Einmal dabei sein: Als Treiber in einer Drückjagd
Steinhausen a. d. Rottum – Unser Reporter Hans Reichert hat bei einer Treibjagd mitgemacht. Als Treiber, nicht als Jäger. Die Drückjagd, wie die hier beschriebene Form der Jagd fachmännisch heißt, fand am 11. November im Jagdbogen Laubach statt, zwischen Hirschbronn und Steinhausen an der Rottum. Hier sein Bericht:

Revierleiterin Ute Baron begrüßt die Jagdgäste und gibt Erläuterungen.

Jäger und Treiber hören den Anweisungen aufmerksam zu. Alle werden, wenn es losgeht, orangefarbene Sicherheitskleidung tragen.

Die Jagdhunde Nelly und Aurora sind voller Erwartung auf das Treiben.

Jagdherrin Ute Baron bei der Einweisung.

Mit geschultertem Gewehr.
Als ich zur Mittagszeit die Waldhütte im Oberwald des Reviers Laubach erreicht habe, fühlte ich mich als Teil eines besonderen Geschehens. Revierleiterin und Jagdherrin Ute Baron begrüßte rund 40 Schützen und 13 Treiber, die die Aufgabe haben, das Wild aufzustöbern. Alle Sicherheitshinweise waren wichtig, warn-rote Kleidung für jeden Teilnehmer – Schützen genauso wie Treibern – und der Hinweis, nur bleifreie Munition zu verwenden. Die Schützen sollten auf ihr Schussfeld achten und den Kugelfang im Blick haben (der Boden hinter dem Ziel; Schüsse in einen Luftraum ohne Kugelfang dahinter sind verboten; Anm. d. DBSZ-Red.). Für mich war beeindruckend, wie organisiert und straff und im Ergebnis sicher alles ablief – von der Kontrolle des Jagscheins bis zur Ansage: „Kein Alkohol!“ Auch, wie die Hunde einzusetzen seien.
Das Treiben führte uns durch abwechslungsreiches Gelände: dichter Naturwald mit üppiger Naturverjüngung, feuchte Senken und viele Spuren des Bibers, der hier seinen Lebensraum, ja sein Paradies gefunden hat. Besonders beeindruckend ist ein etwa zweihundert Meter breiter Streifen entlang der Laubach, der vollständig der Natur und dem Biber überlassen ist. Der kleine Bach zieht sich durch den Wald, später fließt er in die Rottum, kurz vor Ochsenhausen. In diesem Bereich hat die Laubach fast schon die Breite und Nässe eines Sumpfgebiets erreicht – alles feucht, umgestaltet durch die fleißige Tätigkeit der Biber. So wird das Wasser im Wald gehalten und das ist aktiver Hochwasserschutz für die Stadt Ochsenhausen.
Die Frage steht im Raum: Wenn hier Naturverjüngung so gut funktioniert und der Wald weitgehend sich selbst überlassen wird, warum ist dann noch eine Beförsterung nötig? Die Natur scheint bestens in der Lage, ihre eigenen Kreisläufe zu steuern. Das Wasser im Wald halten ist ein krasser Gegensatz zu früher, als zahllose Gräben das Wasser möglichst schnell abzuleiten hatten. Diese Veränderung zeigt, wie sehr sich unser Umweltverständnis gewandelt hat.
Nachdenklich stimmt mich der organisatorische Aufwand: Rund 40 Schützen, davon viele mithelfende Jäger, waren an diesem Nachmittag im Einsatz – für eine Drückjagd mit einer Wildstrecke von nur fünf Rehen. Die Wildstrecke war den engagierten privaten Jägern überlassen, die mit Begeisterung und Einsatz dabei waren.
Vorbildlich organisiert
Der Ablauf der Jagd war vorbildlich organisiert. Die Jägerstände sind durchnummeriert, jeder Jäger muss eine Standkarte ausfüllen, auch wenn er gar nicht zum Schuss kam. Nach 16.30 Uhr durfte keiner mehr schießen. Ab da waren natürlich auch die Treiber außer Dienst. Schützen und Treiber und Hundeführer haben gut aufeinander geachtet, nichts ist passiert.
Die Nachsuche
Für die Nachsuche auf angeschossene Tiere waren drei ausgebildete Schweißhunde bereit. Eine Nachsuche war nötig, aber nach zweieinhalb Kilometern entschied der Hundeführer aufzuhören. Vermutlich war es nur ein Streifschuss, denn es waren fast keine Blutspuren zu finden.
Aufbruch in der Kühlkammer
Am Ende lag eine kleine, aber würdige Wildstrecke auf – fünf Rehe. Aus hygienischen Gründen sind sie nicht im Wald vor Ort aufgebrochen worden, sondern in der gekühlten Wildkammer in Ochsenhausen. Auch hier wird Statistik geführt: die Gewichtsangaben werden dokumentiert. Gewogen wird ohne Kopf und Hufe, und das Reh in der Decke.
„Eine ökologische Notwendigkeit“
Wildbesatz ist umstritten. Der Schutz des Aufwuchses macht eine Bestandsregulierung nötig. Jagd soll im Einklang mit dem Lebensraum stehen und nicht nur der Anzahl der erlegten Tiere dienen. Revierleiterin Ute Baron fasst die Ethik der Jagd so zusammen: „Die Jagd ist eine ökologische Notwendigkeit und somit ein Dienst an der Umwelt und der Allgemeinheit. Wir können die Wildbestände nicht sich selbst überlassen. Jäger sind keine Feinde des Wilds, sondern sie sorgen dafür, dass sich der Wald regenerieren kann und das Wild gesund bleibt. So erhalten wir ein stabiles Ökosystem für den Wald, die Tiere und für die nachfolgende Generationen.“
Soldaten und Jäger grenzten ihre Gebiete ab
Am Vormittag des 11. Novembers, auf dessen Nachmittag die Jagd angesetzt war, hatte es noch große Aufregung gegeben. Denn justament im Gebiet Laubach sollte es eine Bundeswehrübung geben. Zusammen mit dem Hauptmann hat dann Revierleiterin Ute Baron das Waldgebiet der Drückjagd abgegrenzt, so dass ausgeschlossen war, „dass sich dort Camouflage-Soldaten herumdrücken“ und durch die Jagd gefährdet würden.

Wieder am Sammelplatz.

Der Lohn für den Hund: einmal ausdauernd riechen.

Ein Bruch für die fünf erfolgreichen Schützen (Bruch = Ehrenzweig). Neben Ute Baron steht Felix Groß, der Leiter des Forstbezirks Oberland (ForstBW).

Es soll möglichst schnell gehen zur Wildkammer nach Ochsenhausen, wo der Aufbruch stattfindet.

Abends in Steinhausen an der Rottum wartet im Gasthaus der „Treiberkessel”.
Text und Fotos: Hans Reichert










