BLIX Banner1

Die Sau beherrscht den Superlativ. Und zwar in jede Richtung. Saudumm oder saugscheid, saugut oder sauschlecht – das ist Maximum, mehr geht nicht! Auch nicht in der Ambivalenz des Menschen zu diesem Tier. Sauschwierig! Das Schwein beherrscht uns, unsere Sprache, unser Denken und Fühlen. Saugeil! Behandeln wir es deshalb so schweinisch, weil wir es nicht wahrhaben wollen? Antworten gesucht.

 „Damit sie ihm nicht fehle,
hat jeder Mensch die Seele.
Tiere haben keine.
Ausgenommen: Schweine.“
- Illustrator und Buchautor Hans Traxler

Die einen haben es zum Fressen gern, das sind in etwa zwei Drittel der Menschheit, die anderen finden es zum Erbrechen, weil ihre Religion es als „unrein“ verbannt. Aber für den Großteil der Menschen sind Schweine als Fleischlieferanten die wichtigsten Nutztiere und dennoch unsichtbar. Wir sperren sie weg in hermetisch verschlossenen Ställen und kennen sie nur noch als Schnitzel und Leberkäs.
Das Verstecken ist alt hergebracht. Die glückliche Sau gibt es schon lange nicht mehr. Die dunkelste Ecke im Stall, die nur zu jedem Vierfest mal ausgemistet wurde, dort fristeten die paar Schweine ihr Dasein auf dreckigem Stroh bevor die Landwirtschaft zur Industrie mutierte und seitdem hunderte und tausende der grunzenden Paarhufer auf Spaltenböden ihr kurzes Dasein fristen.
Seit 9000 Jahren begleiten die Schweine den Menschen, dessen Sesshaftigkeit war Voraussetzung, dass sie mehr oder weniger zu Haustieren wurden, ihr Fressen suchten sie selbst. Der Schweinehirt trieb die hungrigen Tiere in den Wald, wo sie im Waldboden nach Eicheln, Bucheckern, Würmern und Mäusen wühlten. Gefressen wird, was vor die lange Schnauze kommt, Kadaver inklusive. Als Allesfresser sind sie dem Menschen gleich und auch vor Aas sind unsere Urahnen nicht zurückgeschreckt.
Der Mensch mag sich in diesem unförmigen Tier nicht erkennen, es ist ihm aber sehr nah: an Körper, Geist und Seele. (Zu Letzterem siehe Hans Traxler oben). Unstrittig ist: Physiologisch sind sich Schwein und Mensch sehr ähnlich. Das trifft nicht nur auf das Herzkreislaufsystem zu, sondern auch auf die Struktur und Beschaffenheit von Fleisch und Fettgewebe. In der Gerichtsmedizin werden Stich- und Schussverletzungen an frisch geschlachteten Schweinen nachgestellt. Und die Wissenschaft zielt darauf ab, dem herzkranken Mensch‘ ein Schweineherz zu implantieren.
Aber von Dankbarkeit keine Spur. Die Drecksau ist ein weiterer Superlativ – schmutziger geht nicht. Falsch ist es dennoch, zieht man in Betracht, dass Schweine keine Schweißdrüsen haben und das Suhlen im Schlamm ihnen Kühlung verschafft und vor Sonnenbrand und Parasiten schützt. Richtig ist, in jeder Drecksau steckt ein intelligentes und hoch soziales Tier, das sich nicht vor unseren nächsten Verwandten, den Primaten oder Menschenaffen, verstecken muss. Schaut man in die kleinen Schweins-augen mag man das nicht glauben, doch wie der Mensch ist auch die Sau ein Familientier, aufs engste verbandelt mit Muttersau, Geschwister und Tanten fühlt es sich sauwohl. So sieht ein Glücksschwein aus!
Unsere Ambivalenz zu diesem besonderen Tier schließt ein, dass es uns auch glücklich macht. Das gilt für das Sparschwein von Kindern, das Wünsche erfüllt, und erst recht für „Schwein haben“, was der Mensch braucht, um glücklich durchs Leben zu kommen. Hans Traxler hat recht!
Und jetzt die Pest, die afrikanische. Saublöd!

 

Autor: Roland Reck

Foto: Thomas Kapitel

Pin It
­