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Noch bis 2. Februar

Tipp: Krippenaustellung in Oberstadion



Foto: Herbert Eichhorn
Ein Mandolinenspieler aus Neapel: Neben Speis und Trank gehört auch Musik zum Besuch bei der Krippe.

Oberstadion – Für die hartnäckigen Fans, denen nicht ausreicht, was derzeit in den Kirchen im Allgäu und in Oberschwaben so alles an Krippen aufgebaut ist, gibt es in der Region einige bedeutende Krippenmuseen, so in Oberstadion, Mindelheim und Bad Wörishofen. Eine reizvolle Sonderschau zeigt jetzt Oberstadion..

Neapolitanische Krippe: ein Höhepunkt der Dauerausstellung. Foto: Herbert Eichhorn

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Eine der größten Krippenausstellungen Deutschlands

Auch wenn man schon öfters im Krippenmuseum in Oberstadion war, ist man doch immer wieder beeindruckt von dem, was die Gemeinde unter dem damaligen Bürgermeister Manfred Weber vor knapp 20 Jahren da auf die Beine gestellt hat. Rund 1,6 Millionen an Fördermitteln und Sponsorengeldern wurden damals zusammengebracht. Mit diesen wurde die denkmalgeschützte historische Pfarrscheuer aus dem Jahr 1612 saniert und eine der größten Krippenausstellungen Deutschlands eingerichtet. Auf 600 Quadratmetern sind dort nun in der Dauerpräsentation ausladende, panoramaartige Krippen zu sehen, geschaffen von den wichtigsten Krippenkünstlern aus Deutschland, Österreich und Italien. Die Gebrüder Tobias und Herbert Haseidl aus Oberammergau sind dort zum Beispiel ebenso mit großen Krippen vertreten wie die berühmte Familie Tripi aus Palermo.

Ein solches Großprojekt zog natürlich von Anfang an krippenbegeisterte Besucher an – und selbstverständlich auch passionierte Krippensammler, so wohl auch das Sammlerehepaar Udo und Sieglinde Hergesell aus Arnsberg im Sauerland. Die Hergesells hatten über die Jahre eine riesige Sammlung von Weihnachtskrippen aus unterschiedlichen Zeiten und Weltregionen zusammengetragen. 14 Jahre lang konzipierte das Ehepaar nun für Oberstadion jedes Jahr über die Weihnachtszeit liebevoll eine neue thematische Sonderausstellung, die es aus den eigenen Beständen bestücken konnte.

Eine Krippe aus Mali: Hier wurden Getränkedosen recykelt. Foto: Herbert Eichhorn

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Wohin mit 2300 Krippen?

Schließlich boten die Sammler, die sich aus Altergründen von ihren rund 2300 Krippen trennen wollten, der Gemeinde Oberstadion sogar an, ihr alles als Schenkung zu überlassen. Die Kommune fühlte sich zwar geehrt und in ihrem Engagement bestätigt, gleichzeitig aber auch überfordert. Es galt schließlich die – in Hunderten von Umzugskisten verstauten – Krippen in klimatisch geeigneten Räumen zu lagern und auch professionell zu betreuen. Aus dem Dilemma half schließlich der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Vorderholzer, offensichtlich auch ein Krippenfreund, der ebenfalls ein Krippenmuseum plant. Das Ergebnis war, dass die Hergesell-Sammlung schließlich an die Diözese Regensburg ging. Das Krippenmuseum Oberstadion und der derzeitige Bürgermeister Kevin Wiest schlossen mit den Regensburgern allerdings einen Kooperationsvertrag. Wie früher die Sammler aus dem Sauerland werden künftig die Kunstsammlungen des Bistums alle Jahre wieder eine Sonderausstellung konzipieren und ins Oberschwäbische schicken. Die getroffene Vereinbarung sieht schwer nach einer Win-win-Situation für alle Beteiligten aus.

Eine Krippe aus Bolivien: Hier hat sich vor dem Stall von Bethlehem schon ziemlich viel an Gaben angesammelt. Foto: Herbert Eichhorn

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Speis und Trank an der Krippe

Für dieses Jahr hat sich das Regensburger Museumsteam die Ausstellung „Und sie brachten ihm ihre Gaben. Speis und Trank an der Krippe“ ausgedacht. Es geht also in der Sonderschau vorrangig darum zu zeigen, was in den Krippen aus aller Welt an Lebensmitteln und Getränken zum Stall von Bethlehem gebracht wird. Auch in den Krippen unserer Region sieht man manchmal solche Mitbringsel: ein paar Äpfel, ein Brot oder ein Lämmchen, das die Hirten mitbringen. In den Krippen aus Südfrankreich, aus Thailand und vor allem aus Südamerika, die in Oberstadion zu sehen sind, geht es allerdings um einiges großzügiger zu.

Diese Krippe aus Südfrankreich ist in einer Kiste verborgen. Foto: Herbert Eichhorn

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Die Krippe in der Kiste

Ein besonderer Blickfang in der Ausstellung ist eine Weihnachtskrippe, die Marcel Carbonel aus Marseille geschaffen hat und die in einer Holzkiste verborgen ist. Rund 150 nur wenige Zentimeter große Figuren drängen da zum Stall von Bethlehem. Übervolle Körbe mit Obst und Gemüse sowie kleine Fässer werden herangeschleppt. Die ungewöhnliche Form der Krippe in einer Kiste hat übrigens historische Ursachen. In der Französischen Revolution wurden die Weihnachtskrippen in den Kirchen verboten. Das ließen sich die Provenzalen nicht gefallen. Für zuhause formten sie daher kleine Krippenfiguren aus Brotteig, sogenannte Santons, die sie farbenfroh bemalten, und verbargen ihre Krippen in solchen Kisten.

