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Blick zurück mit vielen Originalobjekten und viel Künstlicher Intelligenz

Bauernkriegsausstellung in Bad Schussenried: Highlight im Jubiläumsjahr



Foto: Herbert Eichhorn
Ritterrüstung für Ross und Reiter aus dem 16. Jahrhundert.

Bad Schussenried – In allen Regionen des alten Reichs, in denen sich vor 500 Jahren die Untertanen erhoben, wird mit unzähligen Veranstaltungen die Erinnerung an den Bauernkrieg wachgerufen. Im Südwesten ist dabei sicher die Große Landesausstellung in Bad Schussenried das eindrucksvollste Projekt.

Großes Erinnerungsprojekt des Landesmuseums

7,5 Millionen hat die Landesregierung dem Landesmuseum Württemberg für sein großes Erinnerungsprojekt genehmigt. Ein Teil davon floss in kleinere Aktionen wie etwa die Erlebnis- und Mitmachausstellungen im Alten Schloss in Stuttgart oder das Theaterprojekt „UFFRUR! …on the road“, das derzeit durchs Land tingelt. Aber der Großteil der Mittel stand sicher für die Landesausstellung zur Verfügung. Die Ausstellungsmacher konnten also – salopp formuliert – richtig klotzen, zumal auf einen begleitenden Ausstellungskatalog oder Aufsatzband – bisher bei solchen Projekten eigentlich der Normalfall – verzichtet wurde. So konnten rund 150 seltene originale Objekte aus der Zeit ausgeliehen werden. Diese kommen zum Teil aus so edlen Sammlungen wie etwa der Albertina in Wien oder dem Britischen Museum in London.

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Besucher lauschen den KI-generierten historischen Figuren; Foto: Herbert Eichhorn

Historische Figuren mit KI zum Leben erweckt

Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille. Daneben haben sich die Ausstellungsmacher dafür entschieden, acht Persönlichkeiten des Bauernkrieges mittels Künstlicher Intelligenz (KI) gewissermaßen zum Leben zu erwecken. Hautnah und emotional sollen sie von den damaligen Ereignissen berichten. Eine historisch getreue Rekonstruktion sei nicht angestrebt, heißt es in der Pressemitteilung. Vielmehr solle sich Typisches aus der Zeit der Aufstände mit einer zeitgemäßen Bildsprache verbinden. Also mal sehen. 2025 wird vielleicht überhaupt als das Jubiläumsjahr in Erinnerung bleiben, in dem die KI überall ihren Auftritt hatte. Auch zum Beispiel die parallel laufende Bayernausstellung zum Bauernkrieg in Memmingen – die Bildschirmzeitung hat berichtet – nutzt KI, freilich weit weniger platzgreifend.

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Der Bauernjörg (links) und der Maler Jerg Ratgeb, KI-generiert; Foto: Herbert Eichhorn

Viel Bling-Bling

Im ersten Raum der Ausstellung treten die Acht erstmals auf. Dort ist man dann aber doch etwas überrascht. Dieser blondgelockte Jüngling im silbernen Hemd: Das soll der Maler Jerg Ratgeb sein, den die Bauern zum Kanzler wählten und der deswegen später gevierteilt wurde? Oder der perfekt gestylte Schönling mit dem vielen Bling-Bling am Körper: Das ist Georg Truchsess von Waldburg, der Bauernjörg, der als Heerführer des Schwäbischen Bundes die Aufständischen gnadenlos niederringen sollte? Eher hätte man vermutet, die beiden seien vom Eurovision Song Contest in Basel ausgeliehen worden. Aber vielleicht hilft eine solche Aktualisierung ja tatsächlich, die Thematik der Schau einer jüngeren Generation näherzubringen. Die KI-Persönlichkeiten werden dem Besucher nun in vielen Räumen begegnen und dort ihre Sicht der Dinge erläutern.

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Auf der Landtafel des Donautals von 1589 gibt es viel zu entdecken; Foto: Herbert Eichhorn

Spektakuläre Ausstellungsstücke

In der opulenten Schau erwarten den Besucher viele spannende Ausstellungsstücke. Dazwischen findet sich auch immer wieder ausgesprochen Spektakuläres, das die Blicke besonders auf sich zieht, so zum Beispiel eine prächtige Ritterrüstung für Ross und Reiter. Gleich gegenüber verlockt ein großformatiges Gemälde, die Landtafel des Donautals bei Riedlingen, regelrecht zum ausführlichen „Spazierengucken“ zwischen Dörfern und Wäldern. Überall lassen sich dort Szenen aus dem Alltagsleben der Landbevölkerung entdecken. Genauso sind die ausgestellten historischen Kleidungsstücke aus der Zeit wirkliche Hingucker. Auch im Gegensatz zwischen den prächtigen Gewändern der städtischen Oberschicht und den einfachen Kleidern der Bauern werden die gesellschaftlichen Gegensätze der Epoche schlagartig greifbar. Gleich daneben sollte man ein kurioses Faksimile nicht übersehen, das zum Durchblättern bereit liegt. Ein offensichtlich mode-verrückter Angestellter der Fugger hat dort festgehalten, welche tollen Outfits er über die Jahre getragen hat.

