Warnstreik bei Carthago in Aulendorf
Aulendorf / Friedrichshafen – Nach der ohne Ergebnis zu Ende gegangenen zweiten Tarifverhandlung in der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie hatte die IG Metall Friedrichshafen–Oberschwaben zu ersten Warnstreiks in der Region aufgerufen. Am Freitag, 19. Dezember, beteiligten sich bei der Firma Carthago in Aulendorf laut IG Metall rund 300 Beschäftigte an einer Protestaktion. Sie beendeten die Arbeit mit Blick auf die laufende Tarifauseinandersetzung zwei Stunden vor Feierabend. Gewerkschaftssekretär Nico Bucher hatte zuvor eine Ansprache gehalten. In der Pressemitteilung der IG Metall Friedrichshafen–Oberschwaben heißt es: „Ohne ein verhandlungsfähiges Angebot wird es keine Ruhe in dieser Tarifrunde geben.” Nachstehend die Mitteilung der Gewerkschaft im vollen Wortlaut:
Die zweite Tarifverhandlung fand am 10. Dezember statt und endete ohne Ergebnis. Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber legten trotz vorheriger Ankündigungen kein konkretes Angebot vor und machten damit deutlich, dass sie derzeit nicht ernsthaft an einer Lösung im Tarifkonflikt interessiert sind. Stattdessen wurde der Verhandlungskommission der IG Metall in Aussicht gestellt, dass ein neuer Entgelttarifvertrag eine Laufzeit von 29 Monaten bis April 2028 haben solle. Zudem wollen die Arbeitgeber keine prozentuale Entgelterhöhung im Jahr 2026 zugestehen und tarifliche Leistungen an Differenzierungen knüpfen.
„Die Arbeitgeber haben im Vorfeld großspurig ein Angebot angekündigt – und dann blieb davon nichts übrig. Am Ende ging es ausschließlich um eine extrem lange Laufzeit, völlig ohne finanzielle Untermauerung. Das ist kein Angebot, das ist ein Ausweichen vor Verantwortung“, erklärt Frederic Striegler, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Friedrichshafen–Oberschwaben. „Wer so auftritt, nimmt Reallohnverluste der Beschäftigten bewusst in Kauf und viel schlimmer er nimmt völliges Unverständnis seiner Beschäftigten ebenso in Kauf.“
Die IG Metall hat in der Friedenspflicht ernsthaft versucht, zu einer Lösung zu kommen. Die zweite Verhandlungsrunde habe jedoch deutlich gemacht, dass ohne zusätzlichen Druck keine Bewegung auf Arbeitgeberseite zu erwarten sei.
„Wenn wir die wirtschaftliche Entwicklung stabilisieren wollen, braucht es eine Stärkung des privaten Konsums. Das gelingt nur mit fairen Entgelterhöhungen. Unsere Beschäftigten haben wirklich kein Verständnis für diese Taktiererei und sind sauer. Deswegen steht das Werk heute still“, so Norbert Gallasch, Betriebsrat und Mitglied der Tarifkommission.
Mit dem Warnstreik bei Carthago in Aulendorf setzt die IG Metall Friedrichshafen–Oberschwaben ein klares Signal. Weitere Warnstreikmaßnahmen in der Region werden vorbereitet.
Forderung der IG Metall
Die IG Metall fordert eine Entgelterhöhung von 5 % bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Zusätzlich verlangt die Gewerkschaft eine überproportionale Erhöhung der Auszubildendenvergütungen, da die aktuellen Vergütungen im Vergleich zu den meisten anderen Branchen nicht mehr Schritt halten können.
Carthago in Aulendorf
Carthago ist ein führender Hersteller von Premium-Reisemobilen mit Sitz in Aulendorf. Das Unternehmen entwickelt und produziert hochwertige integrierte und teilintegrierte Wohnmobile sowie Camper Vans. Am Standort „Carthago City“ sind Fertigung, Service, Ersatzteillogistik und eine große Ausstellungshalle vereint. Carthago gehört zu den bedeutendsten Reisemobilherstellern Europas und steht für Qualität, Innovation und Komfort.








