Kandidierende zur Landessynode stellten sich vor
Ravensburg – Die Evangelische Landeskirche Württemberg ruft am 1. Advent zur Wahl der Kirchengemeinderäte und Landessynodalen auf. Während die Kandidierenden für die Ratsgremien in vielen Orten den Wählern schon bekannt sind, müssen die Männer und Frauen, die gerne in der Landessynode in Stuttgart mitarbeiten möchten, sich oft erst einmal bekannt machen. Vor allem dann, wenn sie zum ersten Mal antreten. Das heißt, dass sie im Wahlkreis10, Biberach-Ravensburg, weite Wege zum Wahlvolk vor sich haben, zählen doch die Dekanate Biberach und Ravensburg zu den flächenmäßig größten in der Landeskirche.

Gesprächsrunde im Matthäusgemeindehaus Ravensburg. Von links: Dr. Matthias Schönwald, Matthias Pfizenmaier, Pfarrer Philipp Jägle, Rebekka Eyrich, Moderatorin Inka Roddewig, Isabelle Nägele, Pfarrer Dr. Thomas Thiel, Eva Militz und David Dietrich. Nicht im Bild Kandidat Pfarrer Felix Weise. Foto: Barbara Waldvogel
Angesicht der Listen der vier Gesprächskreise hat das Kirchenvolk eine echte Wahl. So kandidieren im Wahlkreis 10 insgesamt 9 Personen für 4 Plätze in der Landessynode, dem Kirchenparlament. Dabei können drei sogenannte Laien und ein Pfarrer gewählt werden. Der Wähler hat insgesamt 4 Stimmen, drei für einen Laien, 1 für einen Theologen. Bei den Laien kann man kumulieren, also anhäufen, und zwar von den 3 Stimmen 2 einer Person geben. Die restliche Stimme kann dann einem weiteren Laien-Kandidaten gegeben werden.
Die Kandidierenden im Wahlkreis 10 haben sich am Mittwoch, 5. November, in Ravensburg im Matthäusgemeindehaus vorgestellt. Innerhalb von vier Minuten galt es, Biografisches und Perspektivisches für die Arbeit in der Synode darzulegen. Moderatorin Inka Roddewig, Geschäftsführerin des Evangelischen Bildungswerkes Oberschwaben (EBO), wachte dabei sorgfältig über einer Gleichbehandlung der Kandidaten. So einigte man sich auf eine alphabetische Reihenfolge:
Die Kandidierenden
Rebekka Eyrich, 40, Wain, Redakteurin Tageszeitung, Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde.“ Schwerpunkt ist für sie die frohe Botschaft der Kirche. Ihr Wunsch: „Kirche soll ein Ort sein, wo sich alle zuhausefühlen können.“
David Dietrich, 28, Stuttgart/Ravensburg, Ingenieur Maschinenbau, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Stuttgart, Gesprächskreis „Kirche für Morgen“. Er möchte das Ehrenamt stärken und mehr junge Menschen für die Kirche gewinnen, etwa durch die Begegnung mit einer modernen, jungen Form von Kirche, wie er sie auf den Konfi-Camps erlebt. Sein theologischer Mitbewerber, Pfarrer Felix Weise, war an dem Abend leider verhindert.
Philipp Jägle, 46, Ravensburg, Pfarrer an der Stadtkirche und Jugendpfarrer, Gesprächskreis „Evangelium und Kirche“. Er war bereits Mitglied der Synode. Sein Herzensanliegen ist es, die große Vielfalt in der Kirche zu erhalten. Außerdem geht es ihm um einen sachlichen, verbindenden Ton im Kirchenparlament, auch in stürmischen Zeiten.
Eva Militz, 66, Bad Waldsee, Integrationsbeauftragte i. R. im Landkreis Ravensburg, 2. EBO-Vorsitzende, Gesprächskreis „Offene Kirche“. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem der interreligiöse Dialog, Bildungsarbeit und Mitgestaltung der Zivilgesellschaft.
Isabelle Nägele 44, Laupheim, Sozial- und Religionspädagogin, Gesprächskreis „Offene Kirche“. Sie möchte eine Kirche, die lösungsorientiert arbeitet und sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz einsetzt.
Matthias Pfizenmaier, 56, Ravensburg, Arzt und Prädikant, Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“. Er würde gerne die Gemeinden vor Ort stärken und ihnen mehr Autonomie geben.
Dr. Matthias Schönwald, 59, Leiter Gymnasium Aulendorf, Gesprächskreis „Evangelium und Kirche“. Kirche sollte seiner Meinung nach dialogbereit und politisch sein – aber nicht parteipolitisch. Außerdem ist ihm die Ökumene sehr wichtig.
Dr. Thomas Thiel, 61, Ravensburg-Weißenau, Pfarrer, Trauma-Seelsorger, Gesprächskreis „Offene Kirche“. Für ihn ist vorrangig eine Kirche, die Menschen in allen Lebenslagen begleitet.
Nach der Vorstellungsrunde (Kandidat Pfarrer Felix Weise, „Kirche für Morgen“ war nicht anwesend) mit kurzen Blitzlichtern in die Zukunft, stellte Inka Roddewig unter anderem die Frage „Was soll eigentlich bleiben, wie es ist?“ Philipp Jägle etwa musste bei dieser Frage nicht lange überlegen: Kirche soll Volkskirche bleiben und nicht zur Spartenkirche werden. Sie soll eine diakonische Kirche sein und ihren Auftrag der Verkündigung wahrnehmen können, waren weitere Wortmeldungen.
Kritisches Thema: die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare
Ein kritisches Thema wurde dann aus den Reihen der Zuhörer angesprochen: die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare. Kandidatin Eyrich äußerte Zweifel, ob das Kirchen-Gesetz tatsächlich sorgfältig genug vorbereitet worden sei, worauf Pfarrer Jägle die jahrelangen Beratungen in vielen Sitzungen hervorhob. In der Herbsttagung der Landessynode verfehlte es dennoch knapp die nötige Zweidrittelmehrheit.
Insgesamt war der Austausch unter den verschiedenen Gesprächskreisen aber von gegenseitigem Respekt und Verständnis geprägt und von der Zuversicht, auch trotz zurückgehender Finanzen und harter Spardebatten Kirche dank innovativer Ideen als Ort der Hoffnung und Gemeinschaft zu erhalten.
Weitere Veranstaltungen mit den Kandidaten
Weitere Veranstaltungen mit den Kandidaten sind am Montag, 17. November, 19.00 Uhr, Martin-Luther-Gemeindehaus, Biberach, und am Dienstag, 18. November, 19.00 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus, Scheffelstraße 15, Friedrichshafen.