Südamerika

Auch in Bolivien lassen sich die Besucher an der Krippe offensichtlich nicht lumpen. Vor der Krippe mit Tonfiguren, die zwei Kunsthandwerkerinnen aus Cochabamba geschaffen haben, wird es richtig eng zwischen den großen Körben mit Broten, verschiedenen Früchten und Getreidesorten oder auch Fischen. Noch etwas exotischer sind die Gaben, die in einer Krippe aus Peru mitgebracht werden. Der Krippenkünstler Christobal Mamani hat seine Figuren als Shipibo-Indianer ausstaffiert, einer indigenen Gruppe, die im Amazonasgebiet lebt. Erkennbar sind sie an dem typischen Zickzackmuster ihrer Gewänder. Außer Kakaobohnen und Bananen bringen sie unter anderem auch einen Puma und eine Schildkröte zur Krippe.

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Eine Krippe aus Peru: Ungewöhnliches bringen die Besucher vom Shipibo-Stamm mit. Foto: Herbert Eichhorn

Ein rauschendes Fest

Was einem außerdem in den Krippen aus Frankreich und Lateinamerika auffällt, ist, dass dort überall auch Musikanten zur Heiligen Familie drängen: Manchmal sind es nur vereinzelte Musiker, die sich unter die Besucher vor dem Stall mischen. Manchmal tritt aber auch eine ganze Band auf. In einer Krippe aus Peru, die in einen kleinen Kürbis eingebaut wurde, drängelt sich in der einen Hälfte die Heilige Familie mit den Heiligen Drei Königen, während in der anderen Hälfte munter Musik gemacht wird. Wenn man durch die neue Sonderausstellung geht, wird einem schnell klar, dass das Geschehen an der Krippe in den verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich gesehen wird. Anders als in unserer eigenen Tradition wird dort nicht so sehr die ärmliche Situation im Stall betont, in die der Menschensohn hineingeboren wird. Aus seiner Ankunft wird vielmehr ein rauschendes Fest mit Musik und einer Überfülle an Speisen und Getränken.

Eine Krippe aus Peru: In dem kleinen Kürbis findet neben der Heiligen Familie und den drei Königen noch eine ganze Musikkapelle Platz. Foto: Herbert Eichhorn

Der Dichter von „Ihr Kinderlein, kommet“

Insofern passt sogar die andere Sonderausstellung, die das Krippenmuseum in dieser Saison zeigt. Dort werden Bierkrüge aus zwei Privatsammlungen präsentiert. Als Mitbringsel kann man an der Museumstheke sogar ein im Ortsteil Moosbeuren eigens gebrautes Krippenmuseumsbier erwerben. Etwas näher am Thema Weihnachten dran ist dann allerdings die Christoph-von-Schmid- Gedenkstätte gleich einige Schritte weiter. Schmid, der von 1816 bis 1827 Pfarrer in Oberstadion war, gilt als der bedeutendste Jugendbuchautor seiner Zeit. Sein heute berühmtestes Werk ist aber sicher das Weihnachtslied „Ihr Kinderlein, kommet“. Auf welcher seiner vielen Stationen als Pfarrer das Lied letztlich entstand, ist bis heute umstritten. Aber Oberstadion besitzt ansprechend gemachte Gedenkräume im historischen Rathaus, die sonntags von 15 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt oder auch im Rahmen von Führungen besucht werden können.

Nebenan eine der prächtigsten Kirchen Oberschwabens

Und wenn man schon im schön sanierten Dorfkern unterwegs ist, dann sollte man unbedingt auch die Kirche St. Martin besuchen, eine der prächtigsten Kirchen Oberschwabens. Prächtige Kirchen in Oberschwaben? Da denkt man natürlich zuallererst an die Sakralbauten aus Barock und Rokoko, an Steinhausen oder Weingarten zum Beispiel. Die Kirche, die die Herren von Stadion dem Dorf spendierten, stammt dagegen aus der Zeit der Gotik. Für ihre Ausstattung war den stolzen Grafen das Beste gerade gut genug. Und das bestellten sie im nahen Ulm, damals Weltmarktführer in Sachen Sakralkunst. Daher findet der Besucher in der Kirche bis heute – auf viele Altäre verteilt – großartige Hauptwerke der Ulmer Schule der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Ein Abstecher nach Oberstadion lohnt sich also das ganze Jahr. Jetzt, wo im Krippenmuseum neben der attraktiven Dauerpräsentation noch eine interessante Sonderausstellung zu sehen ist, natürlich besonders.
Herbert Eichhorn

In der Bildergalerie weitere Impressionen aus der aktuellen Sonderausstellung des Krippenmuseums (Fotos: Herbert Eichhorn).

Ausstellung „Und sie brachten ihm ihre Gaben. Speis und Trank an der Krippe“

Bis 2. Februar 2026
Krippenmuseum Oberstadion
Kirchplatz 5/1
Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 17.00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag 11.00 bis 17.00 Uhr
Heiligabend geschlossen

Informationen unter https://www.krippen-museum.de

Kontakt und Führungen: kulturbuero@oberstadion.de oder 0152-24842830



BILDERGALERIE

Fotos: Herbert Eichhorn

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