der UN, der NATO und der EU tätig: zuerst im Irak, dann auf dem Balkan und zuletzt in Afghanistan. 1994 erhielt das Mittlere Transporthubschrauberregiment 25 den Ehrennamen Oberschwaben. Im Rahmen der 2010 beschlossenen grundlegenden Bundeswehrreform wurde das Hubschraubergeschwader 64 (HSG 64) 2013 neu aufgestellt und der Standort Laupheim wechselte vom Heer zur Luftwaffe.

Die Politikerin
Seit 2021 ist die Laupheimer Erziehungswissenschaftlerin Anja Reinalter Bundestagsabgeordnete der Grünen für den Landkreis Biberach und eine von vier parlamentarischen Geschäftsführerinnen der Fraktion. Zudem ist Reinalter langjährige Gemeinde- und Kreisrätin Laupheim bringt eben nicht nur berühmte Söhne sondern auch erfolgreiche Töchter hervor.

 

Autorin: Andrea Reck

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