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Ein Tag in Wangen

Wenn die Brüder einen Ausflug machen



Foto: Hans-Peter Waibel
Im Wangener Rathaus

Osterhofen / Wangen – Zentrales Anliegen der beiden marianischen Bruderschaften zu Osterhofen ist das Gebet für die verstorbenen Brüder. Aber auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz. So haben Mitglieder der Jüngeren Marianischen Bruderschaft einen Ausflug nach Wangen gemacht. Josef Fussenegger, Mitglied der Jüngeren Marianischen Bruderschaft und als historisch beschlagener Stadtführer ein profunder Wangen-Kenner, führte die Gruppe durch die Allgäustadt. Hier sein Bericht:

Josef Fussenegger am Kopfwäsche-Brunnen, dessen Protagonisten die Gesichtszüge von Altoberbürgermeister Dr. Jörg Leist und seiner Frau tragen. Der Brunnen steht an der Stadtmauer am Argen-Ufer vor dem ehemaligen Badstubengebäude. Die Brunnenplastik wurde 1993 von Gisela Steimle aus Bad Urach-Sirchingen geschaffen.

Die Jüngere Marianische Bruderschaft, 1718 in Osterhofen (bei Bad Waldsee) gegründet und seit jeher auf 63 Mitglieder begrenzt, besuchte im September die ehemalige Freie Reichsstadt Wangen im Allgäu. Als Mitglied der Bruderschaft begrüßte Josef Fussenegger 27 Mitbrüder im Hofgut Dürren vor den Toren der Stadt. Direkt an der Oberen Argen gelegen, beeindruckte der stattliche Gasthof mit großzügiger Hotelanlage die Besucher. Das Farny-Museum informierte in Bild und Wort über den früheren Besitzer und seine Frau. Als Guts- und Brauereibesitzer war Oskar Farny weit über das Allgäu hinaus ein einflussreicher Förderer der Land- und Forstwirtschaft und Gründer der Vereinigten Käsereien Dürren. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Minister für Bundesangelegenheiten in Bonn und die führenden deutschen Nachkriegspolitiker Adenauer, Heuss, Lübke und Kiesinger besuchten ihn in Dürren. Zur heutigen erfolgreichen Stiftung gehören unter anderem die größte Brauerei im Kreis Ravensburg und großer Waldbesitz am Hochgrat.

In Dürren am Farny-Brunnen; er trägt die Büsten von Elisabeth und Oskar Farny. Geschaffen von Joseph Michael Neustifter.

Nach einer Verkostung des Farnybiers ging es mit dem Bus weiter nach Wangen. Das Vorbereitungsteam mit Vorstand Franz Maucher und Christoph Mayer hatte für den Besuch etliche Highlights ausgesucht.

Das erste Ziel war die historische Badstube aus dem Jahr 1589, mustergültig restauriert und ein einmaliges Kleinod der Stadt. Der Bader war ein Handwerker und mit einer Schar von Knechten und Mägden zuständig für den Badebetrieb. Außerdem verstand er es, Zähne zu ziehen, zu schröpfen und zur Ader zu lassen, Beine zu schienen und Hautkrankheiten zu behandeln. Sogar das Haareschneiden und Rasieren gehörten zu seinen Aufgaben.

In der Badstube.

Dann war es Zeit zum Mittagessen in der „Blauen Traube“, dem Stammlokal der Wangener Bruderschaft zum guten Tod. Diese wurde 1859 gegründet und trifft sich jedes Jahr am Aschermittwoch abends um Sechse. Traditionell ist der Wirt Vorstand der Bruderschaft und so berichtete Franz Kresser, Inhaber der „Blauen Traube“, von über 400 Mitgliedern und den Gebräuchen in Wangen. Interessiert hörten die Brüder aus dem Haistergau zu und waren sich am Ende einig, dass die Zahl von 63 Brüdern doch überschaubarer und der religiöse Charakter bei ihnen deutlich ausgeprägter ist.

Am Brunnen „Die verdruckten Allgäuer“. Es heißt, der oberste der sechs übereinandergelegten Mannsbilder sei so „verdruckt” (in etwa: arglistig-raffiniert und maulfaul) wie der unterste. Ein Werk des niederbayerischen Künstlers Joseph Michael Neustifter. Die vorgehaltene Maske trägt die Gesichtszüge des früheren Landrates Dr. Guntram Blaser, der den Brunnen gestiftet hat.

