Dann fehlt die regionale Bündelung
Zur Diskussion um das Aus für das Biosphärengebiet Oberschwaben, insbesondere zur Stellungnahme des Landtagsabgeordneten Raimund Haser (der nachstehend veröffentlichte Leserbrief hierzu von Dieter Giehmann ging bei der Bildschirmzeitung am 14. November um 16.15 Uhr ein)
Das Ende des Biosphärenprozesses als reine Ablehnung einer „Organisationsform“ darzustellen, wie es MdL Raimund Haser formuliert, greift zu kurz. Die Region verliert mit der Entscheidung nicht nur eine Verwaltungsstruktur, sondern ein Entwicklungsinstrument, das weltweit für seine Wirksamkeit bekannt ist: bessere Förderzugänge, eine starke Marke, internationale Partnerschaften, professionelles Gebietsmanagement, wissenschaftliche Begleitung und ein verbindendes Leitbild für Natur, Landwirtschaft, Tourismus und Bildung.
Gerade Oberschwaben steht vor erheblichen Herausforderungen – Moorrenaturierung, Klimaanpassung, Fachkräftesicherung, touristische Neuaufstellung, nachhaltige Landwirtschaft. Genau für solche Regionen wurde das UNESCO-Modell geschaffen. Diese Aufgaben „einfach weiter auf kommunaler Ebene“ lösen zu wollen, klingt gut, scheitert aber seit Jahren an Ressourcen, Personal und fehlender regionaler Bündelung.
Die Behauptung, die Gemeinderäte hätten nur eine zusätzliche Organisationseinheit abgelehnt, verkennt deshalb die Tragweite der Entscheidung. Denn ohne gemeinsame Struktur werden auch künftig viele Chancen ungenutzt bleiben.
Wer jetzt von einem „neuen Miteinander“ spricht, sollte klar sagen, wie dieses konkret aussehen soll, wer es finanziert und welche dauerhaften Strukturen dafür geschaffen werden. Ein „Weiter wie bisher“ wird Oberschwaben nicht voranbringen.
Dieter Giehmann, Langenenslingen (Dieter Giehmann war ein Pro-Sprecher bei den Informationsveranstaltungen zum Biosphären-Vorhaben, so zum Beispiel in Bad Buchau)
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