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Bad Buchau - Die meisten Stellen im Bundesfreiwilligendienst bietet der Sozialbereich. Wer nicht in Kindergärten, Altenheimen oder im Krankenhaus arbeiten will, kann sich auch im Naturschutz nützlich machen. Wie Max Bensberg.

 

Herr Bensberg, wo arbeiten Sie? 

Ich arbeite seit dem 1. September 2019 beim NABU-Naturschutzzentrum Federsee in Bad Buchau. Wir sind eines von drei Naturschutzzentren des NABU in Baden-Württemberg und führen die naturschutzfachliche Betreuung des Naturschutzgebietes Federseemoor durch. Mein Bundesfreiwilligendienst (BFD) dauert hier genau ein Jahr bis zum 31. August 2020. Ich wohne mit drei anderen Freiwilligen in einer WG in direkter Nähe zum Naturschutzzentrum.

 

Wo kommen Sie her? 

Ich komme aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Siegen in Nordrhein-Westfalen. Zu meinem BFD wollte ich gerne in den Süden von Deutschland und hier neue Gebiete kennenlernen. Da hat der Federsee im schönen Schwabenland sehr gut gepasst. 

 

Was bekommen Sie für ihre Arbeit?

Für meine Arbeit bekomme ich ein sogenanntes Taschengeld, wovon die WG Miete und das Essen bezahlt werden. Dieser Lohn reicht völlig für ein angenehmes Leben aus, aber letztlich besteht der Sinn der Sache natürlich in der Freiwilligkeit der Arbeit.

 

Wieso engagieren Sie sich im BFD?

Ich habe im Frühjahr 2019 mein Abitur gemacht und wollte gerne, bevor ich anfange zu Studieren, ein Jahr lang mal etwas ganz Anderes machen. Da die Bedrohung durch die Klimaerhitzung und die damit verbundene Fridays for Future-Bewegung für mich ein immer wichtigeres Thema wurde, war klar, dass ich mich in diesem Jahr im Klima- und Naturschutz engagieren wollte. Dabei ging es mir vor allem darum, einmal nicht nur zu lesen und zu lernen, sondern wirklich praktisch arbeiten zu können und direkte Maßnahmen durchzuführen, die unserer Umwelt helfen werden. Außerdem finde ich, dass es einem einfach ein gutes Gefühl gibt, freiwillig für eine Sache Lebenszeit aufzuwenden, ohne etwas dafür zu verlangen.

 

Was sind Ihre Aufgaben?

Der Hauptteil meiner Aufgaben (und die der anderen Freiwilligen) besteht in der Landschaftspflege in unseren Naturschutzgebieten. In den Wintermonaten geht es dabei besonders um das Mähen der Riedflächen um den Federsee. Dabei mäht man jedes Jahr zwischen 80 bis 100 Hektar Feuchtwiese mit der Motorsense. Mit dieser Maßnahme halten wir bestimmte Wiesenflächen offen, um den wichtigen Lebensraum, den solche Wiesen geben, zu erhalten und Pflanzenarten zu schützen, die teilweise seit der letzten Eiszeit hier leben. Wenn wir die Flächen nicht mähen würden, würde irgendwann ein Wald darauf wachsen und die bedrohten Arten würden verschwinden. In den Sommermonaten sind wir draußen zum einen mit der Neophyten-Bekämpfung beschäftig. Dabei geht es darum, invasive Pflanzenarten, die ins Naturschutzgebiet geschleppt wurden, zu bekämpfen: Hauptsächlich die Kanadische Goldrute und das Indische Springkraut, welche sehr schnell große Flächen überwuchern und damit Lebensräume zerstören kann. Um das aufzuhalten, suchen wir gezielt nach Vorkommen dieser Arten, mähen diese nieder und bedecken die Goldruten mit großen Planen damit diese invasiven Arten dort langsam eingehen. 

Ein weiterer großer Bereich ist die Öffentlichkeitsarbeit. Wir bieten das ganze Jahr über verschiedene Führungen durch unser Naturschutzgebiet an. Seit Anfang Oktober sind wir Freiwilligen selber soweit, diese Führungen durchzuführen, was besonders im Frühjahr und Sommer unsere Zeit beansprucht. Dabei geht es um wöchentliche, öffentliche Führungen und gebuchte Führungen, welche Gruppen von Vereinsausflügen bis Kindergeburtstagen beinhalten. Auf den Führungen erklären wir, wie ein Moor entsteht und funktioniert, wie man mit Moorschutz zum Klimaschutz beiträgt und welche Vögel, Tiere und Pflanzen am Federsee zu sehen sind. Außerdem haben wir Aufgaben wie Büroarbeit, Betreuung unserer Besucherausstellung und spezielle Projekte, wie der Bau einer Insekten Nisthilfe vor unserem Naturschutzzentrum.

 

Was für Erfahrungen machen Sie? Welche Schwierigkeiten gibt es?

Ich lerne täglich neue Dinge dazu. Innerhalb kürzester Zeit habe ich tiefe Einblicke darin bekommen, wie das Ökosystem Moor funktioniert und weiß schon sehr gut über die Tier- und Pflanzenarten Bescheid und kann diese auch in der Natur bestimmen. 

Man macht natürlich viele Erfahrungen, bei denen man schon einmal etwas aus seiner Komfortzone raustreten muss. Dabei geht es um Besucherbetreuung im Naturschutzzentrum, wenn man Gäste beraten muss und Auskünfte geben soll. Die erste Führung, die man alleine durchführt, kostet schon etwas Überwindung, weil man plötzlich als „Experte“ für etwas angesehen wird und den Gästen etwas beibringen soll und möchte. Hier merkt man allerdings auch, wie viel Spaß es machen kann, eine Gruppe zu betreuen und mit ihr zusammen einen sehr komplizierten Lebensraum zu erforschen. Wenn man selber mit Spaß und Begeisterung an so etwas herangeht, ist es schön zu sehen, wenn dies auch von den Gästen widergespiegelt wird. 

Außerdem ist es eine tolle Erfahrung zu lernen, wie eine Einrichtung wie unsere funktioniert und wie man hier als Team zusammenarbeitet. Dabei lernt man viel, was einem im späteren Berufsleben wieder hilfreich sein kann. 

Tolle Erfahrungen sind auch der Austausch mit anderen Bundesfreiwilligendienst Leistenden, welcher über die Seminare stattfindet, bei denen man immer fünf Tage lang mit andern Bundesfreiwilligen zusammenarbeitet und sich austauscht zu bestimmten Themen wie etwa „Nachhaltige Zukunftsentwicklung“. 

 

Was ist Ihr Berufswunsch?

Nach diesem Jahr möchte ich gerne Geographie studieren. Ich interessiere mich sehr für nachhaltige, grüne Stadtentwicklung und für die Notwendigkeit, dass wir Menschen in Zukunft in Einklang mit unserer Umwelt leben werden müssen. Wir können uns nur so viel von ihr nehmen, dass unser Planet weiterhin gut bestehen bleiben kann. Dabei kann ich mir gut vorstellen, im Bereich der Stadt- und Raumentwicklung zu arbeiten. 

www.bundesfreiwilligendienst.de

 

Autorin: Andrea Reck

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