Stuttgart - Eine Pressemitteilung Verein für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg e.V. Öhringer Str. 2 74632 Neuenstein

Um Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen zur eher traurigen Performance des von ihr seit Jahren verantworteten Bildungswesens in Baden-Württemberg ist Kultusministerin Susanne Eisenmann nie verlegen, so auch beim aktuellen INSM-Bildungsmonitor. Geht es um Lippenbekenntnisse ist die ambitionierte CDU-Spitzenkandidatin ganz vorne mit dabei.

 

Doch das Vertrauen der Stakeholder von Bildung und Schule im Südwesten schwindet. „Wer über Ganztag spricht, muss zunächst eine Begriffsklärung vornehmen“, sagt Matthias Wagner-Uhl, Vorsitzender des Vereins für Gemeinschaftsschulen BW e.V. und damit Interessensvertreter der einzigen Schulform im Südwesten, die seit acht Jahren einen konzeptionellen Ganztag praktisch umsetzt.

 

„Was die Ministerin als ‚klassischen Ganztag‘ bezeichnet, ist der pädagogisch eigentlich sinnvolle Ganztag“, so der erfahrene Pädagoge. Doch er wie viele andere weiß: Susanne Eisenmann möchte diesen nicht in der Breite anbieten, weil er dem Weltbild ihrer konservativen Wählerklientel zuwiderläuft. Das Resultat: Der Ausbau der Ganztagsbetreuung im Südwesten stagniert, Energie steckt die Ministerin wie bei so vielen Themen eher in die Verwässerung bestehender Strukturen und Angebote. „Wenn Eisenmann von Angebotsvielfalt spricht, beschreibt das einen Bauchladen, der mit dem angeblich so hoch gehaltenen Qualitätsprinzip absolut nichts zu tun hat“, sagt Wagner-Uhl. Angesichts der roten Laterne des Bundeslandes in Sachen Chancengerechtigkeit und der Entkopplung von Familie und Bildungserfolg ein Trauerspiel: „Gesellschaftlich betrachtet ist eine solche Ganztagesbetreuung dringend notwendig, doch bastelt sich die Ministerin auch bei diesem Thema eine Realität, die zwar einem Anteil der Gesellschaft, für den sie sich interessiert, zupass kommt, andere Teile hingegen komplett ausschließt.“

 

Fakt ist: Der Ganztag in Baden-Württemberg ist chronisch unterfinanziert. Das international als Erfolgsfaktor eindeutig identifizierte multiprofessionelle Personal sucht man in der Regel vergebens. „Die heutigen Ganztagsschulen im Land sind in der Organisation zu unflexibel und in der Umsetzung viel zu dicht am tradierten und überkommenen Schulverständnis - wir Gemeinschaftsschulen hätten schon Ideen, aber wir werden aus dem System heraus ausgebremst“, rügt Wagner-Uhl.

 

Dass sich die Ministerin beim Thema Ganztag auf den angeblichen Elternwunsch beruft, hat geradezu eine delikate Note: schon länger kritisieren der Landeselternbeirat sowie andere organisierte Elterngruppen wie über das ganze Land vernetzte Gesamtelternbeiräte oder das Elternnetzwerk im GMS-Verein die kommunikative Zurückhaltung seitens der Kultusministerin. Echten Dialog oder gar Partizipation sucht man elternseitig vergebens.

 

Als großer Fortschritt wurde von der Ministerin eine sogenannte Einigung über Ganztagsangebote mit den kommunalen Trägern verkauft. Pädagogische Gesichtspunkte spielten dabei maximal die zweite Geige. „Ja, es ist einfach, die Verantwortung für den Ganztag an die Kommunen abzuschieben, ein beliebtes Handlungsmuster der Ministerin“, sagt Wagner-Uhl: „Damit produziert man Bildungsungerechtigkeit, gerät selbst nicht ins Kreuzfeuer und kann andere verantwortlich machen, wenn es nicht rund läuft.“

 

Die Conclusio Wagner-Uhls ist deutlich: „Das Thema Ganztag ist in Baden-Württemberg miserabel organisiert, schlecht ausgestattet und wird von dieser Kultusministerin äußerst stiefmütterlich behandelt – und wenig überraschend: weil es so schlecht funktioniert, schneiden wir auch beim Thema Bildungsgerechtigkeit regelmäßig schlecht ab“. Wer dies anders beurteile, müsse schon Kreide gefressen haben - wobei es davon im Land ja immer noch mehr als genug gibt.

 

Verein für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg e.V. Öhringer Str. 2 74632 Neuenstein

 

 

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