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Zwei Minister im Austausch mit der Kreishandwerkerschaft

Hoher Besuch bei der Schreinerei Wirth-Bucher



Foto: Erwin Linder
Besuch in einem modernen Handwerksbetrieb: Finanzminister Dr. Danyal Bayaz, Inhaber Michael Bucher, Bundestagsabgeordnete Dr. Anja Reinalter, Minister Manfred Lucha, Geschäftsführer Franz Moosherr (Kreishandwerkerschaft), Landtagsabgeordnete Petra Krebs (von links).

Bad Waldsee – Auf Einladung der Kreishandwerkerschaft machten die Minister Dr. Danyal Bayaz und Manfred Lucha am Dienstagvormittag (5.8.) Station bei der Schreinerei Wirth-Bucher, neuerdings ansässig im Gewerbegebiet Wasserstall in Bad Waldsee. Hier nahmen sich die Politiker – Bayaz ist Finanzminister, Lucha Gesundheitsminister – und die Handwerker zwei Stunden Zeit zum Austausch über den aktuellen Zustand im Kreishandwerk.

Am Dienstag, 5. August, vor der Schreinerei Wirth-Bucher im Gewerbegebiet Wasserstall. Versammelt haben sich (von links) Otto Birk (stellvertretender Handwerksmeister), Dr. Anja Reinalter (Bundestagsabgeordnete der Grünen), Martin Bloching (stellvertretender Kreishandwerksmeister), Michael Bucher (Kreishandwerksmeister und Inhaber des Bad Waldseer Betriebes), Landesminister Manfred Lucha, Franz Moosherr (Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft). Minister Dr. Danyal Bayaz und die Landtagsabgeordnete Petra Krebs (Die Grünen) stießen noch hinzu. Foto: Erwin Linder

Mit am Tisch saßen Petra Krebs MdL, Dr. Anja Reinalter MdB, Kathrin Fimpel aus dem Ministerbüro, Franz Moosherr, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ravensburg, Otto Birk und Martin Bloching, jeweils stellvertretende Kreishandwerksmeister und natürlich der Hausherr Michael Bucher als Kreishandwerksmeister.

Strahlender Sonnenschein und lauter strahlende Gesichter – so wünscht sich wohl jeder Minister seine Termine. Und dann noch obendrein ein Geschenk vom Kollegen Manne Lucha. Ein perfekter Start.

Gastgeber Michael Bucher hatte seine Firma bestens präpariert für den Ministerempfang. Im Eingangsbereich zwei große Brezeln, lecker belegt vom Bäcker Hepp. Im Obergeschoss eine lange Tafel, an der die Gesellschaft Platz fand. Der Tisch natürlich ein Meisterstück aus dem Hause Wirth-Bucher. Beste Schreinerarbeit, wie man sie sich zu Hause wünscht.

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Gegründet 1935

Michael Bucher nutzte die Gelegenheit, sein Unternehmen zu präsentieren. Von den Anfängen 1935 als Bau- und Möbelschreinerei durch Maximilian Wirth in Haisterkirch. In den 60er-Jahren spezialisierte sich Sohn Hans auf Fenster und Landhaustüren. 1998 übernahm Schwiegersohn Michael Bucher das Unternehmen und führte es mit dem Schwerpunkt Möbel, Innenausbau und Objekteinrichtungen 2024 in das neue Zuhause im Gewerbegebiet Wasserstall on Bad Waldsee und in die moderne Zeit.

Fertigung folgt digitalem Workflow

Digitalisierung wird auch im Handwerk großgeschrieben. Die komplette Fertigung folgt einem digitalen Workflow. Und bevor der Kunde sein Ok zur Herstellung gibt, kann er sein Möbelstück oder auch die komplette Inneneinrichtung seiner Wohnung in einer virtuellen Kamerafahrt am großen Bildschirm in der Schreinerei oder bei sich zu Hause anschauen.

Die Besucher aus der Politik zeigten sich von den Möglichkeiten beeindruckt. Der passende Schwenk zu aktuellen Problemen. „Hier bekommt man richtig Lust auf Design“, lobte Minister Bayaz Einrichtung und Präsentation. „Baden-Württemberg ist stark von der Industrie geprägt. Aber was uns stark machte, erweist sich jetzt als Bumerang“, sagte der Minister im Hinblick auf die schwächelnden „Big Player“. Man müsse der mittelständischen Basis mehr Aufmerksamkeit widmen. Hightech gebe es auch im Handwerk, das eine tragende Säule sei.

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Minister Danyal Bayaz (links) und Handwerksmeister Michael Bucher. Foto: Erwin Linder

Bucher betonte die Vielschichtigkeit des Handwerks. Bei den Schreinern liefe es im Moment ganz gut. Aber man lebe von der Nachfrage privater Haushalte. Und da kann man das Geld eben nur einmal ausgeben.

Bayaz ging auf die komplizierte Förderlandschaft ein und meinte, man müsse die Fördertöpfe nach Wirksamkeit und Beständigkeit ausbauen.