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Historische Gewänder in der Ausstellung; Foto: Herbert Eichhorn

Die Konflikte des Klosters mit seinen Untertanen

Überhaupt fällt der Blick in allen Räumen auf Geschriebenes und Gedrucktes, das in der Regel im Original in Vitrinen präsentiert wird. Dort findet man nicht nur die wichtigsten Druckschriften beider Parteien in den Konflikten der Reformationszeit und natürlich auch die berühmten Zwölf Artikel, die Programmschrift des Bauernkrieges. In den Vitrinen entdeckt man zum Beispiel auch die prachtvolle Urkunde eines Vertrags, den das Kloster Schussenried im Jahr 1448 mit seinen Untertanen schloss. Es hatte also auch schon früher Konflikte zwischen Obrigkeiten und Bauern gegeben, die man vertraglich zu regeln versuchte. Viel geholfen hat das allerdings offensichtlich nicht. Einige Vitrinen weiter wird ein recht dicker Band aus dem Krisenjahr 1525 präsentiert, in dem die Beschwerden der Schussenrieder Untertanen gesammelt wurden. Der Auseinandersetzungen verschärften sich weiter und im März des Jahres plünderten die Bauern schließlich das Kloster.

Die „Weißenauer Chronik“ aus Schloss Zeil – das Hauptstück der Schau; Foto: Herbert Eichhorn

Die „Weißenauer Chronik“ aus Schloss Zeil als Höhepunkt

Ebenfalls in einer Vitrine wird selbstverständlich auch das wertvolle Hauptstück der Ausstellung präsentiert. Der „Weißenauer Chronik“ – damals in der Region entstanden und bis heute hier aufbewahrt, nämlich im Archiv von Schloss Zeil – ist ein ganzer Raum gewidmet. In ihr hat der Weißenauer Abt Jakob Murer die Auseinandersetzungen rund um sein Kloster festgehalten. Die elf Federzeichnungen sind ein regelrechtes Bilderbuch des Bauernkrieges, in dem die Ereignisse wie in einem spannenden Comic erzählt werden. Die Bilder aus der Chronik werden auf eine große Leinwand projiziert. Man kann sie aber auch in aller Ruhe auf einem Touchscreen mit vielen Erläuterungen durchblättern.

Menschliche Überreste aus einem Massengrab

Gegen Ende des Ausstellungsrundgangs erwartet den Besucher ein eigenes Kabinett, in dem eher Ungewöhnliches präsentiert wird. Aus einem 1994 zufällig entdeckten Massengrab werden Knochenteile der bei der Schlacht bei Leipheim unterlegenen Bauern präsentiert. Die dort zu entdeckenden Spuren von Gewalteinwirkung legen in berührender Weise Zeugnis ab von der ersten und gleichzeitig besonders blutigen Niederlage, die das Heer des Schwäbischen Bundes unter dem Kommando des Bauernjörgs den Aufständischen zufügte.

Der Schauspieler Herbert Knaup schlüpft in die Rolle eines der geschlagenen Bauern; Foto: Herbert Eichhorn

Zum Schluss spricht ein Mensch

Diese Eindrücke hat man noch im Kopf, wenn man schließlich zum gelungenen Schluss der Ausstellung kommt. Hier tritt einem nun, Gott sei Dank, keine KI-Figur mehr entgegen, sondern ein echter Mensch. Der Schauspieler Herbert Knaup, vor allem bekannt als Kommissar Kluftinger, schlüpft in die Rolle eines der geschlagenen Bauern. In heutigen Alltagssachen und auf einem Küchenstuhl sitzend, zieht er Bilanz. Er schildert die Ungerechtigkeiten, die zur Unzufriedenheit der Bauern und schließlich zum Aufstand gegen die Obrigkeit führten. Er schildert die Wut und beklagt schließlich das tragische Scheitern der Bewegung. Und er drückt seine Hoffnung aus, dass das alles nicht umsonst war und der Blutzoll der Aufständischen nicht vergessen wird.

Dieser großartige Schlussmonolog versöhnt den Besucher etwas mit der Ausstellung. Diese fällt ansonsten doch etwas auseinander in den geballten Auftritt der teilweise recht schillernden KI-generierten historischen Figuren einerseits und der eindrucksvollen Fülle interessanter, ja teils exquisiter Originalstücke andererseits. Wahrscheinlich müssen Ausstellungsmacher in den nächsten Jahren erst auch noch mehr Erfahrungen sammeln, wie Künstliche Intelligenz in Zukunft für solche Projekte behutsamer und ausgewogener eingesetzt werden kann. Dass man sich die Große Landesausstellung zum Bauernkrieg keinesfalls entgehen lassen sollte, steht natürlich trotzdem außer Frage.
Herbert Eichhorn

In der Bildergalerie weitere Impressionen aus der Ausstellung. (Fotos: Herbert Eichhorn)

UFFRUR! Utopie und Widerstand im Bauernkrieg 1524/25

Ausstellung
Kloster Schussenried; Neues Kloster 1, Bad Schussenried
Noch bis 5. Oktober 2025
Dienstag bis Freitag 10.00 bis 17.00 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 10.00 bis 18 Uhr

Weitere Informationen unter https://www.bauernkrieg-bw.de

BILDERGALERIE

Fotos: Herbert Eichhoen

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