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Bad Schussenried - Reisen ist für viele Menschen eine Leidenschaft, ebenso die Planung dazu. Aber was, wenn ein fieser Virus alle Planung über den Haufen wirft? Die Konsequenz: Urlaub im Nahbereich gewinnt an Attraktivität. 

Bei einer Videokonferenz  am 18. Mai, dem Tag als auch in Baden-Württemberg Gastronomiebetriebe unter strengen Auflagen wieder öffnen durften, hat sich Außenminister Heiko Maas mit seinen Kollegen aus zehn der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen darauf verständigt, auf eine Öffnung der Grenzen für Touristen noch vor Sommerbeginn hinzuarbeiten. Er hoffe, dass die noch bis zum 14. Juni geltende weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes anschließend durch Reisehinweise zu den einzelnen Ländern ersetzt werden könne, sagte Maas. Deutschland und Österreich wollen den gegenseitigen Tourismus möglichst schnell wieder ermöglichen. Sofern es keine Rückschläge bei der Eindämmung der Corona-Pandemie gibt, soll die Grenze zwischen den Ländern am 15. Juni wieder geöffnet werden.

„Schnellstmöglich wieder innerhalb Deutschlands verreisen“ – das ist das Ziel von 26 Prozent der Deutschen im Alter von 18 bis 74 Jahren. Erst einmal abwarten wollen 45 Prozent und 29 Prozent haben dieses Jahr vor, überhaupt nicht zu verreisen. Dies ergab Mitte Mai eine deutschlandweit repräsentative Online-Befragung von 1.011 Personen, die das Bayerische Zentrum für Tourismus mit Sitz in Kempten in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung durchgeführt hat. Rund ein Drittel hat momentan keine Lust zu verreisen. Ein Viertel verweist auf die leere Reisekasse und jeder Fünfte hat Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus. 14 Prozent wollen erst wieder reisen, wenn die Grenzen ins Ausland geöffnet werden. Der Anteil der Reisewilligen liegt in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen und der 40- bis 49-jährigen deutlich über dem Durchschnitt. Betrachtet man die Gründe für die Reiselust, so ist es für 59 Prozent vor allem der Wunsch „Kraft zu sammeln“, „zu entspannen“ (57%) und „Abstand vom Alltag“ zu bekommen (54%). „Zeit füreinander haben“ nennt jeder Zweite der Befragten. „Sich einfach verwöhnen lassen“ ist für 42 Prozent wichtig. Die Motive Wandern und Radfahren spiegeln den Wunsch nach Bewegung und nach dem Erleben der Natur wider. Entsprechend häufig wird der Entspannungsurlaub (40%) als Urlaubsart für den nächsten Urlaub in Deutschland genannt, gefolgt von Natururlaub (38%) und Bade- bzw. Strandurlaub (34%). 

Als Unterkunft für die nächste Reise in Deutschland wird von 26 Prozent der Befragten eine Ferienwohnung/ein Ferienhaus bevorzugt, gefolgt von einem mittelgroßen Hotel (16 %) und einem kleinen Hotel (14 %); große Hotels, Gasthöfe, Pensionen oder Jugendherbergen werden jeweils von weniger als 10 Prozent der Befragten ausgewählt. Überdurchschnittlich wird der Campingplatz von 60- bis 69-Jährigen als Unterkunft präferiert. Entsprechend wird das Wohnmobil von dieser Gruppe auch überproportional häufig als Verkehrsmittel für den Urlaub angegeben. Mit 71 Prozent in der Gesamtbevölkerung liegt das Auto als Verkehrsmittel in den Urlaub an erster Stelle. 

Daniela LeipeltFast ein Viertel möchte diesen Urlaub in Bayern verbringen, gefolgt von knapp einem Fünftel, die nach Mecklenburg-Vorpommern reisen möchten. Bürger aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen nennen ihr eigenes Bundesland überproportional häufig als Ziel für den nächsten Urlaub. BLIX sprach mit Daniela Leipelt (Foto), der Geschäftsführerin der Oberschwaben Tourismus GmbH in Bad Schussenried. 

 

Frau Leipelt, wie beurteilen Sie die derzeitige Situation in der Region?

Die  Situation ist auch in der Region Oberschwaben-Allgäu vor allem für die Betriebe der Kultur- und Freizeitwirtschaft und das Gastgewerbe äußerst besorgniserregend. Seit dem 18. Mai sind  ja in Baden-Württemberg Ferienwohnungen, Speisegaststätten und Campingplätze wieder offen. Auch Freizeitangebote unter freiem Himmel sind wieder erlaubt. Vom Bootsverleih über Kletterparks bis zur Sommerrodelbahn kommt somit neues Leben in unsere Destinationen. In kleinen Schritten kehrt das touristische Angebot zurück.

 

Wie schätzen Sie die Preisentwicklung ein? 