Sanierung als Treiber – Schwarzarbeit als Problem

Franz Moosherr nannte die energetische Sanierung der Gebäude einen Konjunktur-Motor. Aber am Bau würde grade etwas Ruhe einkehren, denn die großen Bauten fehlten. Das treibe den handwerksinternen Wettbewerb an, die großen Unternehmen würden jetzt mit den kleineren um die gleichen Aufträge konkurrieren. Außerdem litten die Handwerker unter den explodierenden Lohnnebenkosten viel mehr als zum Beispiel Industriebetriebe.

„Private Haushalte können sich einen Handwerker bald nicht mehr leisten.“ Wenn die Handwerker zu teuer wären, würde die Schwarzarbeit zunehmen. „Die Handwerker sind standortgebunden. Die können nicht einfach abwandern und woanders anfangen. In der Politik spielen die Handwerker einfach keine Rolle.“

Bei der Schwarzarbeit sei nicht der Einzelne, der am Samstag mal hier und da helfe, das Problem. Billigkolonnen aus dem Ausland, als Subunternehmer eingesetzt, wurden als den eigentlichen Schwerpunkt genannt. „Wer ehrlich arbeitet, muss sich mit jeder Menge Bürokratie auseiandersetzten. Das ersparen sich die schwarzen Schafe.“

Mit Blick auf die großen „Sondervermögen“, sprich gigantische Verschuldung, stellten Moosherr vor die Frage, ob man das alles überhaupt verbaut bekommt.

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Faktor Demografie

Die Kreishandwerkerschaft im Kreis Ravensburg vertritt die Gesamtinteressen von ca. 25.000 Beschäftigten. Da betrachtet man die demografische Entwicklung mit großer Sorge. Egal ob Bäcker, Metzger – 60 % der Betriebsinhaber gehen auf die Altersgrenze zu und finden keine Nachfolger. „Wer von Euch würde denn einen Betrieb führen wollen?“, ging die Frage an die drei am Tisch versammelten Azubis der Firma Wirth-Bucher. Vielleicht ein bisschen überraschend für einen gerade 17-Jährigen, aber so ganz von der Hand weisen wollten sie es nicht.

Überbordende Bürokratie

Moosherr berichtete von einem Metzgermeister. Ein leidenschaftlicher Handwerker in seinem Fach mit einem guten Ruf. Wenn der sich einen Tag in der Woche nur noch im Büro mit Computer-Systemen, Berichten, Dokumentationen und Ansprüchen der Berufsgenossenschaft auseinendersetzen muss, „hat der keine Lust mehr an seinem Betrieb“.

Minister Lucha ging darauf ein, dass es ein schmaler Grat sei, auf dem man zwischen den Schutzrechten der Arbeitnehmer und Kunden und dem Kostenfaktor bei den Unternehmen wandele. Hier sei eine vernünftige Verständigung dahingehend wichtig, worauf man verzichten könne und was notwendig sei. Weniger Regularien, dafür Faktoren des Gelingens, nannte es der Minister. Und er regte an, die am Gespräch Beteiligten sollten doch mal einen Warenkorb füllen, bei dem sie nur die Einkünfte eines Mindestlohns ausgeben dürften.

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Ohne Mitarbeiter aus anderen Ländern geht’s nicht

Ohne Mitarbeiter aus anderen Ländern anzuwerben, kommt das Handwerk nicht über die Runden. Berichtet wurde über ein erfolgreiches Projekt, bei dem 25 junge Menschen aus Vietnam erfolgreich im Malerhandwerk ausgebildet werden konnten. Sicher, es habe Abgänge gegeben, weil der eine oder andere weggezogen sei, aber insgesamt sei es eine Erfolgsgeschichte gewesen.

Fehlende Sprachkenntnisse in der Berufsschule

Die fehlenden Sprachkenntnisse sind die Barriere in der Berufsschule. Es ist für die Lehrkräfte enorm anstrengend, den Unterricht zu halten. Martin Bloching von der Kreishandwerkerschaft plädierte für eine Plattform, bei der die Azubis einen Tag gut betreut in Deutsch und Mathe unterrichtet werden. Der Tag solle bezahlt werden und ergänzend zur Berufsschule stattfinden. So würden die Azubis nach drei Jahren Ausbildung genügend Deutsch für ihren Beruf lernen.

Anja Reinalter verwies auf Austauschprogramme und berichtete, dass zum Beispiel in Ägypten Deutsch als Fremdsprache von sehr vielen erlernt würde. Gleichzeitig forderte sie, die Prüfungssituationen zu erleichtern, indem in jener Sprache geprüft werde, in der im Betrieb gesprochen würde. Bei einem Koch zum Beispiel in Englisch.

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Klinisch sauberen Werkshallen

Nach dem intensiven Gedankenaustausch ging’s dann in die „Werkstatt“ der Schreinerei. Wer jetzt Hobelbänke und Schreinerhandwerkszeug, Hobel- und Sägespäne erwartet hatte, war überrascht. In klinisch sauberen Werkshallen arbeiten hochmoderne, computergesteuerte Bearbeitungsszentren an komplexen Aufgaben. Du und dort standen noch einige frisch zusammengesetzte Möbelteile und unbearbeitete Holzplatten in der Werkstatt, so dass doch der Bezug zur Schreinerei hergestellt werden konnte. Die Gäste aus der Politik ließen sich von Schreinermeister Bucher gerne und ausführlich erklären, wie heute eine moderne Schreinerei aussieht.
Erwin Linder



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