Auf dem Weg zur St. Martinskirche erfuhren die Brüder Wissenswertes über das heutige Wangen und vor allem über seine Geschichte als Freie Reichsstadt von 1217 bis 1803. In dieser Zeit sind die prächtigen Tore, Bürger–und Wirtshäuser und vor allem viele schöne Plätze für Märkte und zum Feiern und Verweilen entstanden.

Die Stadtpfarrkirche St. Martin gilt als die Mutter aller Kirchen im Allgäu. Wo heute eine dreischiffige spätgotische Basilika mit ca. 500 Plätzen steht, begann um das Jahr 800 n. Chr. das kirchliche Leben in einer kleinen Holzkirche. Bei einer Kirchenführung erfuhren die Brüder, dass fast alle wichtigen Kunstepochen in St. Martin ihre Spuren hinterlassen haben. Sie alle fügen sich zu einem durchaus harmonischen Ganzen zusammen und wollen in der Sprache ihrer Zeit zu Gottesdienst, Stille und Gebet einladen. Dazu ließen sich auch die Brüder inspirieren und gedachten ihrer verstorbenen Mitbrüder. Auch die aktuellen Anliegen und Sorgen wurden ins Gebet mit eingeschlossen.

Den Abschluss bildete ein Besuch im Rathaus, 1721 um einen barocken Anbau mit prächtiger Fassade erweitert. Eine repräsentative Treppe führt den Besucher in einen eindrucksvollen Ratssaal. Da das Rathaus auch Gerichtssitz war, veranschaulichen fünf Gemälde aus dem Alten Testament und der Römerzeit bekannte Beispiele aus der Justizgeschichte. Für viele noch eine Steigerung ist der historische Ratssaal aus dem Jahr 1450 mit einem goldenen romanischen Vortragskreuz und der Wangener Stadtansicht von 1611 aus der Vogelperspektive.

Am Gegenbaur-Denkmal. Joseph Anton von Gegenbaur (geb. 1800 in Wangen, gest. 1876 in Rom) war ein in vor allem in Württemberg wirkender bedeutender Maler.

Das sperrig wirkende und erklärungsbedürftige Kunstwerk „Seelenmal” von Ubbo Enninga hinter der St.-Martins-Kirche wurde vom theologisch gebildeten ehemaligen Schuldekan Fussenegger erläutert. Gestiftet worden ist es vom ehemaligen Hymer-Geschäftsführer Fritz Lang (Hymer-Leichtmetallbau GmbH & Co. KG in Käferhofen, spezialisiert auf den Bau von Leitern). Das Kunstwerk, das das Leiter-Motiv in tiefschürfender Weise behandelt, ist im oberen Bild rechts hinten erkennbar.

Nach einem ereignisreichen Tag mit vielen Eindrücken und Informationen wurde an der Stadtmauer nochmals auf die großartige Gemeinschaft der Brüder angestoßen und dann ging es zurück in den Haistergau.

Die Ausflügler vor dem Wangener Rathaus.

Text: Josef Fussenegger
Fotos: Johannes Reile und Hans-Peter Waibel

Weitere Bilder in der Galerie

Anmerkung d. DBSZ-Red.: Die Ältere Marianische Bruderschaft zu Osterhofen wurde 1702 – 16 Jahre vor der „Jüngeren” – gegründet. Auch sie zählt 63 Mitglieder. Während sich die „Jüngere” alljährlich am Donnerstag nach Mariä Empfängnis zu ihrem Bruderschaftstag trifft (heuer am 11. Dezember, 9.00 Uhr), hält die „Ältere” ihren Bruderschaftstag stets am Donnerstag vor Aschermittwoch ab (das nächste Mal am 12. Februar 2026). Beide Vereinigungen sind voller Freude darüber, dass „ihre” Kapelle nach siebenjähriger Schließung jetzt frisch renoviert und für die Bruderschaftsmessen wieder verfügbar ist. (rei)



BILDERGALERIE

Fotos: Johannes Reile, Hans-Peter Waibel

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