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Verallia erwägt Stellenabbau in Essen

Standort Bad Wurzach könnte gestärkt werden



Foto: Uli Gresser
Die Bad Wurzacher Glasfabrik aus der Vogelperspektive. Die Glasfabrik, entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg am Rande des Riedes, hat Gleisanschluss (rechts im Bild). Unser Archivbild stammt von 2003. Gemacht wurde das Luftbild von Uli Gresser.

Bad Wurzach (rei) – „Wenn Daimler hustet, hat das Land Grippe“ – was im Ländle gilt, gilt für Bad Wurzach in Bezug auf die Verallia, einst Oberland-Glas. Zwar hat die Glasfabrik nicht mehr jene dominierende Stellung wie nach dem Krieg, als sie mit Abstand größter Arbeitgeber der Stadt und Motor der örtlichen Wirtschaft war. Aber wenn Verallia hustet, dann hat das nach wie vor Auswirkungen auf die ganze Stadt. Spürbar im vergangenen Jahr, als an die 50 Stellen abgebaut wurden, wie man aus dem Umfeld der Belegschaft hörte. Nun keimt in Bad Wurzach Hoffnung auf, dass die angesichts einer Nachfrageflaute bei Glasprodukten, verschärft durch die Energiekrise, in die Defensive geratene Bad Wurzacher Produktionsstätte sogar gestärkt aus einem Umstrukturierungsprozess hervorgehen könnte. Denn das weltweit agierende Unternehmen erwägt die Schließung des Standortes Essen, einhergehend mit einer Produktionsverlagerung an die drei anderen deutschen Standorte, darunter Bad Wurzach.

In einer am Donnerstag, 18. Februar, von der Bildschirmzeitung “Der Wurzacher” veröffentlichten Pressemitteilung schreibt das Unternehmen: „Nach mehreren Jahren eines durchschnittlichen Mengenwachstums von rund 2 Prozent pro Jahr bis 2020 durchlief der europäische Markt für Glasverpackungen während der Covid-19-Pandemie mehrere Phasen der Abschwächung. Auf eine Erholung nach der Pandemie folgte 2023 ein deutlicher Volumenrückgang von 13 Prozent. Damit hat sich der Markt auf einem strukturell niedrigeren Niveau eingependelt – unterhalb des Vorkrisenstands von 2019.“ Die Verallia-Gruppe habe deshalb eine „strategische Überprüfung ihrer europäischen Standorte“ eingeleitet. In diesem Zusammenhang wurden „mehrere lokale Anpassungen geprüft”, unter anderem die mögliche Schließung eines Standorts in Deutschland; namentlich genannt wird der Standort Essen. „Essen“ sei  einer „spezifischen Analyse“ unterzogen worden mit dem Ergebnis, dass Produktionsvolumina möglicherweise nach Bad Wurzach, Neuburg und Wirges verlagert werden. Die Analyse des Standortes Essen „könnte potenziell zur Schließung des Standorts und zum Wegfall von rund 300 Arbeitsplätzen führen“, heißt es in der Pressemitteilung des französischen Konzerns (einst St. Gobain AG). „Der Wurzacher“ veröffentlicht die Pressemitteilung nachstehend ungekürzt:

Verallia prüft Anpassung ihrer industriellen Präsenz in Europa

• Die Verallia Gruppe hat eine strategische Überprüfung ihrer europäischen Standorte eingeleitet, um ihre industrielle Aufstellung an veränderte Nachfragebedingungen anzupassen.
• In diesem Zusammenhang werden mehrere lokale Anpassungen geprüft, unter anderem die mögliche Schließung eines Standorts in Deutschland (Essen).
• Die geplanten Schritte erfolgen im Rahmen einer langfristig ausgerichteten Nachhaltigkeitsstrategie, unterstützt durch eine konsequente und verantwortungsvolle Investitionspolitik. Verallia wird einen engen Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften führen.

Nach mehreren Jahren eines durchschnittlichen Mengenwachstums von rund 2 Prozent pro Jahr bis 2020 durchlief der europäische Markt für Glasverpackungen während der Covid-19-Pandemie mehrere Phasen der Abschwächung. Auf eine Erholung nach der Pandemie folgte 2023 ein deutlicher Volumenrückgang von 13 Prozent. Damit hat sich der Markt auf einem strukturell niedrigeren Niveau eingependelt – unterhalb des Vorkrisenstands von 2019.

Der Rückgang ist auf eine schwächere Nachfrage infolge eines sinkenden Alkoholkonsums in Europa (-4 Prozent seit 2019) zurückzuführen. Hinzu kommt ein zunehmender Druck auf bestimmte Exportströme der Kunden, insbesondere in die Vereinigten Staaten und nach Asien. Vor diesem Hintergrund und angesichts eines Portfolios mit starker Ausrichtung auf alkoholische Getränke hat Verallia eine strategische Überprüfung zur Anpassung der Produktionskapazitäten in Europa vorgenommen. Ziel ist es, die industrielle Präsenz von Verallia an die neuen Marktdynamiken auszurichten und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu stärken.

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Nur noch drei Standorte in Deutschland?

Die Produktionsnachfrage in Deutschland bleibt verhalten. Eine spürbare Erholung ist mittelfristig nicht absehbar. Die Überprüfung der industriellen Aufstellung Verallias zeigt, dass eine Bündelung der Produktion auf drei Standorte – begleitet von gezielten Investitionen in dieModernisierung energieeffizienterer Öfen – unter den veränderten Marktbedingungen die stärkste Konfiguration darstellt. Vor diesem Hintergrund wurde der Standort Essen einer spezifischen Analyse unterzogen. Diese könnte eine Verlagerung von Produktionsvolumina nach Bad Wurzach, Neuburg und Wirges umfassen. Die Maßnahme könnte potenziell zur Schließung des Standorts und zum Wegfall von rund 300 Arbeitsplätzen führen.

Im Rahmen der geplanten Maßnahmen stellt die Verallia Gruppe den sozialen Dialog in den Mittelpunkt ihres Vorgehens und wird eng mit den Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften zusammenarbeiten. Ziel ist es, die betroffenen Mitarbeitenden bestmöglich zu begleiten und zu unterstützen.

16 Milliarden Glasflaschen und -behälter

Als weltweit drittgrößter Hersteller von Glasverpackungen für Getränke und Lebensmittel bietet Verallia mehr als 10.000 Kunden innovative, maßgeschneiderte und umweltfreundliche Verpackungslösungen. Im Jahr 2024 produzierte Verallia über 16 Milliarden Glasflaschen und -behälter und erzielte einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro.

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