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Bad Wurzach (Leserbrief) - Am 14.09.2020 wurden vom RKI "260.355 (+927) Bestätigte Fälle", "9.350 (+1) Verstorbene" und "ca. 233.300 (+1200) Genesene" gemeldet. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/NeuartigesCoronavirus/Situationsberichte/Sept2020/2020-09-14-de.pdf

 

Ich bin kein Germanist, aber: hätte man den selben Informationsgehalt nicht auch z. B. mit folgendem Wortlaut veröffentlichen können: "Heute 1 Person mit einem positiven PCR-Testergebnis verstorben - Zahl der aktuell gemeldeten positiven Testergebnisse um 273 auf 17.705 gesunken"? Ist es beabsichtigt, dass den Lesern möglichst oft möglichst große Zahlen präsentiert werden? Wenn ja, warum?

 

Ebenso wenig bin ich Jurist, aber: ist es legal, dass bei diesen Meldungen die Zählweise des RKI nicht der geltenden Gesetzeslage entspricht? Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) liegt gemäß § 2 eine Infektion dann vor, wenn ein Krankheitserreger in den menschlichen Organismus aufgenommen wurde und er sich danach dort entwickelt oder vermehrt. Der hierfür vorauszusetzende Krankheitserreger muss "ein vermehrungsfähiges Agens (= Virus, Bakterium, Pilz, Parasit) sein, das bei Menschen eine Infektion oder übertragbare Krankheit verursachen kann". Die oben zitierten 17.705 Labornachweise wären also nur dann Infektionsfälle im Sinne des IfSG, wenn vermehrungsfähiges Virenmaterial vorhanden wäre. Genau diese Vermehrungsfähigkeit kann ein PCR-Test jedoch gar nicht nachweisen - diese Tests können prinzipiell von ihrer Konzeption her gar nicht zwischen vermehrungsfähigem und nicht-vermehrungsfähigem Virusmaterial unterscheiden! Falls das Wissen über diese Tatsache noch kein Allgemeingut ist, kann man dies sowohl bei den Herstellern dieser Tests (z. B. bei der Firma Roche: https://pim-eservices.roche.com/eLD/api/downloads/008d5c8b-8ab5-ea11-fa90-005056a772fd?countryIsoCode=ch ) als auch in universitären Studien ( z. B. https://www.unimedizin-mainz.de/fileadmin/kliniken/medmikrohyg/Dokumente/DokumenteDiagnostik/DiagnKnowhow/MibiPCR-Grundlagen.pdf ) nachlesen: „Positive Ergebnisse deuten auf das Vorhandensein von SARS-CoV-2 RNA hin, aber nicht unbedingt auf das Vorliegen eines übertragbaren Virus.“ / „Ein positives PCR-Ergebnis ist nicht beweisend für das Vorliegen einer floriden Infektion bzw. einer andauernden Besiedlung, da die PCR-Untersuchung nicht zwischen vermehrungsfähigen und nicht mehr vermehrungsfähigen Organismen unterscheidet.“

Es ist sicherlich legal, die Zahl der positiven Tests zu veröffentlichen. Aber ist es legitim, diese als "Infektionen" zu verkaufen, wenn doch aufgrund der PCR-Tests niemand sagen kann, wie viele Personen tatsächlich infiziert sind?

 

Schließlich bin ich auch kein Politiker, aber: kann man tatsächlich aufgrund einer im Kern so unklaren Datenlage richtig abwägen und Entscheidungen treffen? Oder sollte man bei so weitreichenden Entscheidungen eher die "harten" belastbaren Zahlen heranziehen, z. B. die Anzahl der 'wegen' und 'mit' COVID-19 Hospitalisierten (lt. RKI in der KW 36 in Deutschland 290 Patienten)?

Außerdem wundert es mich, dass die Abwägungen und die dazu verwendeten Daten, die zu den einschneidenden Maßnahmen führten, z. T. nicht einmal dokumentiert wurden - obwohl zum Thema "Transparente Aktenführung" in der "Richtlinie zur Verhütung und Bekämpfung von Korruption in der öffentlichen Verwaltung" von 2004 bei Punkt 3.1. unter anderem steht, dass "Akten die einzelnen Bearbeitungsschritte vollständig, nachvollziehbar und dauerhaft erkennen lassen müssen" und "Vorgangsrelevante mündliche Erklärungen und Informationen schriftlich zu dokumentieren sind". https://www.br.de/nachrichten/bayern/staatsregierung-keine-akten-zu-corona-beschluessen,SA6NyUL

Peter Allgaier
Bad Wurzach

 

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