Für alle Betriebe in der Freizeit- und Tourismusbranche sind die neuen Hygieneanforderungen mit großen personellen und organisatorischen Herausforderungen verbunden, die natürlich auch zusätzliches Geld kosten. Das ist bei weiter einbrechenden Einnahmen – auch aufgrund der Einhaltung der Abstandsregelungen – kaum zu leisten. Damit wird deutlich: Die zusätzlichen Hygienemaßnahmen, Belegungsgrenzen und Gastronomie-Einschränkungen für die Hotelgäste und auch Gastronomiebesucher werden und müssen sich auf die Preispolitik auswirken. Um die Zusatzkosten und Mindereinnahmen zu decken, werden die Hoteliers und Restaurants in den kommenden Wochen ihre Preise steil nach oben schrauben müssen. Da viele Familien den Gürtel enger schnallen müssen, bedeutet Urlaub zu Hause vor allem auch mehr Tagesausflüge und Kurztrips. 

 

Wie geht es jetzt weiter?

Es ist jetzt schon klar, der Tourismus wird ein anderer sein als vor Corona. Die Abstandswahrung, das Tragen eines Mund-/Nasenschutzes in den vorgeschriebenen Bereichen und dort, wo Abstandswahrung nicht möglich ist, Plexiglasscheiben, die als Trennwand dienen, zeichnen das Bild mit und nach Corona. Für mich stellt sich auch persönlich die Frage: Lassen diese prägenden Bilder wirklich Lust auf Urlaub und dann auch am Urlaubsort auch echtes Urlaubsfeeling aufkommen? 

 

Sehen Sie in manchen Bereichen eine besondere Chance für Oberschwaben?

Es bleibt zu hoffen, dass es kein europäisches Wettbieten um Touristen geben wird. Gerade die großen Reiseveranstalter werden sicher mit starken Kampagnen und Preiskämpfen an den Start gehen, wenn sie ihre Hotelburgen in den beliebten Sonnenländern über die Sommerferien auslasten wollen. Es sollten für alle einheitlichen Hygienestandards für Ferienunterkünfte, Gastronomie und Freizeitunternehmen gelten, auch, um das Risiko einer zweiten Corona-Welle eindämmen zu können. Ja, für Oberschwaben-Allgäu bieten diese Entwicklungen auch große Chancen. Gerade beim Thema „Social Distancing“ können wir punkten. Unsere Region kann keine Mega-Cities mit urbanen Zentren und auch keine touristischen Hotspots bieten. Was lange Zeit - vielleicht auch von einigen Gästen - als nachteilig ausgelegt wurde, kann uns jetzt zum großen Vorteil gereichen. In Zeiten von und nach Corona kann die Region besonders mit einer sehr abwechslungseichen voralpinen Landschaft punkten: sanfte Hügel und kleinen Seen, teilweise wilde und unberührte Moorlandschaften und Naturschutzgebiete, landwirtschaftliche Höfe mit Streuobst- und Weidewiesen und beschauliche Dörfer und Kleinstädte ermöglichen es, in der Natur zu sein, vermitteln ein Stück Geborgenheit und Heimat. 

 

Wie ist derzeit die Nachfrage?

Es geht langsam bergauf.  Seit zwei Wochen bekommen wir wieder verstärkt Prospektanfragen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir fokussieren uns derzeit auf die Bereiche Kultur- und Archäo-Kulturtourismus, die Natur- und Aktivsportangebote und Angebote für Familien sowie Reisemobil- und Campingurlauber. Wir werben mit Freilichtmuseen, Burgen-und Schlössern der Oberschwäbischen Barockstraße, Rad-, Wander- und Pilgerwegen. Wir  haben viele Ferienwohnungen, Ferienhöfe mit „Urlaub auf dem Bauernhof“. Nach meiner Einschätzung werden weniger die Stadtzentren, sondern eher die naturnahen Angebote und individuellen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten mit viel „Frei- und Spielraum“ besonders gefragt sein. Alles, was sich bislang in gedrängten Innenräumen oder „geführt“ oder „in Gruppen“ abgespielt hat, wird aufgrund der Einhaltung der geforderten Mindestabstände weniger in Frage kommen. Ich gehe von einem absoluten Boom auf den hiesigen Reisemobilstellplätzen und Campingplätzen aus. Die Stellplätze könnten in Stoßzeiten so gut besucht sein, dass die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigen wird

 

Was planen Sie aktuell?

Wir informieren auf unserer Regionen-Webseite unter der Kachel „Re-Start-Seite“ über alle wieder geöffneten/besuchbaren Ausflugsziele, Barockerlebnisstationen, Reisemobilstellplätze, Sehenswürdigkeiten entlang der Radwege und vieles mehr. Diese Informationen erhalten wir direkt von den Leistungsträgern bzw. unseren Tourismusorten.  Auf unserer Webseite stellen wir „digitale Erlebnisangebote“ der Region vor. Ein gutes Beispiel ist die App „Aulendorfer Schlossgeschichten“. Dieses digitale Erlebnis kann sich der Gast über QR-Code erst Mal bequem zu Hause vom Sofa anschauen und bekommt dann Lust, sich vor Ort umzuschauen. In Kürze erscheint unser neues Oberschwaben Magazin 2020/21. Der Ausgabetermin wurde bewusst zeitlich auf Anfang Juni 2020 verschoben, um hier mit allen Informationen aktuell sein zu können. Aktuelle Informationen unter
 www.oberschwaben-tourismus.de

 

Autorin: Andrea Reck

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